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Klopp, Mourinho und Co. : Die wahren Entertainer des Fußballs

Mittendrin statt nur dabei: Jürgen Klopp ist in Liverpool schnell angekommen. Bild: AP

Die wenigen „Supertrainer“ wie Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder José Mourinho sorgen für großes Theater im Fußball. Dabei ist ihre Stellenbeschreibung ganz simpel: Sie ist fast wie die von 007.

          José Mourinho hat dem Fußball geliefert, was jeder James-Bond-Film braucht – einen genialen Bösewicht. In England führte er früher Nervenkrieg mit Rafael Benítez, in Spanien mit Pep Guardiola. Seit der Rückkehr zu Chelsea vor zwei Jahren aber fand Mourinho keinen Gegner seiner Gewichtsklasse mehr, keinen, der ihn zu Hochform anstacheln könnte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Beim stärksten Konkurrenten in der Premier League, Manchester City, arbeitet der blasse Manuel Pellegrini, ein exzellenter Fachmann, aber einer ohne die Statur für den ganz großen Wurf. Einer, der von Großklubs gern genommen wird, wenn gerade kein Großtrainer auf dem Markt ist – und der den Laden dann besenrein an einen Berühmteren übergeben soll, wie 2010 bei Real Madrid an Mourinho, wie 2016, wenn es nach den Scheichs aus Abu Dhabi geht, in Manchester an Pep Guardiola. Das wäre dann endlich ein Gegner nach Mourinhos Geschmack – wenn er dann selbst noch da ist.

          Denn am vergangenen Samstag hat schon mal Jürgen Klopp vorbeigeschaut, und die Sache ist für Mourinho, wie schon im Champions-League-Halbfinale 2013, als er mit Real nach Dortmund kam, nicht gut ausgegangen. Das Duell des „Special One“, im Anzug, mit dem „Normal One“, im Trainingsanzug, könnte später einmal als die Wegkreuzung zweier Trainerkarrieren betrachtet werden.

          Nach früher Chelsea-Führung durch Ramires wendete Liverpool das Spiel durch zwei Tore des Brasilianers Coutinho. Und als Christian Benteke kurz vor Schluss den 1:3-Endstand erzielte, hüpfte Klopp, seinen ersten Sieg in der Premier League feiernd, wie ein Rumpelstilzchen die Linie entlang. Mourinho dagegen, nach nun sechs Niederlagen in elf Ligaspielen, sah für den Reporter des englischen Pay-TV-Senders „BT Sport“ in diesem Moment „aus wie ein alter Mann“.

          Auch an der Linie zeigt Klopp Emotionen – mal mehr, mal weniger, wie auf diesem Bild.

          Großes Theater! Sie sind zunehmend die eigentlichen Entertainer des Fußballs geworden, die Trainer. Jedenfalls jene Handvoll von „Supertrainern“, die die Zeitschrift „11 Freunde“ vor einem Jahr als „Produkt des globalisierten Multi-Milliarden-Fußballs“ beschrieb. Der „bizarre Kult um die Übermenschen auf der Trainerbank“ sei das „fußballerische Gegenstück zum Kult um die Supermanager der Weltwirtschaft“, wobei als Beispiel ausgerechnet ein gewisser Martin Winterkorn herhalten musste.

          So schnell wie der VW-Chef aber wird nicht einmal Mourinho vom Olymp fallen. Sollte ihn Klub-Besitzer Roman Abramowitsch zum zweiten Mal nach 2007 entlassen, dürfte sich die nächste Job-Chance bald ergeben. Denn Männer mit solchen Fähigkeiten bleiben gesucht.

          Trainer, der wahren Expressionisten des Fußballs

          Die Stellenbeschreibung eines Trainers bei einem der acht bis zehn großen Fußballklubs der Welt ist ganz simpel. Sie ist fast wie die von 007: Sie müssen eigentlich alles können. Sie müssen mit den Milliardären klarkommen, denen die Klubs gehören, mit den Millionären, die für sie spielen, und mit den Kleinverdienern, die Tickets und Trikots kaufen. Und nebenbei der hungrigen Nachrichtenmaschine rund um den Fußball täglich neuen Stoff liefern.

          Auch Pep Guardiola vom FC Bayern spielt in der Champions League der Trainer ganz vorne mit.

          Selbst am Spieltag, wenn eigentlich die Fußballer im Mittelpunkt stehen, findet ein großer Teil der Show mittlerweile in der weiß geränderten „Coaching Zone“ jenseits der Außenlinie statt. Sie ist die Bühne der wahren Expressionisten des Fußballs. Ihnen reichen winzige mimische Details, um sie auszufüllen. Klopps bleckende Zähne. Mourinhos verächtliche Mundwinkel. Guardiolas aufgerissene Augen. Ancelottis zuckende Augenbraue.

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