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Hopp, Hundt, Ackermann : Riesenspaß in der Business Lounge

Superstimmung im Stadion: SAP-Gründer Dietmar Hopp ist der Macher des Bundesligaklubs TSG 1899 Hoffenheim Bild: Hardy Mueller/laif

Fußball ist schick geworden - für viele Manager eine Herzensangelegenheit. Die Wirtschaftsprominenz drängt es in die Stadien und sogar an die Spitze der Clubs. Das ist lustiger als Fabriken managen.

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          Das war ein schöner Tag, als der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Wilhelm Bender, in den Ruhestand wechselte. Da hat die Frankfurter Eintracht dem Flughafenchef und Trikotsponsor ein Leibchen mit „Goodbye Willi“ geschenkt und ein Abschiedsspiel organisiert: Eintracht-Promis gegen Fraport-Betriebssportler. „Willi“ spielte in der ersten Halbzeit für das Fraport-Team, in der zweiten für die Eintracht. Doch eines nagt bis heute: Ihm wurde kein Tor aufgelegt, wie es sich doch eigentlich gehört hätte.

          Fußball ist für die großen Jungs unter den Managern nun mal eine Herzensangelegenheit. Heute ist der sehr solide Wilhelm Bender Aufsichtsratsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG, jüngst zuständig dafür, die Verpflichtung der Trainerpersönlichkeit Christoph Daum abzunicken. Dieser Mann hätte bei Fraport vermutlich noch nicht mal einen Gabelstapler in der Gepäckabfertigung lenken dürfen, nur so vom ersten Eindruck her.

          Ein ganz anderes Business

          Bender steht hinter der hastigen Verpflichtung. Fußball ist eben ein anderes Business als Landebahnen planen und Slots verkaufen, wilder, lustiger und mit Promifaktor. Die Bundesligaclubs bieten der Wirtschaftselite etwas, was man sonst mit Geld nicht kaufen kann: Starkontakt in gediegenem Ambiente. Deshalb tummeln sich inzwischen Topmanager nicht nur in den VIP-Zonen der Stadien, sondern in den Führungsgremien der Fußball-Clubs. Sie kommen von VW, Daimler oder Goldman Sachs, von Rewe, Merck, Telekom oder dem Otto-Konzern und dürfen mitreden, wenn ein Trainer gefeuert werden soll. Sie regieren bei Bayern München, beim HSV und in den meisten Clubs mit, wenigstens ein bisschen.

          Die VIP-Tribüne der Frankfurter Eintracht: Ex-Fraport-Chef und Club-Aufsichtsrat Wilhelm Bender (ganz links) und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (rechts)

          Es ist ein weiter Weg, den der bezahlte Fußball zurückgelegt hat vom Treffpunkt der Arbeiter, Männerfreunde und fröhlichen Zuhälter zum Anziehungspunkt der besseren Gesellschaft. „Das Geschenk war die Fußball-Weltmeisterschaft 2006“, sagt Joachim Thomas, Chef des wunderschönen Berliner Olympiastadions. Dafür ist das Gros der deutschen Arenen umgebaut worden. Die Betreiber haben in Sicherheit, Sauberkeit und das Catering investiert. Übersetzt heißt das: selbst mit falschem Schal kriegt man nicht mehr zwangsläufig Prügel, es riecht nicht mehr so streng und es gibt was zu essen ohne lange Schlangen. Tatsächlich hat Europa nichts Vergleichbares an Service und Qualität, nur Football in Amerika lockt mehr Leute als die Bundesliga.

          Rundumunterhaltung im Stadion

          Was 1,6 Milliarden Euro – so viel wurde vor der WM in den Stadien verbaut – alles ausrichten, sieht man vor allem in den VIP-Zonen. Alle zwei Wochen zum Heimspiel an 17 Wochenenden im Jahr treffen 3000 bis 4000 Leute in den sogenannten Hospitality-Bereichen der Stadien aufeinander. „Früher ist man ins Stadion gegangen, um Fußball zu sehen. Heute geht man, um sich rundum unterhalten zu lassen“, sagt Philipp Hasenbein, Chef des Sportrechtevermarkters Sportfive.

          Geschäfte anbahnen kann man auch. Drei von vier Business Sitz-Inhabern haben das in einer Sportfive-Befragung angegeben. Was die Wirtschaftselite zum Fußball zieht, darüber macht sich der erfahrene Fußballmanager Andreas Rettig keine Illusion: Das geschäftliche Kalkül. Fußball ist Networking. Mit dem Vorteil, dass drin ist, wer einen Business-Sitz bezahlt. So bietet Rettigs Club FC Augsburg spezielle Dienste zur „Kontaktvermittlung“ an. Ganz wie eine Partneragentur hält er ein formelles „Speeddating“ im Business-Bereich des Stadions ab: In einem eigenen Raum werden die Manager zusammengeführt, immer auf der Suche nach Geschäftspartnern. So wird die Business Lounge das, was früher der Golfplatz war und der Rotary Club, nur nicht so verschlossen.

          „Guck mal, ist das nicht...?“

          Männer sind immer noch in der großen Mehrheit (rund 80 Prozent), Firmenvertreter und ihre Kunden, alte Stehkurvenfans, die Geld gemacht haben und sich nun einen Business-Sitz leisten können. Die kosten zwischen 2500 und 7500 in der Saison, je nach Begehrtheit des Clubs. Die Logen mit zehn Plätzen können 100.000 Euro kosten, 150.000 oder auch 200.000.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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