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Fußball-Nationalmannschaft : Bayern + Dortmund = Weltmeister?

Bundestrainer Löw und seine B-Elf: Nationalmannschaft ohne Wiederholungswert Bild: dpa

Die deutschen Spitzenklubs sind das Maß aller Dinge im Vereinsfußball. Doch Bundestrainer Löw geht auf Distanz zur Blockbildung und warnt davor, aus der Stärke von Bayern und Dortmund Erfolge für das DFB-Team abzuleiten.

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          Am 13. Juli 2014 findet das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft statt. Um dorthin zu kommen, ist Bundestrainer Joachim Löw mit der deutschen Nationalmannschaft, die es in dieser Konstellation nie wieder geben wird, dieser Tage nach Florida geflogen. Die Profis, die man sich in Deutschland derzeit für ein WM-Endspiel in Rio de Janeiro am besten vorstellen kann, sind jedoch allesamt nicht dabei. Die Achse München-Dortmund mit dem Madrider Anhang fehlt zunächst komplett.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Die Aufstellung - die es weder beim Länderspiel an diesem Mittwoch gegen Ecuador (20.30 Uhr im Liveticker bei FAZ.NET) noch drei Tage später gegen die Vereinigten Staaten geben kann, wohl aber bei der WM in Brasilien - lässt sich dagegen aus dem Champions-League-Endspiel zwischen Dortmund und München und den Halbfinals in dieser Saison für deutsche Fans ganz wie von selbst zusammenstellen, kinderleicht sozusagen: Neuer - Lahm, Boateng, Hummels, Schmelzer - Khedira, Schweinsteiger, Müller, Özil, Reus - Gomez. Und dazu hätte der Bundestrainer noch Gündogan, Kroos, Götze und Bender aus dem Bayern-Borussen-Block auf der Bank.

          Mit anderen Worten: Es scheint die vordringlichste Aufgabe des Bundestrainers zu sein, wenn er mit der deutschen B-Auswahl vom Amerika-Ausflug zurückgekehrt ist, für die kommende WM-Saison aus den beiden besten deutschen und derzeit auch stärksten europäischen Mannschaften sowie mit den Real-Stars Özil und Khedira ein Team zu formen, das nach fast einem Vierteljahrhundert wieder die Weltmeisterschaft gewinnen kann. Teambuilding aus Blockbildung müsste demnach Löws Auftrag mit Blick von Wembley auf Maracana lauten.

          Und was sagt der Bundestrainer auf die Frage, ob er jetzt nicht die beste Mannschaft beisammen habe, seit er 2004 beim DFB anfing - und damit auch die besten Chancen auf den Titel? „Seit 2010 ist deutlich zu erkennen, dass wir in unserer fußballerischen Entwicklung nochmals einen Schritt nach vorne gemacht haben. Unsere Mannschaft ist noch nicht am Ende ihrer Entwicklung, sie kann sich noch steigern. Das macht mich natürlich zuversichtlich für die WM, ganz klar. Und dennoch: Eine Titel-Garantie kann niemand geben“, sagte Löw dieser Zeitung.

          Gegeneinander und miteinander: Nationalspieler Reus und Lahm
          Gegeneinander und miteinander: Nationalspieler Reus und Lahm : Bild: dpa

          Aus der besten Bundesligasaison, die es je gegeben hat - und die in Wembley nun ihren Höhepunkt erfahren hat -, stehen mit Blick auf den Bundestrainer und die WM zwei Thesen für die kommenden dreizehn Monate bereit.

          These eins: Löw ist ein Gewinner und Glückskind, weil er mit den besten Spielern verwöhnt wird, die ihm je zur Verfügung gestanden haben. Mit dieser Auswahl an herausragenden Kräften kann der Bundestrainer nun eine deutsche Fußball-Entwicklung auch mit der Nationalelf krönen, zu der er über viele Jahre maßgeblich beigetragen hat. Nun sind die Spieler im besten Alter, haben die nötige Erfahrung gesammelt. Die Zeit ist reif, denn die Spieler sind einfach zu gut.

          These zwei: Löw ist ein Verlierer und Pechvogel, denn wer es am Ende nicht schaffen sollte, mit diesem Luxuskader, der nun auch (wenigstens zum Teil) das Gewinnen im wichtigsten Klubwettbewerb gelernt hat, die Weltmeisterschaft zu holen, wird es nie mehr schaffen. Ein anderes Ziel als den WM-Titel kann es nach dem herausragenden Abschneiden deutscher Klubs 2013 in einem Jahr gar nicht geben. Für Ausreden und Vertröstungen ist kein Platz mehr, dafür sind die Spieler einfach zu gut.

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