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Gheorghe Popescu im Interview : „Kann mir Rangnick als Bundestrainer vorstellen“

  • -Aktualisiert am

Für viele ein Kandidat für die Nachfolge von Joachim Löw: Ralf Rangnick Bild: Picture-Alliance

Der frühere rumänische Nationalspieler Gheorghe Popescu spricht über die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft, die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Qatar und den DFB.

          3 Min.

          Als Fußballprofi spielte Gheorghe Popescu unter anderem für den FC Barcelona, Hannover 96 und die rumänische Nationalmannschaft. Vor sieben Jahren wurde er wegen Geldwäsche bei Transferabwicklungen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Heute berät Popescu, 53 Jahre alt, die rumänische Regierung mit Blick auf die vier EM-Spiele, die im Sommer in Bukarest ausgetragen werden sollen.

          Herr Popescu, Sie hatten letztes Jahr auch mit einer Covid-Infektion zu kämpfen. Wie geht es Ihnen jetzt?

          Es geht mir wieder gut. Ich war im September für zehn Tage im Krankenhaus mit einem mittelschweren Krankheitsverlauf. Und das, obwohl ich sehr umsichtig war und mich an die Hygienevorschriften penibel gehalten habe. Insofern kann ich jedem nur raten, in diesen schwierigen Zeiten eine Maske zu tragen, Hände zu desinfizieren und Menschenansammlungen zu meiden. Die neuen Mutanten des Virus führen uns vor Augen, wie gefährlich und ansteckend sie sind.

          Sie beraten die rumänische Regierung in puncto Vorbereitung auf die Ausrichtung der vier Spiele in Bukarest. Trotz der ungewissen epidemischen Konstellation hält die Uefa an ihrem Plan fest, das EM-Turnier in zwölf Städten auszutragen. Teilen Sie diese Zuversicht?

          Wir wissen noch nicht definitiv, ob der EM-Ball in jedem der zwölf Städte rollen wird. Das rumänische Organisationskomitee hat seinerseits vorgeschlagen, dass in der Nationalarena von Bukarest 25 Prozent der Kapazität (12.500 Plätze; d. Red.) besetzt werden sollen. Das ist immerhin ein Ansatz. Rumänien hat viel unternommen und enorme Investitionen getätigt, um diese vier zugesagten Partien auszutragen.

          Ein Star in der großen Zeit des rumänischen Fußballs: Gheorghe Popescu
          Ein Star in der großen Zeit des rumänischen Fußballs: Gheorghe Popescu : Bild: Picture-Alliance

          Ist es nicht eine Ironie des Schicksals, dass gerade bei diesem „Heimturnier“ ausgerechnet der Gastgeber fehlen wird?

          Es stimmt mich sehr traurig, dass bei diesem paneuropäischen Großereignis unsere Nationalmannschaft nur die Zuschauerrolle einnehmen wird. Nun gilt es zumindest gute Gastgeber zu sein.

          Im Januar 2003 sind Sie, nach nur sechs Monaten bei Dinamo Bukarest, zu Hannover 96 gewechselt. Wie kam ein Spieler Ihres Formats auf die Idee, sich einem Bundesligaaufsteiger anzuschließen?

          Zu jenem Zeitpunkt war ich schon 35 Jahre alt, und mein Engagement bei Dinamo Bukarest entpuppte sich als großes Missverständnis, zumal es wegen meiner Vergangenheit beim FC Craiova immer wieder Fanproteste gab, die das Arbeitsklima massiv beeinträchtigt hatten. So war es eine glückliche Fügung, dass mein damaliger Berater Ioan Becali mit dem Sportdirektor von Hannover, Ricardo Moar, das Ganze relativ schnell in trockene Tücher gebracht hat. Ich betrachte meine Zeit in Hannover mit großer Dankbarkeit, weil das Engagement für mich eine Würdigung meiner Karriere symbolisierte.

          Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick, der damals Trainer in Hannover war?

          Rangnick ist ein exzellenter Trainer und ein hervorragender Charakter. Mir hat schon damals seine hohe Fachkompetenz imponiert, zumal ich das bei einem kleinen Klub wie Hannover nicht erwartet habe. Ich kann ihn mir gut als Bundestrainer vorstellen.

          Während das paneuropäische Turnier im Juni seine Premiere erleben wird, hat die Qualifikation auf die kommende WM in Qatar begonnen. Wie schätzen Sie die Chancen des rumänischen Teams, nach mehr als zwanzig Jahren wieder an einem interkontinentalen Turnier teilzunehmen?

          Es wird schwer. Deutschland ist haushoher Favorit auf den Gruppensieg, das ist unumstritten. Wir müssen uns mit Island, Armenien und Nordmazedonien um den zweiten Rang auseinandersetzen. Ich bin gespannt.

          Wie betrachten Sie den deutschen Fußball im Allgemeinen und die Nationalmannschaft speziell?

          Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich der deutsche Fußball, sei es auf Klub-Ebene oder was das Nationalteam betrifft, auf einem sehr hohen Niveau bewegt. Ich nenne Ihnen nur Bayern und ihre phänomenale Ausbeute in der letzten Saison. Es ist immer eine Herausforderung, gegen Deutschland zu spielen. Ich kann mich erinnern, dass wir bei der EM 2000 ein 1:1 erzielten, was im Nachhinein sehr schmeichelhaft für die deutsche Auswahl war. Das war damals allerdings kein so gutes Team, was das Ausscheiden in der Vorrunde auch bestätigt hat

          Ihre Generation um Hagi, Lupescu, Belodedic und Munteanu prägte ein goldenes Zeitalter im rumänischen Fußball. Die Nationalmannschaft hat seit der WM 1998 nicht mehr an einer WM teilgenommen. Was läuft da schief?

          Es ist in der Tat mehr als frustrierend, dass wir im Weltfußball nur eine Randnotiz darstellen. Diese Entwicklung hatte übrigens mein damaliger Teamkollege, Dan Petrescu, im Sommer 1998, kurz nach der WM-Aus in Frankreich, vorhergesagt. Während in der Ceauşescu-Zeit Rumänien über eine hervorragende Nachwuchsarbeit verfügte, ist dies momentan Mangelware. Zudem durfte damals ein Spieler erst mit 27 Jahren das Land verlassen, was für das Niveau der nationalen Liga sehr förderlich gewesen ist.

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