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Fußball-Nationalmannschaft : Bedingt abwehrbereit

Auf der Suche nach verlässlichen Defensivkräften: Bundestrainer Joachim Löw Bild: dpa

Seit zwei Jahren kassiert die deutsche Nationalelf zu viele Gegentore. Vor dem Start in die WM-Saison gegen Paraguay am Mittwoch (20.45 Uhr) wirkt das Defensiv-Konzept von Bundestrainer Löw noch nicht verlässlich.

          Es gibt Themen, über die Joachim Löw gerne spricht. Das dominante, offensive und technisch hochwertige Spiel ist so ein Thema. Der Bundestrainer spricht darüber bisweilen leidenschaftlich und gerne auch ausführlich. Löw ist dann genau bei den ganz großen Stärken der deutschen Fußball-Nationalmannschaft angelangt, die sein Team auch zu einem der Favoriten bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien machen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es gibt allerdings ein Fachthema bei dem der Bundestrainer eher etwas einsilbig wirkt, auch vor dem Saisonstart seiner Mannschaft beim Testspiel gegen Paraguay am Mittwoch in Kaiserslautern (20.45 Uhr / Live im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) war darüber zuletzt auch auf Nachfrage nicht viel von ihm zu erfahren: das Abwehrverhalten der deutschen Mannschaft.

          Um es nach den Erfahrungen der letzten beiden Spielzeiten kurz zu machen: die deutsche Nationalelf ist nur noch bedingt abwehrbereit. Zum größten deutschen Manko stellte der Bundestrainer vor dem ersten Spiel der WM-Saison kurz und bündig fest: „Wir müssen in der Defensive noch mehr Stabilität erreichen, die wir zuletzt nicht immer hatten. Das gilt nicht nur für die letzte Abwehrreihe. Auch die Vorderspieler müssen frühzeitig attackieren und sich aggressiv an diesem Defensivspiel beteiligen.“ Problem erkannt, Problem gebannt?

          Zuletzt jedenfalls nichts. Unter den führenden zwanzig Mannschaften der Welt hat in der vergangenen Saison nur Uruguay eine schlechtere Verteidigungsbilanz vorzuweisen als die deutsche Mannschaft. Löws Team musste bei 17 Gegentoren in elf Spielen im Schnitt 1,55 Gegentreffer pro Partie hinnehmen. In der Saison davor waren es sogar 1,6 Gegentreffer.

          Das deutsche Spiel wurde immer attraktiver

          Nicht nur Titelverteidiger Spanier und WM-Gastgeber Brasilien, die sich im Finale des Confed-Cups in Rio im Sommer gegenüberstanden, und im kommenden Sommer ebenfalls zu den Favoriten gehören, sind dem deutschen Team in defensiven Stabilitätsfragen weit voraus.

          Zu Löws Überzeugungen gehört es, dass die Spanier, bis zuletzt das Maß im internationalen Fußball, nur durch dominantes Spiel zu schlagen sein. So arbeitete der Bundestrainer seit Jahren daran, das kreative Offensivspiel der Nationalmannschaft weiterzuentwickeln, mit teils beeindruckenden Ergebnissen. Aber das geht, und das lässt sich seit mindestens zwei Jahren nicht anders sagen, doch arg auf Kosten der defensiven Stabilität.

          Einst probierte es Löw mit den Defensivkräften Torsten Frings (Mitte) und Michael Ballack

          Löw forderte damals, das Vorbild Spanien und Barcelona im Blick, dass zwei klassische Sechser als Absicherung vor der Viererkette in seiner Mannschaft nicht mehr zeitgemäß seien, so wie einst Ballack/Frings und bei der WM in Südafrika Schweinsteiger/Khedira. Mindestens einer dieser defensiven Mittelfeldspieler müsse sich regelmäßig am Offensivspiel beteiligen, am besten beide im Wechsel, denn so schaffe man in der Zentrale des Spiels Überzahl und Überraschung.

          So geschah es - das deutsche Spiel wurde immer attraktiver. Aber die guten Defensivquoten aus den Spielzeiten 2006/07 (0,55 Gegentore), 07/08 (0,88), 08/09 (0,91) und 09/10 (0,59) rückten, wie der „Kicker“ zuletzt dokumentierte, in immer weitere Ferne.

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