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Beckenbauer äußert sich : „Maradona hatte sein Leben nicht mehr im Griff“

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In zwei WM-Endspielen Maradona als Gegner: Franz Beckerbauer, ehemaliger deutscher Fußball-Nationaltrainer Bild: dpa

Franz Beckenbauer erlebte Diego Maradona als gefährlichen Gegner auf dem Spielfeld. Jetzt spricht die deutsche Fußball-Ikone über den gestorbenen argentinischen Nationalhelden, dessen Todesumstände untersucht werden sollen.

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          Der Tod Diego Maradonas bleibt ein Fall für die Ermittlungsbehörden in seiner argentinischen Heimat. Wie AFP am Freitag berichtete, prüft die Staatsanwaltschaft in Buenos Aires weiterhin mögliche Behandlungsfehler des medizinischen Personals. Es gebe „Unregelmäßigkeiten“, sagte ein Familienmitglied Maradonas der französischen Nachrichtenagentur, „man muss sehen, ob sie so gehandelt haben, wie sie handeln sollten“.

          Eine Quelle aus Justizkreisen wies im Gespräch mit AFP indes darauf hin, dass die Untersuchungen aufgenommen wurden, weil Maradona „zu Hause starb und niemand den Totenschein unterschrieben hat. Das heißt noch nicht, dass es einen Verdacht oder Unregelmäßigkeiten gab.“

          Untersuchung gefordert

          Maradona war am Mittwoch gestorben, offiziell führte ein krankhaft erweiterter Herzmuskel neben einem Lungen-Ödem zum Herzstillstand. Maradonas Anwalt Matias Morla forderte zuletzt bereits eine Untersuchung „bis zur letzten Konsequenz. Diego hat mir immer gesagt: Du bist mein Soldat, handle ohne Erbarmen“, sagte er.

          Vor allem sei fraglich, warum die eigens verpflichtete Rund-um-die-Uhr-Pflege nicht funktioniert habe. Auch solle untersucht werden, warum die Notärzte angeblich mehr als eine halbe Stunde benötigten, um das Haus der Fußball-Ikone zu erreichen.

          Franz Beckenbauer derweil sprach mit Hochachtung und dennoch kritisch über Maradona. „Er war immer nett, immer freundlich, wenn wir uns sahen. Ich mochte ihn. Er war ein Genie, das sein Leben in den letzten Jahren offensichtlich nicht mehr im Griff hatte. Das war ja nicht zu übersehen“, sagte der frühere Weltmeister und Weltmeister-Trainer im Interview der „Bild“.

          „Sie haben das ganze Leben lang an ihm herumgezerrt. Das können wir uns in Deutschland gar nicht vorstellen. Was sie mit ihm gemacht haben, war mehr als Begeisterung, das war schon Hysterie. In Argentinien genauso wie in Neapel“, benennt Beckenbauer (75) einige der Probleme des argentinischen Fußball-Idols.

          Zu seinen persönlichen Begegnungen als deutscher Teamchef mit Maradona sagte Beckenbauer: „Zwei WM-Endspiele gegen Argentinien, zweimal war Diego mein größtes Problem. 1986 in Mexiko war er auf dem Höhepunkt und eigentlich nicht zu halten. Ich habe es nur Lothar Matthäus zugetraut, der musste ihn in Manndeckung nehmen. Von Diego war nicht so viel zu sehen wie sonst. Aber Lothar fehlte uns in der Offensive.“

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