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Fußball-Krawalle : Schäuble: Klubs müssen Gewalttäter ächten

  • Aktualisiert am

Blumen für die Polizei Bild: ddp

Nach den Ausschreitungen in Leipzig hat Bundesinnenminister Schäuble die Vereine ermahnt, gegen Hooligans vorzugehen. „Zudecken, Beschwichtigen und Schweigen gilt nicht mehr“, sagte er. Untätigen Klubs drohe „der Ausschluss aus der Fußballfamilie“.

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          Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat die deutschen Fußballvereine eindringlich ermahnt, entschlossener gegen Hooligans vorzugehen. „Zudecken, Beschwichtigen und Schweigen gilt nicht mehr. Die Klubs müssen sich bekennen, Gewalttäter aktiv ächten und in die Jugendarbeit investieren“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Fußball-Vereine, die sich daran nicht halten würden, drohe „der Ausschluss aus der Fußballfamilie“.

          „Hooligans suchen sich immer Nischen, die ihnen Schutz und Anonymität gewähren“, sagte der CDU-Politiker weiter. Solche Schutzbereiche für Gewalttäter und Chaoten dürfe es im deutschen Fußball nicht geben, sonst gefährde die Gesellschaft eine ihrer größten Kräfte zur Integration.

          „Probleme in unteren Ligen nicht verharmlosen“

          Deutsche Fußballfans seien zum allergrößten Teil friedliche Mitbürger. „Damit die Hooligan-Seuche jedoch nicht um sich greift, darf man die Probleme in unteren Ligen nicht verharmlosen“, forderte Schäuble. Die Polizeikräfte erledigten beim Schutz von Fußballspielen „einen tollen Job“. Es könne aber nicht sein, dass - wie zuletzt in Leipzig - 300 Polizisten ein Spiel der sechsten Liga sichern müssten.

          Schäuble: Schutzbereiche für Gewalttäter darf es nicht geben

          Der Leiter der Koordinationsstelle Fan-Projekte der Deutschen Sportjugend, Volker Goll, kritisierte die Absagen von mehr als 60 Fußballspielen in Leipzig an diesem Wochenende. Diese symbolische Entscheidung treffe vor allem Vereine aus den unteren Ligen, die mit den Krawallen nichts zu tun hätten, sagte Goll im „Deutschlandradio Kultur“. Um die Aggressionen abzubauen, setze die Deutschen Sportjugend bei Fan-Projekten etwa darauf, eine Beziehung zu den Fans aufzubauen und einen Dialog zwischen den Konfliktparteien in Gang zu setzen.

          „Nicht wie ein italienischer Minister aufführen“

          Fußball-Krawalle wie in Italien seien in Deutschland nicht zu befürchten. Allerdings solle man sich in Sachsen klarmachen, dass die Verstärkung der Polizeitruppen nicht unbedingt zum Abbau von Gewalt in den Stadien führe. In Italien habe man den Fehler gemacht, 20 Jahre lang nur auf die Polizei zu setzen. „Wenn der sächsische Innenminister sagt, er möchte keine italienischen Verhältnisse, dann sollte er sich auch nicht wie ein italienischer Minister aufführen“, sagte Goll.

          In Leipzig hatten am vergangenen Wochenende rund 800 Hooligans nach einem Pokalspiel zwischen dem 1.FC Lok Leipzig und der zweiten Mannschaft von Erzgebirge Aue randaliert und sich eine Straßenschlacht mit 300 Polizisten geliefert. Dabei wurden 42 Menschen verletzt, darunter 36 Polizisten. (Siehe auch: Nach den Krawallen: „Ich werde Namen nennen, alle“)

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