https://www.faz.net/-gtl-qhqm

Fußball-Nationalmannschaft : Powerfußball mit Hamann und Hanke

Jürgen Klinsmann zeigt, wo's langgeht Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Bundestrainer Klinsmann beruft einen Jungdynamiker und einen alten Strategen in den 23 Mann starken Kader für den Confederations Cup. Alle Spieler, alle Hintergründe.

          2 Min.

          Hellwach, volle Kraft, größtmöglicher Einsatz für die Sache - Jürgen Klinsmann rückt in der Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nicht von seinen immer wieder formulierten Standard-Anforderungen ab. So lagen diejenigen völlig falsch, die annahmen, der Bundestrainer und seine Helfer könnten bei der Nominierung für den Confederations Cup (15. bis 29. Juni) Rücksicht auf stark beanspruchte Nationalspieler nehmen, als Reaktion auf die Kritik wichtiger Vereine wie des FC Bayern oder Schalke 04.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber der WM-Testlauf hat auch aus sportlicher Sicht höchste Priorität für die Nationalmannschaft. "Der Stellenwert dieses Turniers ist für uns groß. Es ist eine ganz wichtige Standortbestimmung", sagte Klinsmanns Assistent Joachim Löw am Mittwoch in Frankfurt bei der Bekanntgabe des Kaders. In Abwesenheit des Bundestrainers, der in seiner Wahlheimat Los Angeles gerade eine Knieoperation auskuriert, garnierte Löw die Erklärung noch mit deutlichen, unmißverständlichen Worten an die Adresse möglicher Kritiker: "Natürlich gibt es einen Interessenkonflikt. Aber da können wir keine Rücksicht nehmen."

          „Mike Hanke imponiert uns“

          Was dem einen oder anderen Klubtrainer nicht recht sein wird, kann die Fans der Nationalelf beim Schauturnier der besten Kontinentalmannschaften aus aller Welt erfreuen. Als einziger Stammspieler fehlt nach aktuellem Stand nur der Dortmunder Innenverteidiger Christian Wörns, der seit Monaten eine hartnäckige Hüftverletzung mit sich schleppt, und natürlich Philipp Lahm nach seiner Kreuzbandriß-Diagnose. Ansonsten setzen Klinsmann und Co. auf eine echte Probe des Ernstfalls und beorderten nach dem Ausfall von Wörns passend zu ihrer offensiven Grundeinstellung sogar noch mit dem 21 Jahre alten Mike Hanke einen fünften Stürmer in die Mannschaft.

          Jürgen Klinsmann zeigt, wo's langgeht Bilderstrecke

          "Den haben wir schon eine ganze Weile beobachtet. Er imponiert uns durch sein Selbstbewußtsein, seine Kaltschnäuzigkeit und seine Dynamik vor dem Tor", so Löw über den neuen Schalker in der Nationalelf. Weniger überraschend die Berücksichtigung des Münchners Sebastian Deisler, der beim Meister FC Bayern diese Saison nicht zu den Stammkräften zählte und deshalb sogar vom Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zum Wechsel animiert worden war.

          „Wir wollen alle Spiele gewinnen“

          Aufmerken konnte man schon eher beim Namen Dietmar Hamann. Der defensive Mittelfeldspieler des FC Liverpool, der in der nächsten Woche mit seinem Klub das Champion-League-Finale in Istanbul bestreiten wird, galt manchen als Auslaufmodell, zumal er seit dem Scheitern bei der EM unter Rudi Völler für eine veraltete, wenig offensiv ausgerichtete Spielweise stand. Sein aktueller Erfolg im Verein hat ihn noch einmal ins Gespräch gebracht. "Er verfügt über viel Erfahrung und gute strategische Fähigkeiten", so Löw. Nebenbei geht das Trainerteam von einer gewissen Lernfähigkeit Hamanns aus, soll er doch den Powerfußball a la Klinsmann voranbringen und nicht lähmen. Dazu der Assistenzcoach der Nationalelf: "Er weiß, wie unsere Philosophie aussieht, und er kann ein Spiel ja auch schnell machen."

          Fest steht: Wenn die Mannschaft am 31. Mai zur Münchner Stadioneröffnung gegen den FC Bayern die spielerische Vorbereitung auf den Confederations Cup aufnimmt, soll in den Köpfen der Spieler wie bei der WM alles auf ein Ziel ausgerichtet sein. "Wir gehen in das Turnier rein, um alle Spiele zu gewinnen", sagte Löw. Dafür werde mit den Profis in den verbleibenden Wochen mit weiteren Länderspielen gegen Nordirland (4. Juni) und Rußland (8. Juni) stark individuell gearbeitet, um sie nach einer kräftezehrenden Saison auf ein einheitliches körperliches Fitnessniveau zu bekommen. "Kein Spieler darf am 15. Juni sagen, ich bin total müde. Das Wort wollen wir in keiner Weise hören in diesen Wochen", sagte Löw. Und das war ganz sicher im Sinne seines ehrgeizigen Vorgesetzten, der in diesen Wochen mal wieder aus der Ferne die Geschicke der Nationalelf lenkt.

          Das Aufgebot der Nationalelf im Überblick

          Tor: Timo Hildebrand (VfB Stuttgart), Oliver Kahn (Bayern München), Jens Lehmann (FC Arsenal).

          Abwehr: Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), Andreas Hinkel (VfB Stuttgart), Robert Huth (FC Chelsea), Per Mertesacker (Hannover 96), Patrick Owomoyela (Arminia Bielefeld), Christian Schulz (Werder Bremen).

          Mittelfeld: Michael Ballack (Bayern München), Tim Borowski (Werder Bremen), Sebastian Deisler (Bayern München), Fabian Ernst (Werder Bremen), Torsten Frings (Bayern München), Dietmar Hamann (FC Liverpool), Thomas Hitzlsperger (Aston Villa), Bernd Schneider (Bayer Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München).

          Angriff: Gerald Asamoah (Schalke 04), Mike Hanke (Schalke 04), Miroslav Klose (Werder Bremen), Kevin Kuranyi (VfB Stuttgart), Lukas Podolski (1. FC Köln).

          Weitere Themen

          Das Genie des Muskels

          FAZ Plus Artikel: Fußball und Literatur : Das Genie des Muskels

          Ist Sport der feindliche Bruder der Literatur oder selbst eine Kunstform, für die es keine Worte gibt? Tendenz: unentschieden. Eine Spurensuche dort, wo die Welt des Fußballs und die des Geistes sich berühren.

          Topmeldungen

          Scharlatan oder Wunderheiler? Der Mediziner Didier Raoult spaltet Frankreich

          Didier Raoult : Frankreichs Wunderheiler

          Der exzentrische Arzt Didier Raoult ist in der Corona-Krise weltweit berühmt geworden. Er wird geliebt, weil er die Pariser Elite vorführt. Viele halten ihn aber auch für einen Scharlatan, wenn nicht gar für einen gefährlichen Populisten.
          Karl von Rohr, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, während des Gespräch in der Vorstandetage der Deutschen Bank in Frankfurt.

          Deutsche Bank-Vize im Gespräch : Keine Fusion aus Angst vor Dritten

          Neben der Commerzbank und Wirecard steht die Deutsche Bank derzeit solide da. Karl von Rohr spricht darüber, wo die Corona-Krise Spuren hinterlässt, was er sich von der Bafin wünscht und warum die Bank Hilfe von Google braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.