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Fußball-Nationalmannschaft : Löws Freude am Geschenk

Joachim Löw: Der Trainer der Generation Özil Bild: dpa

Joachim Löw hat viel früher als andere erkannt, welche Möglichkeiten die neue Generation Nationalspieler ihm bietet. Der Bundestrainer hat auf Özil, Müller oder Khedira gebaut. Das Personal erlaubt es ihm, seine Idealvorstellung auf dem Rasen umzusetzen.

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          Es sind noch zwei Tage bis zum Halbfinale gegen Spanien (Mittwoch, 20.30 Uhr live in der ARD und im FAZ.NET-WM-Liveticker). Joachim Löw wartet vor dem Mannschaftsquartier am Rande Pretorias auf seinen Auftritt. Er steht auf dem staubigen Weg zum Pressezentrum und plaudert mit seinem persönlichen Berater und ein paar Journalisten. Man sieht ihm an, dass es ihm gut geht. Joachim Löw lacht viel. In ein paar Minuten ist er mit der Pressekonferenz dran, der Raum wird überfüllt sein, und der Bundestrainer weiß, dass er es in der kommenden halben Stunden mit Fragen zu tun bekommen wird, die nur eine Richtung kennen: himmelwärts. Er wird in dieser halben Stunde nicht lachen, er wird akribisch an seinem Defensivverhalten arbeiten.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er weiß, dass das Lob, das er vor dem Halbfinale verteilen soll nach den historischen Triumphen gegen Argentinien und England am besten keine Grenzen kennen soll. So läuft das eben mit den Medien. Jetzt soll alles noch größer, noch schöner und noch unglaublicher sein, als es ohnehin schon ist. Und Joachim Löw soll die ungläubige Begeisterung testieren, mit der Deutschland und die Fußballwelt auf seine junge Mannschaft schauen, so als ob mit diesem Testat schon die Weltmeisterschaft gewonnen wäre.

          Wenn Joachim Löw auf der Pressekonferenz sagen würde, Deutschland wird Weltmeister, dann würde in Berlin schon jetzt die Fanmeile für den Empfang mit dem Weltpokal vorbereitet. Denn an seinen Worten wird in Deutschland in diesen Tagen nicht mehr gezweifelt. Alles, was Löw von sich gibt, wird ihm abgenommen, dem größten Fußball-Versteher des Landes. Aber zwei Tage vor dem Halbfinale gegen Spanien, der besten Mannschaft der Welt, sagt Löw natürlich nicht, dass er die beste Mannschaft der Welt anführt.

          Löw braucht keinen Messi (r.), er hat Özil (l.)

          Auf die Frage, ob das Team 2010 stärker sei als die Mannschaft von 1972 (siehe auch: FAZ.NET-Umfrage: Die beste deutsche Nationalelf aller Zeiten?), dem bis zu diesem Turnier gültigen deutschen Fußball-Schönheitsideal, sagt Löw: „Wir sind spielerisch sicher in der Lage, gegen jeden Gegner Akzente zu setzen, auch zu dominieren. Zugegebenermaßen hatten wird das schon längere Zeit nicht mehr, dass eine Mannschaft über neunzig Minuten so dominant auftreten kann.“ Akzente setzen also. Und die jahrzehntelang vergeblich ersehnte Fähigkeit, gegen jede Mannschaft dominieren zu können, folgt – zugegebenermaßen – im Nebensatz. Ein echter Löw.

          Löw und die Funktionäre

          Der Bundestrainer kennt natürlich die Berichte aus der Heimat, die ungeheure Begeisterung für die Mannschaft, die sein Werk ist, und die ungeheure Anerkennung, die daraus für sein Werk erwächst. Und er weiß auch, wie sich in der öffentliche Wahrnehmung nun auch die Rollen verkehrt haben im Machtgefüge des Deutschen Fußball-Bundes, dass er selbst so stark geworden ist wie kein Bundestrainer seit Franz Beckenbauer.

          Und dass die Funktionäre, die zu Beginn des Jahres die Verhandlungen mit ihm und seinen Helfern platzen ließen, immer älter, unwichtiger und ferner erscheinen, je besser und unwiderstehlicher diese junge Mannschaft auftritt. Dass Millionen Fans vom neuen Deutschland mit seinen flachen Hierarchien entzückt sind, während die DFB-Hierarchiepyramide mit Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach an der Spitze wie Relikte des alten Deutschlands wirken, dass den Anschluss an die neuen Zeiten unter Löw verpasst hat, wird dem Bundestrainer in Südafrika auch gerne zugetragen.

          Löw hat Zwanziger bei der Weltmeisterschaft schon lange nicht mehr namentlich genannt, auch nicht am Montag, als es wieder um die Vertragsverlängerung ging. Er nennt ihn Präsident und sagt, dass er ein Vertrauensverhältnis zu ihm besitzt. Man kann das als Minimal-Beziehung verstehen.

          Löws Konsequenz

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