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Fußball in England : Almunia will bald auch für England halten

Er hat Jens Lehmann einiges voraus derzeit. Manuel Almunia Bild: dpa

Manuel Almunia ist der Torwart, der Jens Lehmann bei Arsenal aus dem Tor verdrängte. Was zunächst nur nach einer Episode aussah, wird jetzt zum Dauerzustand. Nun hat der Spanier große Ziele: Er will Englands Nationalkeeper werden.

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          Der Mann, der heute ein Problem für Deutschland ist, wurde nicht zum Helden geboren. Manuel Almunia wurde, schon als Erstklässler, nur deshalb Torwart, „weil ich als Junge beim Rennen immer Asthma-Anfälle bekam.“ Später, mit 15, 16 Jahren, „wenn man verrückt ist“, reichte die Lungenleistung, um mehrmals den wilden Stieren in den Straßen seiner Heimatstadt Pamplona zu entkommen. Er lernte dabei eine Lektion fürs Profileben: nicht nach hinten schauen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Ein Vierteljahrhundert im Tor, es war eine Lehre in Ruhe, Geduld, Warten aufs Glück. Nun hält er es fest wie eine sicher gepflückte Flanke. Durch seine glänzende Leistung beim 1:0-Sieg des FC Arsenal gegen Chelsea, mit dem der Tabellenführer den Vierkampf um die englische Meisterschaft vorerst auf das bewährte Duell mit Manchester United (1:0 in Liverpool) reduzierte, hat der 30 Jahre alte Spanier die Rückkehrhoffnungen von Jens Lehmann auf ein Minimum reduziert.

          Im knüppelharten Derby „sein bestes Spiel“ gemacht

          Bis Weihnachten, hatte Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff gefordert, sollte sich die Situation der deutschen Nummer eins bei Arsenal geklärt haben, um nicht zum Problem für die Europameisterschaftsmission zu werden. Geklärt aber scheint nun nur, dass Lehmann seinen Rivalen unterschätzt hat.

          Entscheidender Fehler im Topspiel: Chelseas Torwart Petr Cech

          Nicht nur für Chelseas Trainer Avram Grant, dessen Team die erste Niederlage seit 16 Partien erlitt, machte Almunia in dem knüppelharten Derby „sein bestes Spiel“. Der „Evening Standard“ sah die Leistung Almunias als „wichtigsten Beitrag“ zum ersten Arsenal-Sieg über den Londoner Rivalen seit fast vier Jahren. „Er war herausragend und produzierte eine Reihe von feinen Paraden.“ Für das Blatt war es „der Beweis, dass er, entgegen dem Glauben Lehmanns, Spiele gewinnen kann.“

          „Ich bin viel ruhiger, wenn ich nicht mit ihm rede“

          Die hämische Kritik des Deutschen, er wisse, „wie der andere Torwart mental veranlagt“ sei, seine Zweifel daran, „dass er das durchhält“, sind zum Eigentor geworden. Die Versuche, Almunia nervös zu machen, haben nicht funktioniert. Der Spanier verhält sich so wie einst Lehmann im Fernduell mit Oliver Kahn um den Platz im deutschen WM-Tor: Bälle halten, Mund halten.

          Wenn er etwas über Lehmann sagt, dann Dinge wie: „Ich versuche, den Respekt ihm gegenüber zu behalten. Ich weiß nicht, ob er mich respektiert, ich will es auch nicht wissen.“ Zwischen den Rivalen herrscht Funkstille. „Wir bleiben auf Distanz“, sagt Almunia. „Es gibt keinen Dialog. Es ist besser so für mich. Ich bin viel ruhiger, wenn ich nicht mit ihm rede.“

          Almunia: „Man kann sehr allein sein als Torwart“

          Almunia ist einer, den man leicht unterschätzt: kein geborener Held, sondern ein gelernter. Ein Star auf dem zweiten Bildungsweg des Fußballs. Als er 2004 von Celta Vigo kam, sah er nicht aus wie einer, vor dem sich Lehmann, nach einer Debütsaison als ungeschlagener Meister, fürchten müsste.

          Noch im Finale der Champions League 2006 gegen Barcelona, als Ersatz für Lehmann nach dessen Platzverweis, schien er überfordert, ließ zwei haltbare Bälle passieren. „Man kann sehr allein sein als Torwart“, sagte Almunia später. „Wenn die Dinge schlecht laufen, ist niemand bei dir.“ Heute, sagt er, nehme er Fußball „als etwas, das man genießt, nicht als etwas, über das man sich Sorgen macht.“

          Der einzige Nichtnationalspieler auf dem Platz

          Während der „Welttorhüter“ Petr Cech bei der Flanke vor dem Siegtor von William Gallas danebengriff, wurde Almunia, der einzige Nichtnationalspieler auf dem Platz, zum großen Gewinner. Allerdings könnte es mit dem Nationalteam doch noch etwas werden - wenn auch nicht unbedingt in Spanien. Almunia, der im Sommer die britische Staatsangehörigkeit beantragen kann, hat erklärt, für England spielen zu wollen.

          Der „Evening Standard“ sah seine Leistung gegen Chelsea „als Bewerbung bei Fabio Capello“, dem am Montag vorgestellten neuen Nationaltrainer, für den Platz im englischen Tor. Weil Almunia auch als Jugendlicher nie in einer spanischen Auswahl spielte, stünde ihm dieser Weg offen. Auch das hat er Lehmann derzeit voraus.

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