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Fußball in Südafrika : Für eine neue Identität

  • -Aktualisiert am

Soccer City: 94.000 Sitzplätze wird die neue Arena haben Bild: Dreis

Mit der Ausrichtung der Fußball-WM 2010 will Südafrika entdeckt werden. Kurz vor dem Probelauf Confederations Cup meldet die Republik am Kap positive Zahlen. Doch der Preis für die WM ist hoch - und viele Fragen harren einer Antwort.

          Es ist beinahe geschafft. Im Green Point Stadium in Kapstadt sind Arbeiter gegenwärtig dabei, die letzten Segmente des halboffenen, gläsernen Daches zu montieren. Dort, wo einst ein Rasen sein wird, steht noch ein monströser Kran. Im September soll der Kran dem längst in Stellenbosch herangezogenen Grün Platz machen und das Green Point Stadium dann offiziell eröffnet werden.

          Auch in Johannesburg machen die Bauarbeiten enorme Fortschritte. Dabei ist das neue Soccer City Stadium, das in der Trabantenstadt Soweto zwischen die Abraumhalden der Goldbergwerke geklotzt wurde, ein beeindruckendes Ding. 94.000 Sitzplätze wird die riesige Arena haben und neben anderen Begegnungen sowohl das Auftaktspiel der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft beherbergen als auch das Endspiel. „Dezember, allerspätestens, Punkt“, antwortet Architekt Piet Boer auf die Frage, wann das Stadion fertig sei. Man will es ihm gern glauben.

          Südafrika hat sich finanziell eindeutig verhoben

          Green Point und Soccer City gelten als die beiden Prestigeobjekte der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, und allen Unkenrufen zum Trotz werden die Arenen noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Dasselbe gilt für die neuen Stadien in Durban und Port Elizabeth. Von einem Plan B jedenfalls, einem anderen WM-Austragungsland, wie ihn eine Zeitlang auch Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), angesichts von Schludrigkeiten, Streiks und landesweiten Strompannen am Kap erwogen hatte, ist heute nichts mehr zu hören.

          Kein Problem: Das Green Point Stadium in Kapstadt wird fertig

          Danny Jordaan jedenfalls, der lange Zeit kritisierte Chef des lokalen Organisationskomitees, ist kategorisch: Nicht nur die Neubauten, zu denen neben Kapstadt, Johannesburg, Durban, Port Elizabeth auch noch die Stadien in Polokwane und Nelspruit gehören, werden fristgerecht fertiggestellt. Auch der Benutzung der vier runderneuerten Stadien in Pretoria (Loftus Versfeld Stadium), Johannesburg (Ellis Park Stadium), Rustenburg (Royal Bafokeng Stadium) und Bloemfontein (Free State Stadium) für den an diesem Sonntag beginnenden Confederations Cup stehe nichts mehr im Weg (siehe auch: Confederations Cup 2009: WM-Ouvertüre mit gemischten Erinnerungen).

          Schusselige Planung, dramatischer Wertverfall

          Ende gut, alles gut? Nicht ganz, denn Südafrika hat sich finanziell mit der Ausrichtung der WM 2010 eindeutig verhoben. Das hatte zum einen mit einer schusseligen Planung zu tun, zum anderen mit dem dramatischen Wertverfall der Landeswährung Rand. Allein das Green Point Stadium wird 4,5 Milliarden Rand kosten und damit mehr als eine Milliarde Rand (umgerechnet 88 Millionen Euro) mehr als veranschlagt. Der Grund dafür ist der Wind, den man bei der Planung schlichtweg vergessen hatte.

          Dort, wo das Stadion steht, bläst in den Wintermonaten Juni, Juli und August der Wind mit mehr als hundert Kilometer pro Stunde vom Atlantik, bricht sich am Tafelberg und fegt zurück. Das Dach, das ursprünglich gar nicht vorgesehen war, ist die Glas und Metall gewordene Konzession an die Wetterkapriolen der Hafenstadt. Das Material dazu stammt aus Amerika und Europa und ist sündhaft teuer. Soccer City wird ebenfalls wesentlich teurer als geplant. Das Gleiche gilt für nahezu jeden der Neubauten.

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