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Fußball : Kein Tatnachweis nötig

Stadionverbote gegen Fußballfans können vom Hausrecht der Vereine gedeckt sein, auch wenn Fans sich nicht an Gewalttätigkeiten beteiligen

Stadionverbote gegen Fußballfans können vom Hausrecht der Vereine gedeckt sein, auch wenn Fans sich nicht an Gewalttätigkeiten beteiligen Bild: dpa

Stadionverbote gegen Fußballfans können auch dann zulässig sein, wenn die Beteiligung an Gewalttätigkeiten nicht nachgewiesen ist. Das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit einem Grundsatzurteil entschieden. Ein Münchner Fan hatte mit seiner Klage gegen ein bundesweites Stadionverbot keinen Erfolg.

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          Stadionverbote gegen Fußballfans können auch dann zulässig sein, wenn die Beteiligung an Gewalttätigkeiten nicht nachgewiesen ist. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einem Grundsatzurteil entschieden. Das Gericht wies die Klage eines Fans und Dauerkarteninhabers des FC Bayern München ab, der nach einem Spiel beim MSV Duisburg im März 2006 mit einer Gruppe des Fanclubs „Schickeria München“ in eine Randale mit Duisburger Fans geraten war.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Er beteuert bis heute, die Ausschreitungen nur aus der Ferne gesehen zu haben, die Staatsanwaltschaft stellte ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs ein. Der MSV Duisburg sprach dennoch ein bundesweites Stadionverbot aus, gegen das der Fan erfolglos klagte.

          Nach den Worten des BGH ist das Vorgehen des MSV vom „Hausrecht“ des Vereins gedeckt. Fan-Initiativen beklagen seit Jahren, dass Stadionverbote auch dann ausgesprochen werden, wenn die Beteiligung an einer Schlägerei oder einem Rauchbombenwurf nicht erwiesen wird und rechtskräftige Urteile ausbleiben. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht sich durch das Urteil in seiner Rechtsauffassung bestätigt. Ausreichend für Stadionverbote sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft etwa wegen Landfriedensbruchs. Ein richterliches Urteil ist für ein Stadionverbot nicht nötig.

          Der DFB sieht sich bestätigt

          „Der BGH hat grundsätzlich Stellung genommen und die Praxis der Vereine bestätigt“, sagt Helmut Spahn, der Sicherheitsbeauftragte des DFB. „Es muss ein Mittel geben, um gewaltbereite Gruppen vom Fußball fernzuhalten.“ Nach seinen Angaben gelten zurzeit etwa 2900 bis 3000 bundesweite Stadionverbote. Verhängt werden sie von den Klubs. Maßgeblich sind einheitliche Richtlinien des DFB, nach denen sich Vereine und Verbände gegenseitig ihr Hausrecht übertragen.

          „Solange es dabei bleibt, dass ohne Nachweis einer Tat Stadionverbote ausgesprochen werden, wird es weiter Unmut bei Fangruppen geben“, sagt Wilko Zicht, Sprecher des Bündnis Aktiver Fußball-Fans, das sich seit 1993 vereinsübergreifend für die Interessen der Fans und ihrer Institutionen einsetzt. Helmut Spahn empfiehlt den Vereinen daher, sensibel „mit dem Instrument Stadionverbot“ umzugehen. So sollten diese einzelfallgerecht und entsprechend der DFB-Richtlinien ausgesprochen werden. Diese sehen die Möglichkeit der Anhörung des betroffenen Fans durch die Vereine vor, die davon aber nicht alle Gebrauch machen.

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