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Celia Sasic im Gespräch : „Der Wechsel nach Frankfurt war das Beste für mich“

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„Ich freue mich tierisch drauf“: Celia Sasic denkt schon an die WM 2015 Bild: Picture-Alliance

Mit dem Test gegen Frankreich am Samstag (14.00 Uhr) beginnt die Vorbereitung auf die Frauenfußball-WM 2015. Zuvor spricht Celia Sasic im F.A.Z.-Interview über ihre besondere Beziehung zum Gegner und die Vorfreude auf das Turnier in Kanada.

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          Die Torjägerin des FFC trifft im Länderspiel an diesem Samstag (14.00 Uhr / Live im ZDF) in Offenbach gegen Frankreich auf das Heimatland ihrer Mutter. Die Partie ist der erste ernsthafte Test auf dem Weg zur WM 2015 in Kanada.

          Sie sind zwar in Deutschland aufgewachsen, aber Ihr Vater ist Kameruner, Ihre Mutter ist Französin. Stand es jemals zur Debatte, für Frankreich, den Gegner an diesem Samstag in Offenbach, zu spielen?

          Die Frage stellte sich nie, da ich alle deutschen Jugend-Nationalteams durchlaufen habe. Und ich habe mich schon in der deutschen Nationalmannschaft so früh festgespielt, ehe die Franzosen vermutlich überhaupt wussten, dass ich auch französische Wurzeln habe.

          Wäre es denn ein schönes Gedankenspiel, sich in der französischen Elf vorzustellen?

          Es ist schon verführerisch, sich vorzustellen, wie ich in deren Team zurecht käme. Das wäre auch eine Herausforderung für mich als Spielerin, weil sie ganz anders spielen als wir. Aber das geht mir nicht nur mit Frankreich so, sondern auch im Verein. Ich habe das ja bei meinem Wechsel von Bad Neuenahr nach Frankfurt erlebt, welche Aufgabe es darstellt, sich in einem neuen Team einzuleben.

          Das französische Team steht für Leichtigkeit und eine spielerische Note, das deutsche Team für Effizienz: Treffen da zwei ganz unterschiedliche Stile aufeinander?

          Es ist schon richtig, dass es große Unterschiede gibt. Die anderen verzweifeln immer wieder an uns, weil wir Turniere gewinnen, während beispielsweise Frankreich bei der letzten EM zu Beginn sicher die beeindruckenderen Leistungen gezeigt hat. Ich halte sie für eine technisch sehr starke Mannschaft und es wundert mich, dass sie noch nie den letzten Schritt bei einem Turnier gegangen sind. Sie zu schlagen am Samstag, das wird eine Aufgabe.

          Warum spielen Sie eigentlich nicht in der französischen Liga, wo beispielsweise Paris St. Germain derzeit aus vielen Gründen sehr attraktiv scheint bei derzeit fünf deutschen Spielerinnen?

          Als sich in Bad Neuenahr die Insolvenz und der Rückzug aus der Bundesliga angedeutet hatten, habe ich das natürlich in Erwägung gezogen. Ich würde sowieso am liebsten mal in jedem Land der Welt spielen. Aber ich habe damals den sportlich richtigen Schritt gemacht nach Frankfurt. Das war das Beste für mich.

          Warum?

          Ich habe mich in Frankfurt sportlich weiterentwickelt. Das Training verlangt einem jeden Tag Top-Niveau ab. Ich werde in den unterschiedlichen Wettbewerben unter hoher Belastung mehr gefordert. Es muss aber bei so einem Wechsel auch alles passen: Nicht nur sportlich, auch privat. Aber das schließt nicht aus, dass mein Mann und ich uns in der Zukunft mal zusammen auf so ein Auslandsabenteuer einlassen. Wir sind ja noch jung.

          Die Bundestrainerin hat vor einem Jahr schon gefordert, dass einige Spielerinnen auch individuell noch einmal einen Schritt Richtung Weltklasse machen müssen, damit das Team für die WM im kommenden Sommer gewappnet ist. Sehen Sie sich auf dem Weg dorthin?

          Es ist nicht mein Ding zu beurteilen, wo ich im Vergleich zu anderen Spielern in der Welt stehe. Aber für mich ist es selbstverständlich, dass ich mich ständig weiterentwickeln will. Und da bin ich auf dem richtigen Weg.

          „Das Training verlangt einem jeden Tag Top-Niveau ab“: Celia Sasic gefällt es in Frankfurt
          „Das Training verlangt einem jeden Tag Top-Niveau ab“: Celia Sasic gefällt es in Frankfurt : Bild: Röth, Frank

          Sie haben viele Stärken im Torabschluss, sind schnell, stets einsatzbereit auch im Defensivspiel. Kann man bei so vielen Stärken gelassener an seinen Schwächen arbeiten, in Ihrem Fall beispielsweise der Ballannahme?

          Wenn man besser werden will, muss man natürlich an den Schwächen arbeiten, darf aber dabei nie seine Stärken außer acht lassen. Mir hilft aber schon der höhere Stress im Training in Frankfurt, um technische Fehler vermeiden zu lernen. In Neuenahr konnte ich dann vielleicht den Ball trotzdem sichern, in Frankfurt stehen mir dann jetzt drei Gegenspielerinnen auf dem Fuß.

          Vor der WM sind vielleicht nur 14 Tage Vorbereitung im Nationalteam möglich zwischen Endspiel in der Champions League und dem WM-Auftakt, während bislang sechs- bis zehnwöchige Trainingslager üblich waren. Deshalb dürfte Eigenverantwortung gefragt sein. Sehen Sie das als Gefahr oder Chance an?

          Die kurze Vorbereitung muss nicht unbedingt ein Negativpunkt sein. Es ist sicher hart, dass wir nach einer extrem langen und belastenden Saison wenig Pause haben. Aber da muss eben jeder sehr verantwortungsvoll mit seinem Körper, seinem Lebensstil und der nötigen Regeneration umgehen. Ich habe da großes Vertrauen, dass jede bei uns ihre Hausaufgaben macht.

          Ist das Spiel gegen Frankreich nach den meist wenig fordernden Qualifikationsspielen der erste WM-Test?

          Das Spiel ist auf jeden Fall der frühe Start in die Vorbereitung. Das wird ein umkämpftes Spiel zweier Weltklasseteams auf hohem Niveau. Und es geht ums Prestige. Das sind immer gute Tests.

          Wie sehr ist die Anfang Juni beginnende WM schon in ihrem Kopf?

          Auch wegen der Umstände mit der kurzen Vorbereitung ist die WM natürlich schon im Kopf. Ich freue mich tierisch drauf. 2007, als wir Weltmeister wurden, habe ich leider verletzt verpasst. 2011 haben wir es bekanntlich nicht geschafft. Ich will es einfach jetzt noch mal versuchen.

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