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Fußball im Fernsehen : Tut mir leid, hier führt gar keiner

  • -Aktualisiert am

Pokalszene - eine von vielen Bild: dpa/dpaweb

Drunter, drüber, und Waldemar Hartmann trägt jetzt einen Schnäuzer: Der DFB-Pokalabend in der ARD - eine Konferenzschaltung als Roulettespiel.

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          Am Ende überschlugen sich die Ereignisse. "Tor in Gladbach", brachte sich Reporter Steffen Simon mit seiner Eilmeldung vom Bökelberg ins Spiel. Aber die Live-Bilder mit dem Live-Tor kamen gerade aus dem Playmobilstadion in Fürth. Der Treffer zum 2:2 in Mönchengladbach wurde nachgereicht. Die Konferenzschaltung der ARD vom Viertelfinale um den DFB-Pokal geriet bisweilen zum Hörspiel dreier konkurrierender Schauplätze: Bühne samt Kulisse und Akustik plus Kameraführung vom Bökelberg kamen erstklassig rüber. In Fürth konnte passieren, was wollte - die Bilder von dort erinnerten an montägliche Zweitligaübertragungen des DSF. Und Hoffenheim? Nun ja, die Mannschaft dort und die Arena haben Regionalligaformat. "Tut mir leid, hier führt gar keiner", meldete sich ein leicht frustrierter Andreas Witte, als die Kollegen Simon wie Gerd Rubenbauer woanders längst schon Torerfolge vorweisen konnten.

          Die Regie hatte der Partie Greuther Fürth gegen den Bundesliga-Tabellenführer Werder Bremen Priorität einräumen wollen und profitierte vom Glück, bei vier von fünf Treffern in Fürth live dabeigewesen zu sein. Von allen zehn Treffern in der regulären Spielzeit von neunzig Minuten wurden immerhin fünf live eingefangen. Eine annehmbare Quote für das Roulettespiel Konferenzschaltung. Weil "im Pokal ja alles möglich ist" (ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf), sollte es am Dienstag "auch dieser besondere Service für unsere Zuschauer sein". Der brachte es mit sich, anders als sonst, nicht auf die Zusammenfassungen der restlichen Spiele nach der Direktübertragung warten zu müssen. Es wurde ja auch so noch spät genug, weil es die Verlängerung samt Elfmeterschießen am Bökelberg gab. Da hatte Simon, der Leiter der Bundesliga-Redaktion, also der Chef, das Feld längst für sich.

          „Einmaliger Testlauf“

          Er hat das Ganze zum "einmaligen Testlauf" erklärt. Die nächste Konferenzschaltung vom Fußball kann es frühestens vom neuen Jahrgang des DFB-Pokals geben, denn für die Bundesliga besitzt der Bezahlsender Premiere die Live-Rechte. Und bei der Europameisterschafts-Endrunde im Sommer, bei der die letzten Gruppenspiele der Vorrunde gleichzeitig ausgetragen werden, verbietet die Europäische Fußball-Union eine parallele Live-Austrahlung.

          "Das Reizvolle ist, daß man immer auf drei Plätzen gleichzeitig ist. Man verpaßt also nichts. Da, wo es brennt, ist auch der Zuschauer", hat Simon zuvor behauptet. Wunschdenken. Die Gelb-Rote Karte für den Bremer Davala etwa gab es mit zeitlicher Verzögerung. Und als es im Werder-Strafraum drunter und drüber ging, forderte der Torschrei in Mönchengladbach seinen Tribut. Weg aus Fürth, hin in den Westen.

          Gleichzeitig auf drei Plätzen zu sein war dem Auge des Regisseurs im Schaltraum vergönnt, nicht dem Zuschauer. Es waren bisweilen harte Schnitte für den Kunden. Hier der temperamentvolle Simon, dort Rubenbauer, der am Spielfeldrand nie den Esprit entwickelt, der ihn im Schnee erfaßt, dazu der sachliche Witte, dem die Kollegen wie die Matchwinner vorgekommen sein müssen. Er hatte nur ein Törchen vorzuweisen, "Rubi" fünf, und Simon brachte es samt Zugabe im Elfmeterschießen auf eine zweistellige Ziffer.

          Soll sich der Deutsche Fußball-Bund samt ARD auf ein Revival der Konferenzschaltung einlassen? Bitte schön, als gelegentliche Abwechslung vom Einerlei bisweilen langatmiger Pokalabende. Die Konferenzschaltung birgt das Risiko in sich, stets am falschen Platz zu sein. Genausogut können sich die öffentlich-rechtlichen Entscheidungsträger mit der Wahl von einem unter mehreren Pokalpartien für die Live-Übertragung vertun. Für den Mittwoch hatte sich das ZDF für Alemannia Aachen gegen Bayern München entschieden. Da hat der bayerisch anmutende Franke Waldemar Hartmann Sendepause.

          Tags zuvor verriet er der Zuschauergemeinde bei der Konferenzschaltungspremiere seine bevorzugte Teemischung: "Ich halte mich an Hopfenblütentee." Eine Anspielung auf den Sponsor der Spvgg Fürth, der seine Geschäfte mit diversen Geschmacksrichtungen dieses Getränks macht. Die eigentliche Pokalüberraschung servierte "Waldi" bereits vor dem Anpfiff in Fürth, Gladbach und Hoffenheim: Er trägt jetzt Schnäuzer, eine Miniausgabe der Mannestracht, die Hartmann einst zierte. Der Pokal hat bekanntlich seine Eigenheiten.

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