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Fußball in Argentinien : Eine unheilvolle Allianz

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Maradonas Berufung war eher eine Verzweiflungstat

Und nun hat auch noch die Nationalmannschaft bei den bisherigen Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Südafrika mehr oder weniger versagt. Die Elf leidet vor allem darunter, dass die Creme der besten in alle Welt verstreuten argentinischen Spieler von sehr weit her anreisen muss, ein paar Tage trainiert und dann wieder entschwindet. Auf diese Weise kann kein Mannschaftsgeist aufkommen.

Dass Diego Maradona zum Trainer der Mannschaft berufen wurde, war eher eine Verzweiflungstat. Man glaubte, er werde als Symbolfigur die Integration der Spieler zu einem Team zuwege bringen, im Grunde waren aber alle Verantwortlichen im argentinischen Fußball davon überzeugt, dass Maradona ganz einfach die Fähigkeit abgeht, eine Mannschaft aufzubauen und ein plausibles Spiel zu organisieren. Allerdings hatte ihn eigentlich auch niemand gerufen, er hatte sich selbst immer wieder angedient.

Das entscheidende Spiel findet in Uruguay statt

Statt Maradona zu stützen, hat Grondona ihn gedemütigt und wie einen Schuljungen behandelt. Wie manche Kenner der Szene mutmaßen, will er den Quälgeist möglicherweise auf diese Weise loswerden. Grondona hat Maradona den Wunsch, einen bestimmten Assistenztrainer zu engagieren, einfach abgeschlagen, weil ihm vorgeblich dessen „Gesicht nicht gefällt“. Und er hat ihm mit dem früheren Trainer Carlos Bilardo einen „Sportdirektor“ vor die Nase gesetzt.

Maradona wirkte beim Training zuletzt merkwürdig apathisch. Selbst bei den ersten drei Qualifikationsspielen zuvor, bei denen die Mannschaft glorios durchfiel, war er nicht fähig, taktische Anweisungen zu erteilen. Später dachte er laut darüber nach, nach den Qualifikationsspielen den Kram hinzuschmeißen, wenn er nicht zu „seinen Bedingungen“ weitermachen kann. Dann kam der Sieg gegen Peru in letzter Minute. Nun hängt aller ab von der Partie an diesem Donnerstag (00.00 Uhr / MESZ) beim Erzrivalen in Uruguay.

Eine WM-Qualifikation wäre eher eine Glückssache

Allerdings steigt auch die Nervosität bei den Mächtigen des argentinischen Fußballs, in deren Kalkül die Möglichkeit überhaupt nicht auftaucht, dass Argentinien die Teilnahme an der Weltmeisterschaft verwehrt bleiben könnte. In den Werbekampagnen der Sponsoren, die auch viel Geld in die klamme Kasse bringen sollen, sind die Nationalspieler die Hauptwerbeträger. Unter ihnen ist Messi der Superstar, weil er die „Leitwährung“ für künftig vielleicht wieder üppigere Transferzahlungen ist.

Bei seinem Verein in Barcelona spielt Messi wie ein junger Gott. In der argentinischen Nationalmannschaft tritt er jedoch kaum in Erscheinung. Mit seinem schnellen Spiel kommen die anderen nicht zurecht. Außerdem fehlt es an guten Mittelfeldspielern. Das Aufgebot der argentinischen Nationalspieler ist derzeit alles andere als eine Starmannschaft. Wenn die Elf sich für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifizieren sollte, wäre das eher Glückssache denn ein Ergebnis zielstrebiger Trainings- und Teamarbeit.

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