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Fußball-Kommentar : Blatters Hakenschläge

  • -Aktualisiert am

Kehrtwende des Präsidenten: Sepp Blatter will die WM im Winter Bild: REUTERS

Sepp Blatter meldet sich zu Wort und vollzieht mal wieder eine Kehrtwende: Was bezweckt der Fifa-Chef mit seiner Kritik an der Sommer-WM in Qatar?

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          Joseph Blatter tut und sagt nichts, ohne eine Absicht zu verfolgen. Das ist einerseits gut so, denn wer will schon einen unbedarften Präsidenten des Internationalen Fußballverbandes (Fifa)? Andererseits liegt dem Schweizer die Kunst des Winkelzuges ganz besonders im Blut, was dem Verband nicht nur Nutzen, sondern auch den Ruf eines intransparenten Haufens eingebracht hat. Also stellt sich die Frage: Was will Blatter mit seiner Aussage bezwecken, die er gegenüber der französischen Sportzeitung „L‘Equipe“ gemacht hat? „Es ist nicht vernünftig und zumutbar, die WM 2022 in Qatar im Juni und Juli zu spielen.“

          Damit passt sich der Fifa-Präsident der vorherrschenden Meinung der Branche an. Verschiedene nationale Spielergewerkschaften, der Verband der Profiklubs, zahlreiche Funktionäre, darunter Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), wollen die WM im Winter stattfinden lassen. Die auf den ersten Blick größte Schwierigkeit, ein neuer Rahmenterminkalender müsste für den internationalen und nationalen Spielbetrieb in der WM-Saison erarbeitet werden, sei mit etwas gutem Willen durchaus zu managen, haben Experten schon ausgetüftelt.

          Taktisches Mittel

          Noch nicht einmal die Qatarer sträuben sich grundsätzlich gegen eine Winter-WM in ihrem Land. Sie sagen nur, dass der Antrag für eine Verlegung von der Fifa kommen müsste und nicht von ihnen. Und damit haben sie recht. Würde Qatar eine Verschiebung beantragen, wäre das ein Eingeständnis, die versprochenen „Klimaanlagen-Spiele“ nicht auf die Reihe zu bekommen und damit ein Gesichtsverlust. Es bestünde sogar die Gefahr von Schadenersatzforderungen von Parteien, die durch die Winterspiele einen Nachteil hätten. Es müsste also die Fifa tätig werden.

          Nun könnte man glauben, dass nun, da sogar der so mächtige Präsident die Stimme der Vernunft erhebt, dem Wahnsinn einer Sommer-Weltmeisterschaft in Qatar Einhalt geboten wird. Aber so einfach muss der Fall nicht liegen. Blatter hat schon mal eine Winter-WM gefordert, das war im Januar 2011. Davor und danach hielt er jedoch eine Sommer-WM in Qatar für machbar und lehnte eine Verschiebung ab. Es könnte also sein, dass sein zweites Winter-Bekenntnis nicht seine Überzeugung ausdrückt, sondern als taktisches Mittel eingesetzt wird.

          Aber wofür? Da kann man nur Vermutungen anstellen. Auf jeden Fall stellt Blatter seinen europäischen Amtskollegen Platini, der ihn im Weltverband 2015 beerben möchte, in kein gutes Licht. Platini bekannte, bei der Wahl zur WM 2022 Qatar seine Stimme gegeben zu haben. Nun betont Blatter, dass dem Exekutivkomitee alle Schwierigkeiten in Qatar bekannt gewesen seien. Ein kleiner Seitenhieb auf Platini, seinem früheren Freund, dem er nicht mehr zugetan ist, seitdem er eine Kandidatur für die Fifa-Präsidentschaft ins Auge fasst. Blatter kündigte zwar mehrmals an, dass er nicht mehr kandidieren wolle, aber das liegt schon länger zurück. Zuletzt fand er, dass ein Mensch bis zu seinem Tode seine Arbeit ausüben solle, sofern er dazu in der Lage sei.

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