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Fußball-Nationalmannschaft : Der revolutionäre Impuls wird gesucht

Homogene Truppe: Worin unterscheiden sich deutsche Fußball-Nationalspieler? Bild: dpa

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird unter Bundestrainer Löw immer besser. Aber Achtung: Zu viel Gleichheit im Team sei nicht gut, mahnt eine Studie.

          Über die Bedeutung der Fußball-Nationalelf hat man in den vergangenen Tagen so einiges gehört und gelesen. Bei der Veröffentlichung der Studie „Wir sind Nationalmannschaft“ war die Rede von der Nationalelf als „letztem gemeinsamen Lagerfeuer der Nation“, von „unglaublicher Vorbildfunktion“ und „sinnstiftender Quelle einer Volks-Identifikation“ - sogar die „Legitimität einer vierten Macht im Staat“ soll man demnach dem Lieblingsteam der Deutschen zuschreiben dürfen. Alle lieben offenbar diese Fußballmannschaft: Frauen und Männer, Arme und Reiche, Professoren und Schulabbrecher, Migranten und Biodeutsche.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Wirtschaftswissenschaftler der EBS-Universität in Oestrich-Winkel hatten in ihrer Studie aber ganz allgemein herausfinden wollen, wie sich die Nationalelf seit 1988 unter Teamchef Ribbeck bis in diese Tage unter Löw entwickelt hat - die großen Schlagzeilen machten jedoch nur die hohen Sympathiewerte und ein gesellschaftlicher Reichweiten- und Bedeutungszuwachs, bei dem einem angesichts der salbungsvollen Worte schon ganz schwindelig werden konnte.

          Kritische Anmerkungen zur sportlichen Entwicklung

          Untergegangen in der 72-seitigen Studie sind angesichts der „Magie“ und des Jubelsturms um die Nationalmannschaft allerdings die kritischen Anmerkungen zur sportlichen Entwicklung - sowie die strukturellen Schwächen innerhalb des Teams und des Deutschen Fußball-Bundes. Um es kurz zu machen: Den Forschern fehlt unter Löw mittlerweile ein „revolutionärer Impuls“, alles geht nur seinen altbekannten evolutionären Gang.

          In Kapitel sieben taucht dabei genau jene Frage auf, die sich viele deutsche Fans gerade vor der Weltmeisterschaft in Brasilien stellen. Denn der letzte Titelgewinn liegt trotz der positiven Entwicklung bekanntlich schon 17 Jahre zurück, und daher stellt sich auch für die Forscher die Frage, wie die „entscheidenden Prozentpunkte“ (Bierhoff) noch aus der Mannschaft herausgeholt werden könnten.

          Deutsche Teamführung Löw, Bierhoff, Flick und Köpke: Es fehlt der Querdenker

          Hier muss man etwas weiter ausholen. Die Wirtschaftswissenschaftler stellen in ihrer Analyse der Leistungentwicklung der Nationalelf in den vergangenen 14 Jahre „gewisse Parallelen zu typischen Organisationsentwicklungsverläufen in der Wirtschaftspraxis“ fest. Wandelprozesse in Unternehmen folgten demnach einem idealtypischen Schema von evolutionären, revolutionären und erneut evolutionären Phasen - wobei eine Auftauphase (Ribbeck/Völler) zur Vorbereitung einer radikalen Wandelphase (Klinsmann) gehöre, der wiederum eine Stabilisierungsphase (Löw) folge. Laut der Studie zeige sich unter Löw mittlerweile „die Kehrseite der Stabilisierung der Leistungsfähigkeit nach den radikalen Veränderungen unter Klinsmann“.

          Ein „Advocatus Diaboli“ muss her

          Analog zu Unternehmen, die lange Zeit in der Stabilisierungsphase verharrten, stelle sich jetzt auch für die Nationalelf die Frage, welche Impulse für weitere Leistungssteigerungen gesetzt werden könnten. Die Forscher raten nun, „die unter Löw eingeleiteten evolutionären Verbesserungsaktivitäten mit revolutionären Ansätzen zu verbinden“. Sie empfehlen dem Bundestrainer ausdrücklich, einen „Querdenker“ oder einen „Advocatus Diaboli“ in ihr Trainer- und Betreuerteam zu holen. Denn nun gehe es darum, „positive Spannung zu erzeugen und damit stärkeres Hinterfragen von Entscheidungen“.

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