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Kampf gegen Drogenkartelle : Der lange Arm der Mafia im mexikanischen Fußball

  • -Aktualisiert am

Die Mannschaft der Pumas von UNAM vor dem Spiel. Ohne Protestbanner. Bild: Picture-Alliance

In Mexiko sollten Fußballprofis gegen den Drogenhandel demonstrieren. Doch sie weigerten sich – aus Angst. Einigen Spielern werden enge Verbindungen zu den Kartellen nachgesagt.

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          Es begann mit einer der unzähligen Schießereien im mexikanischen Drogenkrieg. Am vergangenen Freitag lieferten sich mutmaßliche Mitglieder von Drogenbanden auf dem Gelände der „Universidad Nacional Autónoma de México“ (UNAM) ein Gefecht. Es gab zwei Tote. Alltag in Mexiko. Für UNAM-Rektor Enrique Graue war der tödliche Kampf der Anlass, eine Aktion zu starten, in deren Mittelpunkt die Fußballmannschaft der Universität stehen sollte. Die Pumas zählen zu den populärsten Fußball-Mannschaften Mexikos. Unter Vertrag steht dort unter anderen der ehemalige HSV-Bundesligaprofi Marcelo Díaz.

          Einige Tage nach der Schießerei kam es im „Estadio Olímpico Universitario“, dem Stadion der Universität in Mexiko-Stadt, zu einem Spiel zwischen den Pumas und den Chivas de Guadalajara. Ein Klassiker im mexikanischen Fußball, der große Aufmerksamkeit garantiert. Das mittelmäßige Match endete 1:1. Dennoch wurde die Begegnung in den mexikanischen Medien intensiv diskutiert. Denn eigentlich sollten die Pumas mit einem Banner ins Stadion einlaufen: „Fuera Narcos“ („Drogenhändler raus“). So hatte es zumindest Rektor Graue geplant.

          Doch die Zuschauer bekamen das überdimensionale Plakat nie zu sehen. „Am Sonntagmorgen hat mir der Klubpräsident mitgeteilt, dass es Widerstand einiger Spieler gibt“, sagte Graue mexikanischen Medien. Offenbar fürchteten sie um ihre eigene Sicherheit und die ihrer Familien, wenn sie mit einer solchen Aussage auftreten würden. Fotos und Fernsehbilder von Fußballspielern mit derlei Botschaften kämen in Kreisen der Drogenkartelle nicht gut an. Einer der Spieler, der sein Unbehagen äußerte, soll laut mexikanischen Medienberichten der ehemalige Hamburger Díaz gewesen sein. Das Banner jedenfalls blieb in den Katakomben des Stadions.

          Kapitulation vor den Drogenkartellen

          Die Klubleitung entschied sich für eine andere Form der Demonstration. Der Aufruf „Fuera Narcos de la UNAM“ („Drogenhändler raus aus der UNAM“) war auf der riesigen Anzeigetafel des Stadions zu lesen und sorgte für Reaktionen. Hunderte Zuschauer zückten ihre Handys, fotografierten den Spruch und veröffentlichten die Fotos anschließend in den sozialen Netzwerken. Dort gab es sowohl Zustimmung als auch Kritik für die Aktion des Klubs und der Universität. Die Weigerung der Spieler bezeichneten viele als Kapitulation vor dem langen Arm der Drogenmafia.

          Die einzige verbliebene Form des Protestes: der Schriftzug auf der Anzeigetafel.
          Die einzige verbliebene Form des Protestes: der Schriftzug auf der Anzeigetafel. : Bild: AFP

          Die Angst der Spieler ist nicht unberechtigt. Mexiko zählt laut „Reporter ohne Grenzen“ weltweit zu den gefährlichsten Ländern für Journalisten, die über die Hintergründe des Drogenkrieges recherchieren. Immer wieder kommt es zu Mordanschlägen auf Reporter. Der mexikanische Drogenkrieg produzierte in den vergangenen Jahren Zehntausende Tote, und auch der Fußball rückt immer wieder in den Fokus des Drogenkrieges.

          Viele mexikanische Klubs stehen im Ruf, enge Verbindungen zu den Drogenkartellen zu haben. Spielertransfers und die bisweilen undurchsichtigen Transfersummen und -bedingungen bieten ein ideales Umfeld für illegale Geldwäsche. Zudem suchen die reichen Kartellbosse die Nähe zum Glamour des Fußballs. Die Mischung aus Prominenz und lukrativen Geschäften hat ihren Reiz. Die mexikanischen Profis kennen dieses Umfeld genau. Auch deswegen überrascht ihre Weigerung, an der Protestaktion teilzunehmen, nicht.

          Erst vor wenigen Monaten machte Fußballstar Rafael Márquez unrühmliche Schlagzeilen. Der langjährige Kapitän der mexikanischen Nationalmannschaft und ehemalige Profi des FC Barcelona sei eine der Schlüsselfiguren des Drogenkartells von Raúl Flores Hernández, einem Geldwäscher großer mexikanische Drogenkartelle. Dies warfen Fahnder aus den Vereinigten Staaten dem prominenten Spieler vor.

          Márquez habe als Strohmann für das Verbrechersyndikat des Rauschgifthändlers fungiert. Marquez habe Gelder in eine Fußballschule, eine Rehaklinik für Sportler, eine Fußballstiftung und den Klub CD Morumbi gesteckt. Flores und Márquez wirkten als Partner mit. Der ehemalige Barça-Profi wies alle Anschuldigungen zurück, doch der Fall ließ nicht zum ersten Mal die Nähe des Profifußballs zum Drogenhandel erahnen. Immerhin hat Universitäts-Rektor Graue mit seiner Aktion ein Ziel erreicht. Die Debatte über die Sicherheit und den Einfluss des Drogenhandels hat nun auch den mexikanischen Fußball erreicht.

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