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Fußball-Kommentar : Aus dem Alltag der Stars

Harte Tage für den Star: Mit der Bayern-Reserve gegen Unterhaching statt mit Frankreich gegen England Bild: dpa

Die artgerechte Haltung sogenannter Superstars ist eines der großen Rätsel des Fußballs. Für Künstlernatur Ribery sind es harte Tage derzeit: Einst Heldentenor, jetzt Männergesangsverein. Und auch Cristiano Ronaldo hat nicht nur Spaß.

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          Und, Schatz, wie war dein Tag? Auch Fußballprofis haben Tage, von denen man nach Feierabend lieber nichts erzählt. Bei Franck Ribéry war das vermutlich am Mittwoch so. Seine Kollegen aus der französischen Nationalelf durften im Wembley-Stadion England 2:1 besiegen und den WM-Totalschaden ein Stück vergessen lassen. Ribéry aber hatte den Arbeitstag auf einem Trainingsplatz verbracht. Zusammen mit Ersatz- und Nachwuchsspielern des FC Bayern bestritt er eine Testpartie. Gegen die Spielvereinigung Unterhaching.

          Das sind harte Tage für Künstlernaturen. Einst Heldentenor, jetzt Männergesangsverein. Als wäre das nicht schlimm genug, gab es auch noch einen Rüffel vom ruppigen Boss: „Er hat sich nicht bemüht und keinen Einsatz gezeigt“. So sprach Trainer Louis van Gaal einen Tag vor dem Bundesligaspiel in Leverkusen. Dort hofft Ribéry auf Rückkehr in die Startelf, muss aber nun fürchten, vorerst Bank-Angestellter zu bleiben. Das Zwischenzeugnis des Chefs: „Er hat kein bisschen gewirbelt“.

          „Streng dich an, hab Spaß und zeig den Fans dein Bestes“

          Die artgerechte Haltung sogenannter Superstars ist eines der großen Rätsel des Fußballs. Manchmal muss man dafür gar nicht viel tun, wie etwa Rafael van der Vaart nach dem Wechsel von Real Madrid zu Tottenham Hotspur festgestellt hat. Es gebe dort „keine langen und langweiligen Ansprachen über Taktik wie bei Real“. Die einzigen Wörter, die Trainer Harry Redknapp zu ihm sage, seien: „Du spielst rechts oder links, streng dich an, hab Spaß und zeig den Fans dein Bestes.“

          Cristiano Ronaldo: Er spielte rechts oder links, strengte sich an, hatte Spaß und zeigte den Fans sein Bestes
          Cristiano Ronaldo: Er spielte rechts oder links, strengte sich an, hatte Spaß und zeigte den Fans sein Bestes : Bild: AFP

          Manchmal hilft aber auch das nicht. An demselben Tag, als Ribéry gegen Haching beim Boss durchfiel, glänzte Cristiano Ronaldo gegen den Weltmeister. Beim 4:0-Sieg mit Portugal wirbelte der Real-Star die spanische Verteidigung durcheinander. Und schoss ein Tor für feuchte Fußballerträume. Er ließ Piqué auf einem Bierdeckel aussteigen, strich mit der Sohle über den Ball, lupfte ihn aus der Bewegung über Casillas ins Tor. Das mögliche Tor des Jahres - wäre da nicht der Tor des Jahres gewesen. Kollege Nani spurtete aus dem Abseits herbei und gab dem Ball, der das gar nicht brauchte, auf der Torlinie noch einen Schubs mit der Stirn. So zählte es nicht. Und Ronaldo? Er hatte genau das getan, was der Tottenham-Trainer Redknapp seinen Stars empfiehlt: Er spielte rechts oder links, strengte sich an, hatte Spaß und zeigte den Fans sein Bestes. Und doch sah er in diesem Moment aus, als wolle er jemanden umbringen. Einen Kollegen. Hoffentlich hat ihn bei der Heimkehr niemand gefragt: Und, Schatz, wie war dein Tag?

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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