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Fußball im Exil : Die Georgier kurzzeitig glücklich machen

Georgiens Nationaltrainer Héctor Cúper und die Nationalflagge Bild: AP

Wegen des Kaukasus-Konflikts muss Georgien sein Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 auf neutralem Boden austragen. Trainer Héctor Cúper und die Spieler vermeiden es, aus dem Spiel im Vorfeld eine politische Demonstration zu machen.

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          Es ist Héctor Cúper nicht zu verübeln, dass er sich aus politischen Dingen heraushält. Der Argentinier hat Anfang August, nur eine Woche vor Ausbruch des Kriegs zwischen Georgien und Russland um die abtrünnige Region Südossetien, einen Vertrag als Nationaltrainer Georgiens unterschrieben.

          Sein Ziel ist die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, politische Demonstrationen im Umfeld eines Fußballspiels gehören klugerweise nicht zu Cúpers Vorlieben. Also hält er sich auch in Mainz zurück, wo seine Mannschaft am Samstag das von der Fifa wegen Sicherheitsbedenken auf neutralen Boden verlegte Heimspiel in der WM-Qualifikation gegen Irland austrägt. „Es ist ein interessanter Aspekt, dass wir nicht in Tiflis mit der Unterstützung unserer Anhänger spielen dürfen“, sagt Cúper. „Wir wollen dennoch die Georgier, die viel gelitten haben in den vergangenen Wochen, für ein paar Stunden glücklich machen.“

          Cúper sucht trotz Krise festen Wohnsitz in Tiflis

          Das vermutlich deutlichste Statement hat der 52 Jahre alte Fußballlehrer, der 2000 und 2001 zwei Mal in Folge mit dem FC Valencia erst im Finale am Gewinn der Champions League scheiterte und anschließend unter anderem Inter Mailand und den AC Parma trainierte, wohl schon dadurch abgelegt, dass er sein Amt nicht mit Ausbruch der militärischen Auseinandersetzungen niederlegte. Stattdessen führte er sein Team vor zwei Wochen zum 2:1-Testspielsieg in Wales.

          Vor zwei Wochen feierten die Georgier um Torwart Giorgi Loria einen 2:1-Sieg in Wales

          Zudem sucht er trotz der jüngsten Eskalation des Konflikts anders als sein deutscher Vorgänger Klaus Toppmöller während dessen Amtszeit sogar einen Wohnsitz in Tiflis. Dass das Spiel auf Antrag des irischen Fußballverbands im Exil stattfindet, will Cúper indes nicht weiter bewerten. Ebenso schweigt der Argentinier vorsichtshalber, wenn er darauf angesprochen wird, dass viele Georgier das Begehren der Iren als Unsportlichkeit empfinden.

          Deutlich brisanter: U21-Teams von Russland und Georgien spielen gegeneinander

          Die Partie gegen die von Giovanni Trapattoni betreuten Iren ist unterdessen die an sich deutlich weniger brisante Begegnung des georgischen Fußballwochenendes. Am Freitag standen sich bereits die U21-Mannschaften der beiden Kriegsgegner ebenfalls auf neutralem Boden im weißrussischen Minsk im Rahmen der EM-Qualifikation gegenüber . Die Russen siegten 4:0.

          „Ich habe natürlich gehofft, dass unsere U21-Mannschaft dort gewinnt“, sagt der seit mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland tätige Offensivspieler Alexander Iaschwili, der neben den Schalkern Lewan Kobiaschwili und Lewan Kenia sowie Mate Gvinianidse von 1860 München zum Quartett der Deutschland-Legionäre im georgischen Team zählt. „Aber vor allem soll ein Fußballspiel immer ein Fußballspiel sein und kein Ersatzkrieg.“

          Georgier wollten in Tiflis spielen

          Die Auswirkungen der Krise in der Heimat auf das eigene Team halten sich nach Worten des spielstarken Wirbelwinds in Grenzen. Von den 15 noch in Georgien spielenden Akteuren des 26-Mann-Kaders sind nach Angaben von Trainer Cúper lediglich drei Spieler wegen Reiseschwierigkeiten im westlichen Georgien zu spät im Mannschaftsquartier in Mainz angekommen.

          Nach Ansicht der Georgier hätte das Spiel sowieso ohne Schwierigkeiten in Tiflis durchgeführt werden können. Auf die Hauptstadt des Landes habe der Krieg keine Auswirkungen gehabt. „Die Iren haben aber wohl auf den Vorteil gehofft, dass sie nicht in Tiflis gegen 80 000 Georgier spielen müssen, sondern hier in Mainz vor eigenen Fans“, sagt Lewan Kobiaschwili, der sein Geld seit geraumer Zeit bei Schalke 04 verdient. „Vielleicht halten ja aber neben ein paar Georgiern wenigstens die Zuschauer zu uns.“

          Immerhin trügen Mainz 05 und Georgien ja schon mal die gleiche Farbkombination Rot und Weiß auf der Brust. Im Stadion werden freilich die sangesstarken und zu Tausenden mit Billigfliegern von der „Grünen Insel“ anreisenden Iren das zarte „Sakartwelo“, wie die Georgier ihre Heimat nennen, deutlich übertrumpfen. „Die Iren haben wohl bessere Chancen gesehen, uns hier zu besiegen“, sagt Lewan Kobiaschwili lapidar. „Da Deutschland aber die zweite Heimat von mir ist, werden wir uns hier gut verkaufen.“

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