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DFB-Stürmer im Fokus : Werner und Werner

Timo Werner erzielte zwei Tore gegen Nordmazedonien, ein gutes Spiel. Bild: Reuters

Die beste Version des Stürmers ist ein selbstbewusster Torjäger, der trifft. Die schlechteste sitzt auf der Bank und sucht nach Selbstbewusstsein. Die zwei Versionen des Timo Werner.

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          Deutschland hat keinen Mbappé. Und keinen Haaland. Deutschland hat Werner, Timo Werner. Daran wird sich nichts ändern, nicht bis zur Weltmeisterschaft 2022 und auch nicht danach. Und es wird sich auch dann nichts ändern, wenn Werner nach jedem Länderspiel, in dem er eine gute Torchance vergibt, verlacht und verhöhnt wird. In den sozialen Medien kann man sich auf den Kopf stellen: aber es wird kein Mbappé und kein Haaland aus Werner. Und das ist völlig in Ordnung so.

          Fußball-Länderspiele

          Was es aber gibt, sind zwei verschiedene Versionen von Werner. In der einen, der besten, die er auf dem Fußballplatz sein kann, ist Werner ein internationaler Topstürmer. Einer, der mit seinem Tempo und seinem direkten Weg zum Tor jeder Abwehr Angst und Schrecken einflößt. In der anderen Version ist Werner ein Stürmer, der nicht stürmt, sondern auf der Bank sitzt und nach Selbstvertrauen sucht. Tatsache ist, dass beide Werner-Versionen immer wieder in Umlauf sind, auch in diesem Jahr.

          Im Oktober 2021 lässt sich sagen, dass Hansi Flick gerade dabei ist, Werner zu helfen, wieder die beste Version seiner selbst zu werden. Fünf Tore in fünf Spielen sind eine Zwischenbilanz, die zeigt, wozu Werner fähig ist – und wozu er in den vergangenen Jahren schon immer fähig war. Als er im Sommer 2019 nach England ging, hatte er 28 Bundesliga-Tore im Gepäck dabei.

          Und nach einer Schwächephase in der Vorsaison bei Chelsea, in der er in wichtigen Spielen auch erstklassige Torchancen verschluderte, hatte Werner unter Trainer Tuchel dann trotzdem seinen Anteil daran, dass der Klub die Champions League gewann. Einen guten Monat später, im Sommer, bei der Europameisterschaft, sah Fußball-Deutschland dann vor allem die zweifelnde Werner-Version. Er war so weit weg von dem Werner, der er sein kann, wie lange nicht.

          Es läuft und lief nicht immer rund für Werner.
          Es läuft und lief nicht immer rund für Werner. : Bild: Picture-Alliance

          Dass der Torjäger in Deutschland seit Jahren von vielen Fans und auch einigen Medien kritischer als jeder andere deutsche Topstürmer betrachtet wird, ist kein Geheimnis. Und auch nicht, dass Werner dies immer wieder zu schaffen gemacht hat. Schon mit seinem frühen Ruf, ein Schwalbenkönig zu sein, hatte er länger als die meisten seiner Kollegen zu kämpfen, die sich mal einen Elfmeter ergaunerten.

          Die Ablehnung hatte jedoch nicht zuletzt damit zu tun, dass er diesen Elfer für den von den Fanszenen am stärksten verachteten Klub herausschlug, für RB Leipzig. Ein Liebling der Massen wurde Werner seitdem nie, obwohl er in 47 Länderspielen nun 21 Tore erzielt hat, eine Topquote.

          Werner sagte in Skopje, dass die Kritik, die ihn nun seit Jahren begleitet, an ihm abperle. Es bleibe ihm ja auch nichts anders übrig, er wolle ja weiter Tore schießen. Und das macht Werner. Etwas Besseres kann der Nationalmannschaft nicht passieren. Aber er selbst hätte Besseres verdient.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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