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6:0 gegen Norwegen : Ein deutscher Gala-Abend

Lockerer Abend: Deutschlands Nationalspieler treffen im halben Dutzend Bild: AP

Die deutsche Nationalelf schickt Norwegen 6:0 vom Platz. Stuttgart feiert den zweimaligen Torschützen Timo Werner und die alten VfB-Helden Khedira und Gomez.

          Acht Spiele, acht Siege. Und dazu eine eindrucksvolle Tordifferenz, die auch einem Weltmeister gut zu Gesicht steht – 35:2. Aber auch nach einem souveränen 6:0-Sieg am Montagabend gegen Norwegen hat sich der Titelverteidiger noch nicht für die Weltmeisterschaft in Russland qualifiziert. Weil Nordirland zeitgleich sein Heimspiel gegen die Tschechen gewann, können die Deutschen erst beim nächsten Spiel im Oktober in Belfast mit einem Unentschieden perfekt machen, was ihnen eigentlich schon jetzt nicht mehr zu nehmen ist.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In Stuttgart präsentierte sich das Team von Joachim Löw von der ersten Minute an von seiner schönsten und auch entschlossensten Seite. Mit viel Engagement und Esprit machte die DFB-Auswahl schon bis zur Pause durch Tore von Mesut Özil (10. Minute), Julian Draxler (17.) sowie von Timo Werner (21., 40.) aus der großen Überlegenheit auch vier schöne Tore. Nach dem Wechsel trafen auch noch der eingewechselte Leon Goretzka (50.) sowie Mario Gomez (79.) zum hochverdienten Erfolg.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Auch drei Tage nach dem 2:1 in Prag hatte der Bundestrainer wieder sieben Spielern vertraut, die im Sommer den Confed Cup gewonnen hatten. Diesmal unter anderen mit Rüdiger, Rudy und Draxler. Khedira hingegen, der 30 Jahre alte Weltmeister, der seit 2010 das Mittelfeldspiel der deutschen Nationalmannschaft mitprägt und den zuletzt eine Reizung im Knie plagte, saß in seiner alten Heimat Stuttgart nur auf der Bank.

          Im Spruch von Löw unmittelbar nach dem Turniersieg im vergangenen Sommer, dass nun eigentlich die anderen Spieler versuchen müssten, in die Nationalmannschaft zu kommen, steckt auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Russland jedenfalls mehr Wahrheit, als sich mancher Weltmeister vorstellen konnte. Und dass es genau die richtige Entscheidung war, auf die Herausforderer in den eigenen Reihen zu setzen, zeigte sich in Stuttgart ganz schnell. Aber auch die Etablierten Hummels, Kroos, Özil und Müller leisteten viel, sie bildeten das Korsett und gaben dem Spiel und dem System stets Stabilität und Klasse.

          Die jungen Kräften legten los, wie sie es beim Confed Cup und auch in den ersten Minuten in Prag getan hatten: konzentriert und engagiert, dazu mit vielen weiten Diagonalpässe, schönen Kombinationen und erdrückend viel Ballbesitz. Nach zehn Minuten traf Özil nach einem schönen Rückpass Hectors zur verdienten und sich schon nach wenigen Minuten abzeichnenden Führung. Danach ging es angesichts der großen deutschen Überlegenheit eigentlich nur noch um Spezialfragen: trifft Müller, wie reagiert das Publikum auf Werner – und würde die deutsche Mannschaft diesmal Druck und Tempo, anders als in Prag, hoch halten, und weiter Tore schießen?

          Müller verfehlte in der 13. Minute das Tor mit einem seiner seltenen Weitschüsse von der Strafraumgrenze recht knapp, aber er blieb weiter engagiert und erkennbar torhungrig. Werner machte kurz danach das erste Mal in diesem Spiel auf sich aufmerksam, als er mit einem langen Sprint zurück in die eigene Hälfte einen der wenigen norwegischen Angriffsversuche unterband. Der ehemalige Stuttgarter bekam dafür Szenenapplaus, dann wurde sein Name sogar in Sprechchören gerufen. Doch bevor Werner dann für sein fünftes Tor im achten Länderspiel in der 21. Minute nach Vorarbeit von Müller von den Stuttgarter Zuschauern wieder gefeiert wurde, hatte Draxler mit einem Schuss aus der Drehung nach Vorarbeit von Özil schon das 2:0 erzielt (17.).

          Khedira und Gomez ähnlich gefeiert wie Werner

          3:0 nach gut zwanzig Minuten – und die Deutschen hörten nicht auf, das norwegische Tor anzugreifen. Kein Spieler wurde dabei im ersten Heimspiel der WM-Saison mehr unterstützt als Werner, der in vielen Stadien auch als Nationalspieler geschmähte und beleidigte Stürmer von RB Leipzig. Die Mannschaft und das Publikum taten sich, ganz anders als in Prag, in Stuttgart gegenseitig gut. Werner war es dann auch, der nach einem Angriff, den er mit Szenenapplaus selbst eingeleitet hatte, mit einem Kopfball nach Flanke von Müller das 4:0 erzielte (40.). Auch wenn nach einer halben Stunde die absolute deutsche Überlegenheit ein klein wenig bröckelte, hätten es bis zur Pause trotzdem leicht noch ein, zwei Treffer allein durch Kroos mehr sein können bei einer deutschen Gala, die dem Publikum große Freude machte. Und den Spielern ganz offensichtlich auch. Nur Müller, der zweifache Vorbereiter, wollte einfach nicht treffen.

          Hat allen Grund zum Strahlen: Werner trifft doppelt und wird gefeiert statt ausgepfiffen

          Löw nahm Müller zur Pause aus dem Spiel und brachte mit Goretzka wieder ein Stück Zukunft auf den Platz. Fünf Minuten später erhöhte der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler von Schalke 04 auf 5:0. Zur Freude des Publikums kam nach einer Stunde auch ihr alter Liebling und früherer Stuttgarter Meister Khedira für Rudy in die Partie. Er wurde ähnlich gefeiert wie Werner. Und als dann auch noch die andere VfB-Größe von gestern, Mario Gomez, für Werner ins Spiel kam (66.), hatte Löw, der ehemalige Stuttgarter Trainer, mit seiner Aufstellung und seinen Einwechslungen endgültig den Geschmack im Ländle an diesem deutsch-schwäbischen Abend auf den Punkt getroffen. Und dann traf auch noch Gomez (79.).

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