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Fußball : HSV feiert seine Wiedergeburt

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Europa, wir kommen: Nigel de Jong Bild: REUTERS

Stolz und Glück nach Schock und Schrecken - die Gefühle der Hamburger Spieler schlugen Purzelbäume nach der Qualifikation für die Champions League. Abwehrspieler Joris Mathijssen wechselt aus Alkmaar an die Elbe.

          Um zehn vor eins Mittwoch früh brach das komplette Team vom Hamburger SV in die Nacht von Pamplona auf und ließ es anschließend in einer Disco richtig krachen. Die Helden waren gar nicht müde, sondern in ausgelassener Feierlaune. Die Champions League war nach dem hart erkämpften 1:1 bei CA Osasuna erreicht, und Trainer Thomas Doll hatte Ausgang gegeben. „Er hat uns gesagt, er will in dieser Nacht keinen Spieler im Hotel sehen“, berichtete Raphael Wicky. Die Fiesta konnte beginnen.

          Stolz und Glück nach Schock und Schrecken - die Gefühle der Hamburger schlugen Purzelbäume in dieser spanischen Nacht. Am Ende aber stand der Einzug in die Königsklasse, Nigel de Jongs Treffer in der 74. Minute reichte nach dem 0:0 aus dem Hinspiel.

          Freude auf „die Besten der Welt“

          Nach sechs Jahren hat sich der Verein in der Beletage des europäischen Fußballs zurückgemeldet, kassiert garantierte acht Millionen Euro Einnahme, liegt am Donnerstag (18 Uhr) bei der Auslosung in Monaco mit im Lostopf und kann sich auf Gegner wie FC Barcelona freuen, Real Madrid oder FC Chelsea freuen. „Von mir aus können wir eine Hammergruppe kriegen“, sagte Bastian Reinhardt, „es ist das Größte, sich mit den Besten der Welt zu messen.“

          Den Ball gibt er nicht mehr her: Nigel de Jong (re.)

          Der Erfolg von Pamplona soll der Wendepunkt nach einem weitgehend mißglückten Saisonstart werden. Nur zwei Punkte in der Bundesliga, die Diskussionen um Spielerverkäufe, ein Team, in dem noch nicht der Spirit des Vorjahres herrschte, all diese Hypotheken hatte die Mannschaft mit nach Pamplona getragen. Doch mit einem überragenden Erfolgserlebnis kehrte sie Mittwoch mittag in die Hansestadt zurück. „Wir haben hier einen Anker gesetzt. Daran können wir uns die ganze Saison erinnern“, sagte Doll: „Wir wissen, daß wir uns auf diese Mannschaft verlassen können.“

          Ein Wendepunkt?

          Der Vergleich zum UI-Cup-Finale in Valencia vor einem Jahr liegt auf der Hand. „Das hat uns extrem zusammengeschweißt“, sagte Wicky, „das kann jetzt auch passieren.“ Für den überragenden Nigel de Jong war es die „Geburtsstunde“ des Teams. Auch er scheint nach einem Dreivierteljahr endlich in Hamburg angekommen, lieferte sein bestes Spiel im HSV-Trikot und untermauerte seinen Anspruch auf die Position im defensiven Mittelfeld: „Dieser Erfolg war wichtig für die Mannschaft, aber auch für mich.“

          Dabei war de Jong am frühen 0:1 durch Javier Cuellar (6.) beteiligt. Der Niederländer hatte vergessen, bei einem Eckball am „langen“ Pfosten zu stehen. Torwart Sascha Kirschstein ließ sich zu früh fallen und sah bei dem Aufsetzer ebenfalls ganz schlecht aus, und Vincent Kompany verletzte sich bei dem verlorenen Kopfballduell wieder an den Adduktoren und mußte schon nach elf Minuten wieder ausgetauscht werden. „Es war ein großes Risiko, ihn zu bringen, dafür sind wir hart bestraft worden“, sagte Doll: „Es ist viel gegen uns gelaufen in der Anfangsphase.“

          Holländer Mathijssen kommt

          Kompany fällt nach der abermaligen Verletzung wieder aus, einen Spieler aber hat Doll dazu gewonnen: Collin Benjamin. Der Namibier wurde für Kompany eingewechselt und zeigte auf der linken Seite in der Viererkette eine herausragende Leistung. Über ein Jahr konnte er wegen einer schweren Knieverletzung nicht spielen, sein Vertrag wurde im Winter gar aufgelöst, um Platz für Ailton zu schaffen. „Ich hatte ein Scheißjahr, aber das ist jetzt der schönste Tag in meinem Fußballerleben“, meinte der 28jährige.

          In der Innenverteidigung aber bleiben die Probleme. Nur Reinhardt steht durch die Bundesligasperre für Guy Demel zurzeit zur Verfügung. Noch am Mittwoch wurde der Transfer des niederländischen Abwehrspielers Joris Mathijssen vom Ehrendivisionär AZ Alkmaar für sechs Millionen Euro Ablöse perfekt gemacht.

          Der 26 Jahre alte Defensivspezialist soll die Lücke ausfüllen, die Mathijssens Landsmann Khalid Boulahrouz durch seinen Wechsel zum englischen Meister FC Chelsea hinterlassen hat. Der zwölfmalige niederländische Nationalspieler Mathijssen soll einen Vierjahresvertrag beim HSV erhalten. Für Boulahrouz hatten die Hanseaten 13 Millionen Euro Ablöse erhalten. Gegen Hertha BSC am Sonntag soll er bereits spielen.

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