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Fußball-Glosse : Achtung, Kostenfalle

  • -Aktualisiert am

Verdient gerade einmal rund 16 Millionen Euro im Jahr: Lionel Messi Bild: dpa

Die besten Spieler müssen auch die bestbezahlten sein? Die Debatte in Barcelona um das Gehalt von Lionel Messi könnte auch ein Angriff auf die Finanzen des FC Bayern sein.

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          Kann es sein, dass eine Kostenlawine auf den FC Bayern zurollt, und keiner merkt es? Weil beim FC Barcelona gerade ein Diskurs über angemessene Bezahlung in Gang ist, sagte der Vizepräsident der Katalanen, Josep Maria Bartomeu, dem Fernsehsender TV3, so als wär’s nur sein Problem: „Der beste Fußballer der Welt muss auch der bestbezahlte sein. Das ist für uns völlig klar.“ Dieses Plädoyer für Großzügigkeit betrifft vordergründig den argentinischen Dribbelgenius Lionel Messi, der offenbar eine bessere Bezahlung begehrt. Wenn in diesem Jahr aber nicht er und auch nicht Cristiano Ronaldo von Real Madrid zum „Weltfußballer des Jahres“ gewählt werden, sondern der ebenfalls nominierte Bayern-Spieler Franck Ribéry, dann wäre Bartomeus Einlassung ganz anders zu verstehen: als perfider Angriff auf die übermächtigen Münchner, die er in eine Kostenfalle locken will. Denn wenn der beste Spieler automatisch der teuerste ist, dann müsste ja auch der Kader des besten Klubs insgesamt am kostspieligsten sein. Es würde also – fünf Titel in diesem Jahr lassen grüßen – noch teurer für die Münchner werden, als es ohnehin schon ist, wollen sie hinter den internationalen Standard, wie ihn die Katalanen ausgegeben haben, nicht zurückfallen. Und das verbietet ja schon das Ehrgefühl.

          Die Messi-Debatte in Barcelona ermöglicht einen flüchtigen Blick auf die Bedeutung der Kontoauszüge unter den Besten ihres Fachs. Der für die Finanzen zuständige Barça-Vizepräsident Javier Faus hatte sich kürzlich gegen eine Gehaltsanhebung ausgesprochen, und seine Worte klangen für glühende Messi-Anhänger wohl wie eine Majestätsbeleidigung. Und für den Spieler auch. „Messis Vertrag wurde erst kürzlich erneuert. Wir müssen ihn nicht alle sechs Monate aufbessern“, hatte Faus gesagt. Und musste sich vom Argentinier umgehend anhören, er habe „von Fußball keine Ahnung“. Von Finanzen vermutlich umso mehr.

          Das Gezerre ums Gehalt ist Teil des unterhaltsamen Duells, das sich Messi und Cristiano Ronaldo seit langem liefern und in dem es um die Frage geht: Wer ist der Beste? Das ließe sich über die Wahl zum Weltfußballer des Jahres definieren, die Messi zuletzt viermal nacheinander gewonnen hat, was Ronaldo gar nicht gefiel. Deshalb lieferte er sich mit dem Fifa-Präsidenten und Messi-Protegé Sepp Blatter unlängst einen hitzigen Schlagabtausch. Auch dass Messi mit seinem Verein zuletzt mehr Titel geholt hat, schmerzte. Dafür liegt Ronaldo offenbar in einer Kategorie vorne, die neben dem Gewinn von Pokalen als bedeutendste gilt: dem Jahresgehalt. Ob das den Messi-Clan in die Offensive gelockt hat, eine vorweihnachtliche Bescherung einzufordern, ist ungewiss. Sicher ist dagegen, was für die Bayern gilt: Von solchen Neid- und Gehaltsdebatten verschont zu bleiben, ist unbezahlbar.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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