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Fußball-Nationalmannschaft : Einfach nur cool – Deutschlands reifste Vorstellung

Gute Aussichten für die WM in Südafrika: Bundestrainer Löw und seine DFB-Elf Bild: dpa

Die DFB-Elf zeigte in ihrem schwierigsten Spiel, was in ihr steckt. Das 1:0 in Russland bedeutete das direkte Ticket für die WM 2010 – und der erste Treffer gegen die internationale Konkurrenz: Mit diesem Team ist in Südafrika zu rechnen.

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          Nach dem Schlusspfiff blieb Joachim Löw noch eine Weile allein auf seinem Stuhl sitzen. Was ihm in diesem Augenblick durch den Kopf gegangen sei, wurde er später gefragt, und die Erwartung, dass Löw nun einen kleinen Blick in sein Innerstes gestatten würde, blieb dem Bundestrainer natürlich nicht verborgen. Im deutschen Fußball gibt es offenbar einen Hang der sportlichen Leiter, sich nach geglückten Missionen auf sich selbst zurückzuziehen. Franz Beckenbauers einsamer Spaziergang 1990 auf dem Rasen von Rom mit der goldenen WM-Medaille um den Hals war einer dieser Momente, in denen sich der Triumphalismus verabschiedete und ein bisschen Nachdenklichkeit, Melancholie gar, zum Vorschein kam.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Unvergessen auch, als Berti Vogts nach dem EM-Gewinn in Wembley 1996 alleine zu den deutschen Fans in die Kurve ging und erstmals nur für sich einen Titelgewinn genießen durfte, unbeschwert von aller Last. Nach der Maßarbeit von Moskau, die Deutschland vorzeitig und im Stil einer Spitzenmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Südafrika führte, blieb der Bundestrainer '09 einfach nur cool. „Ich habe an die Aufstellung gegen Finnland (Mittwoch, 18.00 Uhr / FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker) gedacht, weil da einige Spieler geschont werden sollen und einige junge Spieler wieder ihre Chance bekommen“, sagte Löw, ohne sich nach dem 1:0-Sieg auch nur das kleinste Zeichen von Ironie in Stimme und Mimik anmerken zu lassen. Er dachte gar nicht daran, nach dem vielleicht wichtigsten Erfolg seiner Karriere, auch nur ein bisschen von seinen Gefühlen preiszugeben.

          „Ein großartiger Trainer, der viel für den deutschen Fußball getan hat“

          Die Leute sollen sich doch bitte schön an die Fakten halten: Löw sprach ganz nüchtern von der nahezu optimalen Punktzahl nach einer langen Qualifikationsrunde und ließ sein Team hochleben. „Diese Aufgabe haben sie glänzend gemeistert.“ Das Lob in eigener Sache konnte der Bundestrainer getrost seinem Vorgesetzten überlassen, der den Vertrag mit ihm nun am liebsten so schnell wie möglich über die WM 2010 hinaus verlängern möchte. „Er ist ein großartiger Trainer, der viel für den deutschen Fußball getan hat“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Von meiner Seite steht einer weiteren Zusammenarbeit nichts im Wege.“

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          Fußball-Nationalmannschaft : Einfach nur cool – Deutschlands reifste Vorstellung

          In Moskau war eine deutsche Mannschaft unter Joachim Löw zu besichtigen, die nicht weniger als ihre bisher reifste Vorstellung ablieferte. Der Treffer von Miroslav Klose in der 35. Minute war der verdiente Lohn für eine taktische und mentale Meisterleistung, mit der das Team über weite Strecken die spielerische Klasse ihres Gegners und Genialität dessen Anführers Arschawin erstickte. Da stand keine deutsche Mannschaft mehr auf dem Kunstrasen von Moskau, die sich nur auf ihr Glück verlassen musste, auch wenn es ihr kurz vor Schluss bei einem nicht bestraften Foul im Strafraum zu Hilfe kam.

          Selbst in Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte für den übereifrigen Debütanten Jerome Boateng gut zwanzig Minuten vor Schluss war die innere Stabilität des Teams so stark, dass die Russen keinen neuen Weg selbst zu einem halben Erfolg mehr fanden. In den letzten Minuten fand die russische Resignation auf dem Platz auch in der Stille des riesigen Luschniki-Stadions auf den Rängen ihren stummen Ausdruck.

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