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Fußball in England : Finanzblase Premier League

  • -Aktualisiert am

Transfer des Sommers: Robin van Persie stürmt künftig für Manchester United Bild: dapd

Die englische Premier League startet an diesem Samstag in die Saison 2012/2013. Gleich mehrere Klubs haben teils hohe Schulden. Um die Problematik einzudämmen, greifen erstmals neue Regeln. Mit diesen soll in den vier Profiligen nachhaltiges Wirtschaften durchgesetzt werden.

          „Man Persie“, titelte der „Daily Mirror“ am Donnerstag: „Fergie fängt Arsenal-Helden mit kolossalem Deal von 200.000 Pfund pro Woche.“ Die Rede war von Robin van Persie, durch dessen Verpflichtung Manchester United kurz vor Saisonbeginn ein klares Zeichen an die Konkurrenz gesendet hat. Mit van Persie und Wayne Rooney hat der Klub die beiden besten Torschützen der vergangenen Saison in seinem Kader. Nach einer titellosen Spielzeit zählt für Manchester United in dieser Saison, die an diesem Samstag (17 Uhr MESZ) beginnt, nur die Meisterschaft.

          Für das nötige Geld ging der Klub letzte Woche an die Börse und nahm durch Aktienverkäufe knapp 150 Millionen Pfund ein. Neben Spielerkäufen soll das Geld in die Tilgung der Schuldenlast von rund 423 Millionen Pfund gehen. Außer der Frage, wer Meister wird, ist in dieser Saison die Schuldenproblematik das große Thema.

          Erstmals greifen neue Regeln, um in den vier Profiligen nachhaltiges Wirtschaften durchzusetzen. Während in der Premier League das Uefa Financial Fair Play gilt, um in europäischen Wettbewerben spielen zu dürfen, haben die unteren Ligen eigene Statuten entwickelt. Die zweite Liga schreibt vor, dass sich Einnahmen und Ausgaben decken, wobei es anfangs erheblichen Spielraum gibt. In den Ligen darunter gelten Lohngrenzen relativ zum Erlös. In der dritten Liga darf ein Klub höchstens 65 Prozent der Einnahmen für Gehälter ausgeben, in der vierten zunächst 55 Prozent. Verstöße ziehen Geldstrafen oder Transferverbote nach sich.

          56 Profivereine gingen insolvent

          In der Saison 2010/11 gaben Premier-League-Klubs 70 Prozent der Einnahmen für Spielergehälter aus, in der zweiten waren es 90 Prozent. Seit der Einführung der Premier League 1992 haben die Ligen zwei bis vier fast stets Verluste gemacht, Tendenz steigend. Die Kalkulation vieler Klubs ist, sich den sportlichen Erfolg zu erkaufen, damit die Einnahmen nach dem Aufstieg in die Premier League fließen. Allerdings gingen so in den letzten 20 Jahren 56 Profiklubs insolvent.

          Damian Collins, Parlamentsabgeordneter für die Tories und Mitglied einer Fußballkommission der Regierung, hält die Regeln für nötig. „Aber es muss viel weiter gehen. Zu oft zahlt die Gesellschaft die Kosten, die der Profifußball verursacht.“ Wenn Vereine insolvent gehen, trifft das zumeist die Steuerzahler. Nach der „football creditors rule“ müssen Schulden gegenüber Spielern und anderen Klubs vollständig beglichen werden, wenn ein Verein insolvent geht.

          Mehrere finanziell ungesunde Klubs

          Das macht alle anderen Schulden zu Verbindlichkeiten zweiter Klasse. Collins will, dass die „creditors rule“ bald Geschichte ist. „Wir wollen das Insolvenzrecht so ändern, dass der Masseverwalter die Regel überstimmen kann“, sagt er. Widerstand kommt von der Premier League, die mehrere finanziell ungesunde Klubs aufweist. So darf Arsenal London auch im unwahrscheinlichen Fall, dass Manchester United demnächst Insolvenz anmelden sollte, rund 24 Millionen Pfund Ablöse für Robin van Persie erwarten.

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