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Fußball-Kommentar : Notwendige Strafe

  • -Aktualisiert am

Mit den bisherigen Maßnahmen ist die Fanproblematik in Dresden nicht mehr in den Griff zu bekommen Bild: dpa

Der DFB plant, Dynamo Dresden aus dem Pokal auszuschließen. Nach der heftigen Randale in Dortmund ist das die richtige Strafe. Die bisherigen Maßnahmen, die Fanprobleme in den Griff zu bekommen, genügen nicht.

          Geldbußen mögen ein probates Mittel sein, Bürger zu bestrafen, die lässliche Sünden begehen, etwa im Straßenverkehr, aber auch auf anderen Rechtsgebieten, vor allem wenn es sich um Ersttäter handelt. Im Fußball hat sich diese Sanktion als untauglich erwiesen, wenn es darum geht, gewaltbereite Fans in die Schranken zu weisen oder sie wenigstens aus den Stadien fernzuhalten.

          Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beabsichtigt folgerichtig, das Strafmaß zu erweitern und Dynamo Dresden für die nächste Saison von der Teilnahme am DFB-Pokal auszuschließen. Dynamo-Fans hatten vor einer Woche, beim Auswärtsspiel gegen Dortmund, so heftig randaliert, dass der Einsatzleiter der Polizei sich und seine Kräfte weitaus stärker gefordert sah als in zahlreichen Revierderbys gegen Schalke 04, die der höchsten Sicherheitsstufe unterliegen.

          Die Dresdner haben einen der bekanntesten deutschen Sportrechtler damit beauftragt, ihre Interessen zu vertreten. Sie halten die geplante Maßnahme für überzogen. Nicht in der Sache, sondern in ihren Auswirkungen. Wie lukrativ der Wettbewerb für einen Zweitligaverein sein kann, zeigt diese Saison.

          In der ersten Runde ein Heimspiel gegen Leverkusen, in der zweiten eine Auswärtspartie gegen Dortmund vor mehr als siebzigtausend Zuschauern im Stadion, darauf verzichtet kein Klub gerne, schon gar nicht mit Blick auf die Finanzen. Nicht nur, aber auch deshalb ist ein Ausschluss der richtige Weg, wenn ein Verein seine Fanszene über Jahre hinweg nicht im Griff hat.

          Es reicht nicht, nach dem Staat zu rufen

          Natürlich wirft eine Strafe, wie sie der Kontrollausschuss jetzt beantragt, Fragen auf. Was kann der Verein dafür, dass gewaltbereite Fans gegen Gesetze verstoßen und sich strafbar machen? Ist es nicht Aufgabe von Polizei und Justiz, die Täter zu überführen und zu bestrafen?

          Aber auch hier ist es nicht damit getan, nach dem Staat zu rufen. Die Verantwortlichen des Klubs haben beschlossen, für das „Problemspiel“ in St. Pauli auf das Kartenkontingent zu verzichten, das der Auswärtsmannschaft zusteht. Und sie haben angekündigt, diese Maßnahme vor der nicht weniger brisanten Zweitligapartie in Rostock zu wiederholen, wenn es nötig sei, um die Gewalt einzudämmen.

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          Das sind vernünftige Ansätze im Kampf gegen die Gewalt, die sich nicht nur gegen einzelne Polizisten, sondern gegen den Fußball richtet. Aber das genügt nicht. Deshalb wäre das Pokal-Aus für Dresden richtig. Weniger vernünftig klingt es, wenn Dynamo behauptet, der DFB wolle „ein ungeliebtes Kind in die Verbannung schicken“.

          Gerade die Sachsen genossen viel Kredit, als sie massiv gegen Lizenzauflagen vorstoßen hatten und der daraus folgende 1993 verhängte Punktabzug erst in der nächsten Saison wirksam wurde, was den VfL Bochum zum Absteiger machte.

          Abseits von Geldstrafen zur Rechenschaft ziehen

          Es kann nicht sein, dass gewaltbereite Fans ihre Aggressionen auf dem Rücken der Polizei oder gar auf dem Rücken von Unbeteiligten austragen, die wie in Dortmund flüchtend das Stadion verlassen. Als englische Rowdys in den achtziger Jahren in europäischen Stadien wüteten, schloss die Europäische Fußball-Union die Klubs aus England für mehrere Jahre von den Wettbewerben aus. Seitdem hat die Gewalt deutlich nachgelassen.

          Auch beim Revierderby zwischen Dortmund und Schalke bist der Krawall rückläufig. Die Fans beider Vereine hassen einander, aber ihre Funktionäre haben einen kleinsten gemeinsamen Nenner gegen Gewalt gefunden. Wem das nicht gelingt, der muss abseits von Geldstrafen zur Rechenschaft gezogen werden - so wie es der DFB plant.

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