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Sieg in WM-Qualifikation : Deutschland setzt ein Zeichen

Die deutschen Nationalspieler vor dem Spiel gegen Island: Eine Botschaft an Qatar? Bild: EPA

Im ersten Spiel nach der Rücktrittsankündigung von Bundestrainer Joachim Löw startet die deutsche Nationalmannschaft furios und gewinnt verdient. Ein wichtiges Statement gibt es schon vor dem Anpfiff.

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          Das erste Zeichen setzten die Deutschen unmittelbar vor dem Anpfiff. Als sie nach den Hymnen ihre Jacken ablegten, kamen schwarze Shirts zum Vorschein, die jeweils groß mit einem Buchstaben in Weiß bedruckt waren. „Human Rights“ ergab das in der Gesamtschau der elf Spieler und Lettern – Menschenrechte. Das war durchaus als eine Botschaft in Richtung Qatar, umstrittener WM-Gastgeber im nächsten Jahr, gemeint und lag auf der Hand angesichts einer ähnlichen Aktion der Norweger am Vortag.

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          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Es war ein scharfes, ein konturiertes Bild, wie es die Fußball-Nationalmannschaft in einer solchen Sache lange nicht geliefert hatte. Und danach hatten es die ganz in schwarz gekleideten Männer von Joachim Löw eilig, auch etwas gegen die sportliche Sinnkrise der vergangenen Monate taten. Keine sieben Minuten brauchten sie, um den Ball zwei Mal im isländischen Netz unterzubringen, durch Schüsse von Leon Goretzka (3. Minute) und Kai Havertz (7.).

          Als nach der Pause auch Ilkay Gündogan (56.) das tat, was ihm zuletzt auch so gut in der Premier League gelingt, waren der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die ersten drei Punkte in der WM-Qualifikation sicher. „Größtenteils bin ich zufrieden. Wir haben schwungvoll und dynamisch begonnen. Wir wollten gleich ein Zeichen setzen. Die Mannschaft ist mit der richtigen Einstellung ins Spiel gegangen. Deswegen war der Sieg insgesamt souverän. Wir haben wenige Torchancen zugelassen“, sagte Löw dazu, der aber nicht ganz zufrieden war: „In der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Pässe nach hinten gespielt, manche Momente verpasst, Dynamik auszulösen, Tempo aufzunehmen.“

          Das Virus in der Blase

          Auch wenn die Isländer keine ernste Prüfung darstellten: Es war ein Auftritt der sich sehen lassen konnte angesichts der längeren Vorgeschichte: Es war das erste Spiel seit dem 0:6 gegen Spanien im November – aber auch im Licht der Ereignisse des Tages. Dass ein Fußballspiel stattfindet, ist unter normalen Umständen selten eine Nachricht wert. An diesem Donnerstag aber war das anders.

          Die Kunde vom positiven Corona-Test bei Jonas Hofmann und die Frage, was daraus folgen würde, drängte alles andere in den Hintergrund. Das Virus hat sich nun also auch in die Blase der Nationalmannschaft geschlichen, und auch wenn beim DFB und bei den Behörden die Protokolle für solche Fälle abgearbeitet wurden, war es doch ein bewegter Tag, der „von Aufregung und großer Unsicherheit geprägt“ gewesen sei, wie DFB-Direktor Oliver Bierhoff berichtete. Immerhin griff das Konzept so, dass der Ball rollen konnte.

          Marcel Halstenberg, der sich als Kontaktperson ebenfalls in Quarantäne begeben musste, wäre durchaus ein Kandidat für die Startelf am Abend gewesen. Aber auch ohne ihn sowie die verletzten Toni Kroos, Niklas Süle und Robin Gosens gelang der deutschen Mannschaft ein entschlossener erster Schritt in Richtung Qatar, und es war auch ein guter Start in Löws Abschiedsrunde als Bundestrainer, die mit einem Erfolg bei der EM in diesem Sommer enden soll.

          Überlegen: Die DFB-Elf war für Island eine Nummer zu groß.
          Überlegen: Die DFB-Elf war für Island eine Nummer zu groß. : Bild: AFP

          Der Bundestrainer setzte auf einen Bayern-Block, zu dem neben Kapitän Manuel Neuer auch Goretzka, Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Leroy Sané gehörten. Die beiden Angreifer bekamen allerdings nicht wie erwartet Timo Werner als Dritten in ihren Bund, stattdessen erhielt Havertz ein Startelf-Mandat. Im Mittelfeld war durch die Abreise von Kroos sowieso ein Plätzchen frei geworden, so dass sich das Herzstück mit Kimmich, Goretzka und Gündogan wie von selbst ergab.

          Am Tag vor dem Spiel hatte Löw noch von Gedankenspielen berichtet, ob Kimmich vielleicht doch als rechter Verteidiger für die EM wertvoller sein könnte, am Donnerstag aber lieferte der Münchner stichhaltige Argumente für den von ihm favorisierten Platz im Zentrum. Vor beiden frühen Toren war es der Münchner, der den entscheidenden Impuls gab, einmal mit einem gefühlvollen Lupfer in den Raum, einmal mit Schärfe in die Tiefe, und weil die von ihm bestens bedienten Gnabry und Sané jeweils ein Auge für noch besser postierte Kollegen hatten, war die Schussbahn für Goretzka und Havertz frei.

          Das deutsche Spiel der Anfangsphase war erdrückend dominant, es besaß aber auch Lust und Schärfe. Akustisch untermalt wurde der aufgeweckte Eindruck vom Kommandoton, den Löw sich gewünscht hatte, Rüdiger und Can übernahmen das in der Viererkette, Goretzka im Mittelfeld. Das machte alles in allem Eindruck, auch auf die Isländer, die ihrerseits nicht mal mehr das ferne Echo eines „Hu!“ verströmten. Weil Löws Team sich auch kollektiv an der Defensivarbeit beteiligte – Sané und Havertz setzten den Turbo auch auf dem Weg nach hinten ein –, gab es für die Isländer so gut wie keinen Raum für ihr Konterspiel.

          Nach der Pause gingen die Isländer forscher zu Werke, das führte zum einen oder anderen Stressmoment für die Deutschen. Doch bevor etwas passierte, sorgte Gündogan mit seinem präzisem Schuss für klare Verhältnisse. Ein Pfostenschuss durch Gnabry (71.) sowie das Debüt des 18 Jahre alten Jamal Musiala waren die letzten Akzente an diesem speziellen Tag.

          „Es hat uns in die Karten gespielt, dass wir früh zwei Tore gemacht haben. Was in den letzten Spielen gefehlt hat und was wir uns fest vorgenommen haben, dass man das heute auf dem Platz sieht, dass wir diese Leidenschaft auf den Platz bringen, für unser Land spielen zu dürfen. Dass elf Jungs auf dem Platz stehen, die richtig Bock haben“, sagte Torschütze Goretzka anschließend zur Partie. Und Gündogan betonte: „Wir sollten grundsätzlich einen Maßstab an uns selber haben, dementsprechend sind wir ins Spiel gegangen.“

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