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Fußball-Kommentar : Die Fifa vor dem Hausputz

  • -Aktualisiert am

Amos Adamu: Drei Jahre ausgeschlossen aus der Fifa-Exekutive Bild: AFP

Die Fifa hat personelle Konsequenzen aus dem Korruptionsskandal gezogen. Die Arbeit am eigenen Image hat mit den Sperren gegen die Funktionäre Adamu und Temarii aber erst angefangen. Es ist fraglich, ob der Weltfußballverband die Kurve kriegt.

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          Diese Herren wird man beim Internationalen Fußballverband (Fifa) nie wiedersehen. Mögen die Exekutivkomiteemitglieder Adamu und Temarii sowie vier ehemalige Angehörige der Fifa-Regierung auch nur auf Zeit von jeglichen Fußballaktivitäten ausgesperrt sein, so ist ein Comeback der afrikanischen und ozeanischen Funktionäre undenkbar. Ist damit wieder alles gut in einem Weltverband, der wie andere Spitzenorganisationen des Sports mit der alltäglichen Korrumpierbarkeit und Manipulierbarkeit seiner Mandatsträger zu kämpfen hat? Natürlich nicht.

          Der jüngste Fall von evidenter Bereitwilligkeit, sich die eigene Stimme für einen der WM-Bewerber der Titelkämpfe 2018 und 2022 abkaufen zu lassen, spricht Bände – mag er auch von britischen Reportern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen herbeigeführt worden sein. Wie umstandslos sich der Nigerianer Amos Adamu und der Tahitianer Reynald Temarii hereinlegen ließen, offenbarte zudem, dass die beiden Sünder nicht einmal schwere Gewissensbisse plagten, als ihnen ein unmoralisches Angebot gemacht wurde.

          Blatter ist gefragt

          Mehr als jeder Einzelne ist durch den jüngsten Fußballskandal die Institution Fifa beschädigt worden. Wenn am 2. Dezember in Zürich die Entscheidung fällt, wer die WM in acht und in zwölf Jahren ausrichten darf, schwingt die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Votums mit. Auch wenn dann nur noch 22 statt 24 Exekutivkomiteemitglieder abstimmen, wird deren Wahl mit Zweifeln behaftet sein. Die Fifa und das Reinheitsgebot für ihre Spitzenrepräsentanten – nach dieser Vorgeschichte und anderen Vorkommnissen der Vergangenheit fällt die Überzeugung schwer, dass nun nur noch wahre Saubermänner das letzte Wort bei der Kür der kommenden WM-Gastgeber haben werden.

          Nach der Zürcher Wahl wird es eine der vordringlichen Aufgaben des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter sein, seine Institution besser gegen die Versuchungen von Macht und Geld zu schützen. Transparenz, klare Verhaltensregeln vor der Vergabe einer lukrativen WM und ein neues Kontroll- und Sanktionsinstrumentarium müssen her, um sich besser zu wappnen gegen die Attacken auf die Integrität eines Entscheidungsprozesses.

          Kriegt die Fifa die Kurve?

          Das Internationale Olympische Komitee hat mit seinen erneuerten Spielregeln für die Bewerberstädte nach dem Skandal um die Vergabe der Winterspiele 2002 an Salt Lake City die Kurve in die richtige Richtung gekriegt. Auch die Fifa hat nun die Chance, aus den hauseigenen Affären zu lernen und zum Beispiel bei der Auswahl ihrer künftigen Exekutivkomitee-Angehörigen aus den sechs Konföderationen genauer als bisher auf die Eignung des delegierten Funktionärspersonals zu schauen.

          Wer indes einen Blick auf einige von Blatters seit Jahren engen Weggefährten in der Fifa wirft, fragt sich, wo die Kraft zur Erneuerung im Fußball-Weltverband herkommen soll.

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