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Fußball-Nationalmannschaft : Schockzustand nach Ballack-Ausfall

Diagnose: Teilriss des vorderen Syndesmosebandes und Riss des Innenbandes im rechten Sprunggelenk Bild: REUTERS

Die Nationalmannschaft reist ohne Kapitän nach Südafrika: Für Bundestrainer Löw beginnt nach dem WM-Aus für Ballack die Suche nach Ersatzlösungen. Zudem wirbt er für Jerome Boateng. Dessen Halbbruder hat Ballack die schwere Fußverletzung zugefügt.

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          Es ist eine Szene, die im Gedächtnis des deutschen Fußballs haften bleiben wird. Michael Ballack spielt den Ball im Mittelfeld, von der rechten Seite kommt Kevin-Prince Boateng angerauscht. Er trifft den deutschen Kapitän mit ganzer Wucht am Knöchel und hebelt ihm mit dem anderen Bein aus. Mit schmerzverzerrtem Gesicht liegt Ballack am Boden und hebt den Arm. Er signalisiert: Es geht nicht mehr. Knapp 48 Stunden später ist aus einer hässlichen Szene ein historischer Moment geworden.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach einer Untersuchung in München beim deutschen Mannschaftsarzt steht fest: Die deutsche Nationalmannschaft verliert erstmals in ihrer Geschichte vor einer WM ihren Kapitän. Ein Innenbandriss und ein Teilriss des vorderen Syndesmosebandes des oberen Sprunggelenks kosten Ballack die Teilnahme an der Weltmeisterschaft.

          Enttäuschung, fast Entsetzen

          Bei Bundestrainer Joachim Löw sorgte die sportliche Schreckensnachricht für große Enttäuschung, sie löste fast schon Entsetzen aus. „Wir sind alle sehr, sehr traurig, dass so ein wichtiger Spieler, unser Kapitän, der ein richtiger Weltklassespieler ist, ausfällt. Wir waren geschockt, keine Frage“, sagte Löw. Das sogenannten Regenerationstrainingslager, eigentlich gedacht, um auf Sizilien frische Kraft für die WM zu schöpfen, hat sich in einen Krisengipfel verwandelt.

          Ein Tritt als Ende aller Träume

          Wie es seine Art ist, reagierte ein auf Krücken gestützter Ballack äußerlich ganz sachlich auf die wohl größte Enttäuschung seiner Karriere. „Wenn man zwei oder drei Wochen vor der WM eine solche Diagnose erhält, ist das natürlich bitter. So ist aber Fußball, es muss weitergehen. Ich muss das jetzt alles erst mal sacken lassen“, sagte Ballack, der unmittelbar nach der Attacke beim Finale um den FA-Cup erklärt hatte, was offensichtlich schien: „Das sah schon nach Absicht aus.“ Der Kapitän reiste dennoch nach Sizilien. Er traf am Montagnachmittag ein, um auch nach seinem Ausfall die Mannschaft zu unterstützen, die nun einen neuen Kapitän, einen neuen Anführer und eine neue Formation im defensiven Mittelfeld finden muss.

          „Kräfte bündeln“

          Der Bundestrainer hielt sich nach dem ersten Schrecken aber nicht allzu lange mit der schlechten Nachricht auf und nahm die neue Herausforderung an. „Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln, von Resignation kann keine Rede sein“, sagte Löw. „Es ist klar, dass es ohne Ballack schwieriger wird. Trotzdem wollen wir das erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Wir werden konsequent arbeiten und zunächst alles auf die Gruppenphase ausrichten. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir eine erfolgreiche WM spielen.“

          Vom Titel, wie noch zuletzt bei der Kadernominierung, sprach der Bundestrainer auffallenderweise aber nicht mehr. Vor allem die nachrückenden jüngeren Spieler müssten sich nun beweisen, forderte Löw. „Wir müssen daran arbeiten, eine gute Lösung zu finden.“ Doch wie könnte die aussehen? Ziemlich einfach: Denn Löw hat fast keine Wahl mehr.

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