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Fußball-Kommentar : Mehr Führung

Es fällt schwer, überhaupt ein Thema in seiner Präsidentschaft zu erkennen, für das der erste Mann des DFB steht: Wolfgang Niersbach Bild: dpa

In der Auseinandersetzung zwischen DFL und DFB geht es diesmal auch um grundsätzliche Fragen. Denn die DFB-Politik präsentiert sich derzeit wie ein großer Fußball: ohne Ecken und Kanten - ein Spielball der großen Jungs.

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          Solidarität und Loyalität gehören nicht unbedingt zu den herausragenden Qualitäten der Deutschen Fußball Liga (DFL) gegenüber ihrem großen Bruder. Die Interessenvertretung der Liga hatte in der Vergangenheit stets damit zu kämpfen, im Vergleich mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) immer ein bisschen zu glatt und geschniegelt nur die kommerziellen Interessen der Klubs und die eigene Profilierung im Sinn zu haben - auch wenn die DFL in der Sache oft nicht ganz falsch lag. Die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs, der Blick fürs große Ganze, lag stets beim DFB und damit auch bei seinen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger. Das ist Vergangenheit.

          In der aktuellen Auseinandersetzung zwischen DFL und DFB geht es - neben den üblichen Eifersüchteleien - diesmal auch um grundsätzliche Fragen. Die von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig angestoßene Diskussion, wie die sportliche Kompetenz im Deutschen Fußball-Bund gestärkt und in der Verbandshierarchie entsprechend verankert werden kann, weist über Partikularinteressen der Klubs weit hinaus. Darin spiegelt sich - zusammen mit der Diskussion um die Rolle des DFB-Sportdirektors - auch die Sorge der DFL um die Entwicklung des gesamten deutschen Fußballs.

          Es gehört zur Ironie der deutschen Fußballsportpolitik, dass dem vor gut einem Jahr gewählten DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach - der sich vor allem als Freund des (Profi-)Fußballs und der prominenten Fußballer präsentiert und inszeniert - nun seine ureigene Klientel von der Stange zu gehen droht. Bei aller atmosphärischen Nähe zu den Profis - Niersbach ist ständig in deutschen Stadien unterwegs - fällt nun ausgerechnet der DFL auf, dass Führung in der Sache auch nicht so schlecht wäre. An der Fußballbasis oder bei sozialpolitischen Themen steht Niersbach ohnehin nur am Rand. Es fällt schwer, überhaupt ein Thema in seiner Präsidentschaft zu erkennen, für das der erste Mann des DFB steht.

          Die DFL ist den Kinderschuhen des Verbandswesens unterdessen entwachsen. Vor allem der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christian Seifert, hat in den vergangenen Jahren an Ansehen gewonnen, nicht nur durch seine Qualitäten in Fragen der nationalen Fernsehvermarktung. Er wird auch in Struktur- und Grundsatzfragen gehört.

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          Seifert hat es zudem verstanden, den Blick für die Stärken des deutschen Fußballs auch international zu schärfen. So hat sich die DFL zuletzt tatsächlich und nicht mehr nur auf Kosten des großen Bruders profiliert - das sportpolitische Vakuum, das der DFB derzeit hinterlässt, mag sie dabei nur zu gerne ausfüllen.

          Die aktuelle Kritik an der Zustimmung des DFB etwa zur U-19-Champions-League oder der EM-Vergabe 2020 hat genau jene unbefriedigende Rolle im Auge, die der DFB momentan im internationalen Fußball spielt. Auf europäischer Ebene ist sie geprägt durch Niersbachs Nähe zu Uefa-Präsident Platini. Widerspruch oder gar eine erkennbar eigenständige Position des DFB sind da kaum auszumachen. Auch der Umgang des DFB in Fragen der sogenannten Reformpolitik im Fifa-Reich von Joseph Blatter ist von Halbherzigkeit und übertriebener Rücksichtnahme gekennzeichnet. Die DFB-Politik präsentiert sich derzeit wie ein großer Fußball: ohne Ecken und Kanten - ein Spielball der großen Jungs.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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