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Fußball-Nationalmannschaft : Vertragsverlängerung mit Löw und Co. auf Eis

Der Trainer und sein Vermarkter: Löw und Bierhoff (r.) haben wohl zu hohe Bonuszahlungen gefordert Bild: dpa

Aus der angeblichen Einigkeit zwischen dem Bundestrainer-Team und dem DFB wird ein zähes Feilschen. Personalentscheidungen sollen nun erst nach der WM in Südafrika getroffen werden. Im Zentrum der Kritik steht Manager Oliver Bierhoff.

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          Von Gemeinsamkeiten war zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Führung der Nationalmannschaft nur noch am Rande die Rede. Statt wie ursprünglich geplant vier Monate vor der Fußball-Weltmeisterschaft die Verträge von Bundestrainer Joachim Löw, Assistenztrainer Hans-Dieter Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff vorzeitig zu verlängern, hat das Präsidium des DFB am Donnerstagnachmittag ein Stopp-Schild gesetzt. Auf seiner außerordentlichen Sitzung in Frankfurt vertagte das Präsidium die wichtigsten Personalentscheidungen auf die Zeit nach der Weltmeisterschaft in Südafrika.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Grundsätzlich sind weiterhin beide Seiten an einer Fortsetzung der guten Zusammenarbeit interessiert, aber bei wichtigen inhaltlichen Aspekten konnten wir uns nicht einigen. Deshalb sind wir gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, die Verhandlungen nun auszusetzen, um uns ausschließlich auf die WM-Vorbereitung konzentrieren zu können und somit all unsere Kraft für ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika einzusetzen“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

          Über die Details, weshalb eine Einigung mit dem Trainerstab samt Manager scheiterte, äußerte sich der Verband nicht. Vor der Präsidiumssitzung war bekannt geworden, dass Bundestrainer Löw und Manager Oliver Bierhoff angeblich hohe Bonuszahlungen für ihre Unterschriften unter neue Zweijahresverträge gefordert hatten.

          Bei einigen wichtigen Aspekten noch auseinander: Bundestrainer Joachim Löw und der DFB

          Kompetenzstreitigkeiten zwischen Löw und Sammer

          Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass Löw und Bierhoff ein sogenanntes „Signing Fee“ von jeweils einem Jahresgehalt verlangt haben sollen. Außerdem soll Bierhoff, der seit 2004 als Teammanager arbeitet und inzwischen auch dem Präsidium des DFB angehört, gefordert haben, sein Veto bei der Besetzung des Bundestrainerpostens einlegen zu können. Bisher steht Bierhoff das Recht zu, einen Kandidaten aussuchen und auch die Verhandlungen führen zu können. Die Entscheidung aber liegt beim DFB-Präsidium.

          In den Tagen zuvor waren auch schon Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Bundestrainer und Sportdirektor Matthias Sammer über die Zuständigkeiten für die U-21-Nationalmannschaft aufgeflammt. „Während sich, was die Kompetenzen für die U 21 betrifft, eine klare und einvernehmliche Lösung erarbeiten ließ, sind bei den Gesprächen im Januar für uns überraschend neue Vorstellungen entwickelt worden, die aus der Sicht des DFB-Präsidiums zum Teil auch im Blick auf die Satzung nicht zu akzeptieren sind.

          Ein Alternativvorschlag des DFB fand nicht die Zustimmung der sportlichen Leitung. Deshalb setzen wir die Gespräche nicht fort“, erklärte Zwanziger. Auf inhaltliche Einzelheiten ging der DFB-Präsident nicht weiter ein. Die Aussagen lassen sich jedoch so verstehen, dass Bierhoff nicht von seinem Vetorecht bei der Bundestrainerwahl absehen wollte. „Es ist auch unsere Absicht gewesen, zum jetzigen Zeitpunkt für klare Vertragsverhältnisse über die WM 2010 hinaus zu sorgen. Auf der anderen Seite ist die Situation jetzt vergleichbar mit der von 2006, als Jürgen Klinsmann Bundestrainer war“, sagte der Manager.

          Eine „saubere Lösung“ für die U 21 wird gesucht

          Auch in der Frage der U 21 hat es noch keine endgültige Einigung gegeben. Der Bundestrainer, der Sportdirektor und der Nationalmannschafts-Manager sind sich nach der Präsidiumssitzung nur einig, dass Trainer Rainer Adrion die Hauptverantwortung trägt. Löw ist zugesichert, dass er für die Bestellung des Cheftrainers der U 21 auch weiterhin verantwortlich bleibt, die Spielphilosophie bestimmt und jeden Spieler berufen kann. Sammer werde die U 21 in dem Maße unterstützen, wie er das auch beim Gewinn des Europameistertitels im vergangenen Sommer bei dem damaligen Cheftrainer Horst Hrubesch getan habe.

          Bei der Auswahl seines Trainer- und Funktionsteams hat sich Adrion nach den Vorgaben des Sportkompetenzgremiums zu richten. Bierhoff bleibt für den administrativen Teil der U 21 verantwortlich. „Bei meinem Gespräch mit Joachim Löw Mitte Dezember haben der Bundestrainer und ich uns dahingehend verabredet, eine saubere Lösung bezüglich der Verantwortung für die U-21-Nationalmannschaft finden zu müssen und sicherzustellen, dass auch die Verträge der anderen Mitglieder der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft verlängert werden“, sagte Zwanziger. Die DFB-Präsidiumsmitglieder Bierhoff und Sammer nahmen an der Abstimmung am Donnerstag nicht teil.

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