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Fußball-Nationalmannschaft : Die Stunde der Spekulanten

Heißes Spekulationsobjekt auf dem Fußballmarkt: Mesut Özil Bild: REUTERS

Überragende WM-Spieler wie Özil, Schweinsteiger oder Klose haben ihren Marktwert spürbar gesteigert. Jetzt werden sie mit europäischen Topklubs in Verbindung gebracht. Das große Feilschen folgt dann nach dem WM-Finale.

          Klaus Allofs ist in einer schlechten Position. Seit Monaten kämpft der Geschäftsführer des Bundesligaklubs Werder Bremen um die Vertragsverlängerung von Mesut Özil – ohne Erfolg. Er war sogar zu Besuch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Doch seit Özil zu einer der ganz großen Entdeckungen dieses WM-Turniers geworden ist, erscheint die Bemühung noch aussichtsloser, dem jungen Star einen neuen Kontrakt über das nächste Jahr hinaus abzuringen. Nur so hätte der Verein die Sicherheit, im Fall eines sofortigen Wechsels des Mittelfeldspielers im Sommer oder etwas später zu einem internationalen Spitzenklub in hohem Maße über die Ablösesumme finanziell mitzuprofitieren.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Also lobte Allofs seinen Angestellten, bezeichnete ihn als derzeit besser als Messi. „Özil ist ein außergewöhnlicher Spieler, der geniale Dinge macht. Ich habe bei dieser WM niemanden entdeckt, der besser Fußball spielt“, sagte Manager Allofs. Doch der Profi und seine Berater zeigen den Bremern die kalte Schulter. Im Winter hatte sich Allofs noch mit einer anderen Verhandlungsstrategie versucht. Er baute Druck auf und kritisierte ihn öffentlich, als sich Özil zeitweilig in einem Leistungstief befand. Der Spieler müsse noch viel lernen, hieß es damals – und das natürlich für die nächsten Jahre in Bremen.

          Große Turniere wie eine Weltmeisterschaft setzen einen schwunghaften Handel in Gang. Im Mittelpunkt steht die Arbeitskraft der Spieler, die ihre Stärken vor einer Weltöffentlichkeit vorzeigen können. Und wenn das Finale erst einmal gespielt ist, geht die Fußball-Mega-Börse in ihre wichtigste Phase. Dann wird um Riesensummen gefeilscht, es wird gezahlt, Verträge werden verlängert und aufgebessert. Selten zuvor hatten deutsche Nationalspieler dabei so gute Chancen. Für sie ist diese WM das große Sprungbrett. Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalelf, brachte es nach dem überwältigenden Argentinien-Sieg auf den Punkt: „Für viele der Spieler entsteht nun eine sehr interessante Konstellation.“

          In Bremen hat der Mittelfeldspieler (l.) noch einen Vertrag bis 2011

          Die Spekulationsphase hat schon jetzt begonnen

          Bierhoff weiß aus persönlicher Erfahrung, wie die Mechanismen der Branche auch im Erfolgsfall greifen. Mit dem Golden Goal bei der Europameisterschaft 1996 startete er sportlich und wirtschaftlich so richtig durch. Dies gilt nun auch für seine jungen Nachfolger im Nationaltrikot: Neben dem 20 Jahre alten Thomas Müller ist wohl Özil derzeit der heißeste Spieler auf dem Markt. Altmeister und Fernsehkommentator Günter Netzer schildert die Situation mit hintergründigem Witz: „Es ist absolut nachvollziehbar, dass Werder Bremen vor der WM mit Özil verlängern wollte. Es ist aber auch absolut nachvollziehbar, dass der Spieler nicht darauf eingegangen ist.“

          Die Faktenlage ist für die Bremer vorerst ernüchternd. Im schlechtesten Fall erfüllt Özil seinen Vertrag bis 2011 und wäre dann ablösefrei zu haben. Werder ginge leer aus wie 2006 die Bayern bei Ballacks Wechsel zu Chelsea. Dafür würde der Spieler von seinem neuen Klub für die Unterschrift eine satte Millionensumme extra erhalten. Wenigstens profitierte der Verein eine Saison noch von den kreativen Leistungen Özils auf dem Platz.

          Die Spekulationsphase hat dennoch schon jetzt begonnen. Kein wirtschaftlich potenter Großklub, der nicht mit einem der deutschen Senkrechtstarter in Verbindung gebracht wird. Mal ist es der FC Barcelona, mal Real Madrid, Chelsea oder der Arsenal. Viele der jungen deutschen WM-Helden sind begehrt. Interessant wird es dann, wenn der Vertrag wie bei Özil oder auch Sami Khedira demnächst ausläuft und noch keine Abmachung erfolgte. Selbst der 32 Jahre alte Miroslav Klose, dessen Kontrakt bei den Bayern ebenso 2011 endet, hat sich durch seine Tore in eine großartige Position gebracht. Ein Torschütze, der trifft, ist selbst im fortgeschrittenen Fußballalter interessant.

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