https://www.faz.net/-gtl-6k329

Fußball-Nationalmannschaft : Schachmatt

In der spanischen Falle: Mesut Özil am Boden Bild: AFP

Die deutsche Elf war die stürmische WM-Entdeckung, aber gegen Spanien bekam sie Grenzen aufgezeigt. Nun sind Fragen zu klären: Was wird aus Michael Ballack? Bleibt Bundestrainer Joachim Löw? Antworten werden bald benötigt.

          4 Min.

          Falls Joachim Löw unter der Niederlage gelitten haben sollte, die an diesem Abend in Durban einen großen deutschen Fußballtraum beendete, sah man ihm das zumindest nicht an. Der Bundestrainer saß eine halbe Stunde nach dem 0:1 gegen die übermächtigen Spanier ohne jede größere emotionale Regung auf dem Podium der Pressekonferenz. Er sprach ruhig, sachlich, klar. Äußerlich hatte er nur sein Lachen der letzten Wochen verloren. Und wenn man nicht gewusst hätte, dass es sich um das wichtigste Fußballspiel des Bundestrainers in seiner vierjährigen Karriere gehandelt hatte, das gerade chancenlos verloren gegangen war, dann hätte man angesichts der routinierten Betrachtungen auch glauben können, es habe sich um eine unangenehme Niederlage in irgendeinem Qualifikationsspiel gehandelt, die sich aber im nächsten Spiel wieder ausbügeln ließe.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Vom emotionalen Drama, das sein argentinischer Kollege Diego Maradona eine Woche zuvor geliefert hatte, nachdem seine Schwächen als Trainer offenbar wurden, trennte den Bundestrainer eine ganze Gefühls- und Ideenwelt. Nur in seinem ersten Satz, als Löw davon sprach, dass die Enttäuschung nach einem verlorenen Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft natürlich groß sei, verließ er ganz kurz das Feld, auf dem er sich auch in der Niederlage am wohlsten fühlt - in der Analyse eines Fußballspiels.

          Löw konnte offenbar ganz gut mit der Niederlage leben, und das lag an der paradoxen Mischung - weil sie vom Ergebnis zwar knapp, aber sportlich eindeutig ausfiel und sie seiner Mannschaft ausgerechnet von seinem eigenen Vorbild zugefügt wurde. Am spanischen Original hat Löw sein deutsches Werk ausgerichtet, mit dem er die Fußball-Welt in Südafrika bis zum Halbfinale mit 13 Toren, herrlichen Kombinationen und jungen, frischen Gesichtern begeistert hatte. Und wenn schon diese wunderbaren Wochen zu Ende gehen mussten, dann doch für Löw am liebsten gegen jene spanischen Meister, die er als das Maß aller Fußballdinge schon seit mehreren Jahren ansieht.

          Dieser deutschen Fußball-Nationalmannschaft gehört die Zukunft
          Dieser deutschen Fußball-Nationalmannschaft gehört die Zukunft : Bild: AFP

          „Die waren eine Klasse besser als wir“

          Der Bundestrainer scheute sich daher auch nicht, die iberischen Kontrollexperten, die den Ball und Gegner wie an einem unsichtbaren Faden laufen ließen, schon vor dem Finale an diesem Sonntag gegen die Niederlande zum neuen Weltmeister auszurufen. „Sie haben uns die Grenzen aufgezeigt“, sagte Löw über einen Auftritt der Spanier voller Ball- und Spielbeherrschung, mit dem die stürmische und spielerische Entdeckung dieser Weltmeisterschaft an diesem Halbfinaltag wieder in eine junge Lerngruppe verwandelt wurde. Wenn schon jemand die Deutschen und ihren Trainer mit taktischer Reife und spielerischer Klasse Schachmatt setzt, dann doch bitte die spanischen Könige dieses Spiels.

          Was hat da nur gefehlt? „Manche von uns konnten die Hemmungen nie richtig ablegen. Wir hatten nicht den Mut und die vollständige Überzeugung, unsere Aktionen zu Ende zu spielen“, sagte der Bundestrainer über seine fußballerische Prinzengarde, die nun in den kommenden Jahren noch lernen soll, was die Spanier gegen Deutschland fast schon zur Perfektion betrieben. Aber erklären konnte sich Löw die Ehrfurcht nicht, die seine jungen Eroberer von der ersten Minute an den Altmeistern des gepflegten Fußballs entgegenbrachten. „Die waren eine Klasse besser als wir“, stellte Lukas Podolski ohne Wehklagen fest. „Wir wollten in die Zweikämpfe, aber wir kamen nicht in die Zweikämpfe“, staunte Miroslav Klose über die Unverwundbarkeit, die sich die Spanier mit ständig zirkulierenden Bällen verschafften. „Eigentlich hätten die doch vor uns Respekt haben müssen nach dem Turnierverlauf“, grübelte Torwart Manuel Neuer. „Aber es war umgekehrt.“ Hat da am Ende doch etwa Michael Ballack gefehlt?

          Weitere Themen

          Duell der Mutigen

          Mainz 05 gegen SC Freiburg : Duell der Mutigen

          Mainz 05 empfängt mit den von Christian Streich trainierten Freiburgern einen Gegner auf Augenhöhe. Bo Svensson muss zwar auf Moussa Niakhaté verzichten, vertraut aber den weiteren Akteuren im Kader.

          Topmeldungen

          Journalisten verfolgen das Triell in Berlin.

          Scholz, Laschet und Baerbock : Baerbock fordert Testpflicht am Arbeitsplatz

          Von einer Impfpflicht aber will niemand etwas wissen. Zur Sache geht es bei Kinderarmut und Klimaschutz – und bei der Frage, ob Verbote zur Lösung gehören. Das letzte Triell im Liveblog.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.
          Ein bedrohlicher Anblick: Die feuerrote Lava schießt in die Höhe.

          Mehrere Eruptionen : Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma

          Fachleute hatten es befürchtet: Nach vielen kleinen Erdstößen ist ein Vulkan auf La Palma ausgebrochen. Lava und Asche schleudern durch die Luft. Seit Sonntagnachmittag wurden mehr als 700 Menschen in Sicherheit gebracht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.