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Fußball in Argentinien : Geldwäsche, Passhandel, Fälschung

  • -Aktualisiert am

Unter Verdacht: der ehemalige Bayern-Spieler Martin Demichelis (links) Bild: AFP

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Dokumentenfälschung: Der Skandal im argentinischen Fußball weitet sich aus. Auch frühere Bundesligaprofis sollen beteiligt sein.

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          Es geht um gefälschte Pässe, Steuerhinterziehung und Geldwäsche: Die argentinischen Steuerbehörden haben in einer in dieser Form einmaligen Aktion den Fußball-Profiklubs des Landes und den Spielervermittlern den Kampf angesagt. Ins Visier der Ermittler sind seit ein paar Tagen auch zwei in Deutschland bestens bekannte Profis geraten: Mittelfeldspieler Diego Placente, der von 2001 bis 2005 für Bayer 04 Leverkusen 123 Bundesliga-Spiele absolvierte; der ehemalige argentinische Nationalspieler (22 Länderspiele) gehörte zur wohl besten Leverkusener Elf der Vereinsgeschichte, die 2002 im Finale der Champions League Real Madrid nach großem Kampf 1:2 unterlag.

          Und Martin Demichelis, der von 2003 bis 2011 das Trikot von Rekordmeister Bayern München trug. Immer mehr argentinische Topstars tauchen in der Reihe der von der Justiz untersuchten Fälle auf: Auch Sergio Agüero (Manchester City) und Javier Mascherano (FC Barcelona) müssen bald mit unangenehmen Fragen rechnen.

          Der in Buenos Aires geborene Placente gilt als Präzedenzfall: Er war in Leverkusen auch deshalb eine feste Größe, weil er neben seinem argentinischen ebenso einen italienischen Pass hatte. Genau dieser Zweitpass könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Bereits in der Vergangenheit war im argentinischen Fußball über den schwunghaften Handel mit italienischen Pässen berichtet worden, doch bis auf eine Handvoll Verhaftungen gab es keine ernsthaften Konsequenzen.

          Bundesrichter Norberto Oyarbide beantragte laut argentinischen Medienberichten nun die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen Placente. Insgesamt, so melden argentinische Medien, sollen mehr als 400 Transfers von argentinischen Profis in den vergangenen Jahren untersucht werden.

          Vielschichtige Vorwürfe

          Die meisten sind noch aktiv: Placente ist im Alter von 35 Jahren inzwischen an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Er trägt das Trikot seines ersten Profiklubs Argentinos Juniors, dem Verein, bei dem einst auch Diego Maradona seine Karriere begann. Es besteht der Anfangsverdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Dokumentenfälschung während ihrer Zeit in Europa, berichtet die argentinische Tageszeitung „La Nación“.

          Die Vorwürfe, die im Raum stehen, sind vielschichtig. Hintergrund sind die spanischen und italienischen Pässe, die die Steuer- und Justizbehörden Argentiniens anzweifeln. Die Pässe wurden gefälscht, damit die Spieler leichter nach Europa wechseln konnten und somit als EU-Ausländer keinen Ausländerplatz in den neuen Mannschaften belegten.

          Massiv Geldwäsche

          Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, dürften die Transfers der betroffenen Profis strafrechtliche Konsequenten nach sich ziehen. Doch nicht nur die Pässe interessieren die Ermittler. So berichtet „La Nación“, bei den Transfers sei auch massiv Geldwäsche betrieben worden.

          Vor allem das südamerikanische Länderdreieck Chile, Uruguay, Argentinien hätten die Spielerberater als Verschiebebahnhof von Profis betrachtet, um mit Hilfe von Millionentransfers Geld aus illegalen Quellen reinzuwaschen. Der Fall Placente ist nur einer von vielen, der das Interesse der argentinischen Behörden nach sich zieht. Insgesamt 146 Spielerberater sind derzeit gesperrt, weil sie unter Verdacht stehen.

          Spielte eins in der Bundesliga und für Celta de Vigo: Diego Placente (Mitte) Bilderstrecke

          Die Tageszeitung „Crónica“ will erfahren haben, dass sich der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Joseph Blatter, besorgt beim Chef des argentinischen Verbandes (Afa) telefonisch über den Stand der Ermittlungen erkundigt hat. Afa-Präsident Julio Grondona, durch viele Skandale gestählt, reagierte gelassen wie immer: Er sei zufrieden, dass die Untersuchungen endlich begonnen hätten. Ein eigenes Interesse an einer Aufklärung des täglich größer werdenden Skandals hat Grondona offenbar nicht - obwohl das Geschäftsgebaren der argentinischen Profiklubs eigentlich in den Verantwortungsbereich der Afa fällt.

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