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Fußball-Nationalmannschaft : Ein Hauch von Befreiung

Der 6:1-Sieg über Irland befreit die deutsche Nationalmannschaft für den Moment von ihren Problemen
          4 Min.

          Marcel Schmelzer versuchte wirklich sehr lange, die Konzentration hochzuhalten. Die Dusche hatte er schon hinter sich, die meisten seiner Kollegen warteten im Bus. Aber auch, als die eigentliche Arbeit längst getan war in der WM-Qualifikation beim 6:1-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Irland, biss Schmelzer sich an seiner Argumentationslinie fest - so wie er vorher 90 Minuten lang das Spielfeld entlang der Seitenlinie beackert hatte.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Er möchte „darüber“ gar nicht so viel reden, sagte der Linksverteidiger von Borussia Dortmund immer wieder. Und doch schimmerte im einen oder anderen Augenblick durch, dass dieses „darüber“ schon etwas war, was ihm zu schaffen machte. Was weiter in ihm arbeitete.

          Schmelzer, vor vier Wochen beim 2:1 gegen Österreich der Schwächste unter lauter schwachen Deutschen, hatte sich am Tag vor dem Irland-Spiel ein Stück weit vorgeführt fühlen müssen - und das vom Bundestrainer persönlich. Solange es auf seiner Position keine Besseren gebe, hatte Joachim Löw sinngemäß gesagt, „werden wir mit ihm weiterarbeiten“.

          Und dieses „werden“ klang doch zu sehr nach „müssen“, als dass man darüber einfach hätte hinweggehen können. Es musste Schmelzer schmerzen. Selbst wenn der Bundestrainer sich falsch verstanden fühlte und den Schaden später mit Hilfe der Medienabteilung zu reparieren versuchte.

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          “Natürlich ist es ein bisschen schwierig gewesen“, sagte Schmelzer über den Abend, an dem er unter Beobachtung stand wie vielleicht noch nie in seiner Karriere. „Das war das erste Mal, dass so etwas passiert.“ Was Löws Worte aber über die Kränkung hinaus zu einer Bedrohung für ihn und letztlich auch für das deutsche Team machte, war das allgemeine Klima, in dem der Bundestrainer sie tätigte. Hypernervös, wie auf dem Börsenparkett in Krisenzeiten, war zuletzt jede Äußerung rund um die deutsche Auswahl aufgenommen worden.

          Teamgeist-Debatte, Hoeneß-Kritik, das alles hatte die Mannschaft schon genug beschäftigt. Da wäre es nett gewesen, wenn auch Löw die Konzentration hochgehalten hätte. Schmelzer jedenfalls berichtete von den vielen Aufmunterungen, die er erhalten hatte, vor dem Spiel von Seiten der Dortmunder Kollegen und auch während der 90 Minuten von Dublin, als er jede Menge Unterstützung aus dem Team erfuhr - und er schien dankbar dafür.

          Joachim Löw: „Es war ein wichtiger Sieg“

          Der Sieg gegen Irland indes tat nicht nur Schmelzer gut, der ein tadelloses Spiel machte. Alle Beteiligten waren froh, dass nach den vielen Worten nun endlich Taten sprechen konnten. Zwar kamen Giovanni Trapattonis Iren noch viel leichtgewichtiger daher, als die Deutschen das erwartet hatten. Um die Märkte der öffentlichen Wahrnehmung fürs Erste zu beruhigen, dürfte das deutliche Resultat allemal taugen. „Es war ein wichtiger Sieg“, sagte Löw.

          Und auch wenn er das nicht aussprach, wird er nach all den Defizit-Debatten auf eine versachlichende Wirkung dieser drei Punkte hoffen - zumal, wenn am Dienstag (20.45 Uhr / Live in der ARD und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) in Berlin gegen Schweden im letzten Qualifikationsspiel des Jahres weitere folgen. Fraglich ist dann der Einsatz von Sami Khedira, der weiter an einer Muskelverhärtung im linken Oberschenkel leidet. Angesichts der deutschen Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre war es schon ein bisschen kurios, welche Nachbeben dem EM-Aus gegen Italien gefolgt waren - insbesondere, was Löws Rolle betraf.

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