https://www.faz.net/-gtl-xsdl
 

Fußball-Kommentar : Trickser in der Falle

  • -Aktualisiert am

Fifa-Präsident Joseph Blatter könnte demnächst selbst ins Leere laufen Bild: dpa

Über die WM-Vergabe 2022 an Qatar könnte Sepp Blatter eines nicht mehr gar so fernen Tages stürzen. Der Widerstand gegen den Fifa-Präsidenten wächst. Mag Blatter sich noch für den größten Weltjongleur seines Sports halten, springt ihm doch längst der Ball zu oft vom Fuß.

          2 Min.

          Tricksen, antäuschen und den Gegner ins Leere laufen lassen – Fußballer werden für diese Kunst bejubelt. Joseph Blatter sieht sich am liebsten als Familien-Oberhaupt aller Fußballer. Obwohl er im März 75 Jahre alt wird, trickst er noch immer, täuscht er an und lässt seine Gegner ins Leere laufen, dass es eine Pracht ist.

          Denkt Blatter, der Fußballpolitiker, der sich wie niemand sonst in seinem Genre auf den raschen Standortwechsel versteht. Und doch: Über die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Qatar könnte sogar der wendige Spitzenfunktionär aus dem Wallis eines nicht mehr gar so fernen Tages stürzen.

          Nicht, weil er selbst für den winzigen Wüstenstaat gestimmt hätte. Das, sagen inzwischen Kenner der Verhältnisse, sei nicht der Fall gewesen. Hätte nämlich der Schweizer Qatars Bewerbung ähnlich wohlwollend begleitet wie die von Russland für die Ausrichtung der WM 2018, wäre der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) womöglich nur im Begleitboot seines Widersachers Mohammed Bin Hammam aufgetaucht. Mit diesem nach Blatter derzeit mächtigsten Funktionär der Fifa-Exekutive ist der Schweizer inzwischen überkreuz, obwohl Bin Hammam früher sein gewichtigster Freund und Helfer war.

          „And the winner is ... Qatar.“ Und nun?

          Heute bekämpfen sich die Herrschaften mit einer Politik der Nadelstiche. Bin Hammam, weil er wiederholt davon gesprochen hat, bei der nächsten Fifa-Präsidentenwahl am 1. Juni in Zürich womöglich gegen Blatter und dessen intransparente Herrschaft anzutreten; Blatter, indem er Ideen von Michel Platini, dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union, kursieren ließ, die WM 2022 könne außer in Qatar in der gesamten Golfregion ausgetragen werden – und dazu eine Verlegung aus dem heißen Sommer in den warmen Wüstenwinter befürwortete. Dass es am Golf im Juni und Juli brütend heiß ist, war selbst den verknöchertsten alten Herren aus der Fifa-Exekutive am 2. Dezember bekannt, als Blatter verkündete: „And the winner is ... Qatar.“

          Und nun? Qatar würde sich, sagte es ja zu Blatters Plänen und nein zu Platinis Vorschlag, unglaubwürdig mit seiner erfolgreichen Bewerbung für eine Sommer-WM und dazu unpopulär in seiner Region machen. Und wenn sich erst die Europäer, vor allem deren große Ligen, verbündeten und Blatters Winterspielgedanken entschlossen bekämpften, könnte es eng werden für den Trickser und Antäuscher.

          Den von der Fifa unter viel Eigenlob verabschiedeten Jahresspielkalender für ein Januar-Spektakel in Qatar umzustellen, dagegen wächst der Widerstand – und damit auch die Gefahr, dass Joseph Blatter demnächst selbst ins Leere läuft. Mag Blatter sich noch für den größten Weltjongleur seines Sports halten, springt ihm doch längst der Ball zu oft vom Fuß.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.