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Fußball-Nationalmannschaft : Mit Weidenfeller in Wembley

Im hohen Alter doch noch angekommen: Torwart Weidenfeller bei der Nationalmannschaft Bild: dpa

Eine Karriere gegen alle Erwartungen und Wahrscheinlichkeiten: Roman Weidenfeller steht gegen England im Tor und darf auf die WM-Teilnahme hoffen, weil Bundestrainer Löw seine Linie verlässt.

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          Die meisten Nationalspieler sind nach dem Training in der Kabine verschwunden, aber Roman Weidenfeller macht mit ein paar Kollegen noch ein bisschen weiter. Seine Dortmunder Mitspieler Marko Reus und Marcel Schmelzer schlagen von der Seitenlinie ihre Flanken, im Strafraum steht Manager Oliver Bierhoff in kurzen Hosen wieder wie der deutsche Mittelstürmer, der er einmal war. Seine Kopfbälle sind gefährlich, einmal trifft Bierhoff volley ins Netz, aber meistens pflückt Weidenfeller souverän die „Dinger“ aus der Luft, wie die Fußballer sagen. Bei dieser Übungen klatschen sich Bierhoff und Weidenfeller immer wieder im Strafraum ab, eher beiläufig, ganz so, als kenne man sich schon seit Jahren vom Trainingsplatz.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Am Spielfeldrand fragen Reporter in diesem Augenblick den deutschen Torwarttrainer Andreas Köpke, wie denn nach rund einer Woche seine Erfahrung mit Weidenfeller im Kreis der Nationalelf ausfalle. „Extrem positiv“, sagt Köpke – und das sagt er nicht oft. Und so sind in London an diesem Tag die Gesten des Managers im Training und die zwei Worte des Torwarttrainers am Zaun zwei untrügliche Zeichen für ein neues Kapitel in Weidenfellers Karriere. Der Torwart von Borussia Dortmund ist endlich angekommen in der deutschen Nationalmannschaft. „Er hat im Training einen phantastischen Eindruck gemacht, eine gereifte Persönlichkeit mit einer guten Ausstrahlung“, stellte auch Bundestrainer Joachim Löw am Tag vor Weidenfellers Debüt zufrieden fest.

          An diesem Dienstag wird der Keeper im Fußballklassiker von Wembley gegen England in seinem ersten Länderspiel gleich seinen ersten Titel mit der Nationalelf holen. Weidenfeller wird als ältester Torwart-Debütant in die Geschichte des DFB eingehen, im stolzen Profialter von 33 Jahren, 3 Monaten und 13 Tagen. Aber auch in anderer Hinsicht ist Weidenfellers deutscher Ersteinsatz das erstaunlichste Debüt, dass die Ära von Jogi Löw erlebt: aus sportlichen, aber auch aus zwischenmenschlichen Gründen.

          „Great Season gespielt“ und nun Nationalkeeper: Roman Weidenfeller
          „Great Season gespielt“ und nun Nationalkeeper: Roman Weidenfeller : Bild: dpa

          Der Bundestrainer hat stets mit dem Vorwurf leben müssen, dass es für bestimmte Spielertypen in seiner Auswahl keinen Platz gebe – für die Vertreter der sogenannten alten Fußballschule sowie Profis mit einer besonderen Portion Selbstbewusstsein und Testosteron. Weidenfeller, der schon vage Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme 2006 hegte, wurde lange als Repräsentant dieser beiden scheinbar überkommenen Stilrichtungen angesehen.

          Das „moderne“ Torwartspiel, das erst Jens Lehmann und mittlerweile Manuel Neuer in besonderer Weise verkörpern; ein Torwart, der sich als Mitspieler versteht und nicht mehr nur als Ballfänger, schienen etwas zu sein, was ein klassisches Torwart-Kraftpaket wie Weidenfeller niemals mehr so lernen würde wie zum Beispiel ein René Adler, Ron-Robert Zieler oder Marc-Andre ter Stegen. Selbst an Tim Wiese oder Hans-Jörg Butt kam er nicht vorbei.

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