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Fußball in England : Premier League trotz Pandemie im Kaufrausch

  • -Aktualisiert am

Wieder in England: Romelu Lukak kehrt zum FC Chelsea zurück. Bild: Reuters

Die englischen Champions-League-Teilnehmer verpflichten einen Starspieler nach dem nächsten. Nun schnappt sich der FC Chelsea Romelu Lukaku. Und das dürfte noch lange nicht das Ende gewesen sein.

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          Es wirkte wie eine geniale Idee, so als hätte er im entscheidenden Moment aus einem Bauchgefühl heraus alles auf eine Karte gesetzt. Am Mittwochabend wechselte Chelseas Trainer Thomas Tuchel im Finale des UEFA Super Cups gegen den FC Villarreal kurz vor dem Ende der Verlängerung Ersatztorwart Kepa Arrizabalaga ein, obwohl Stammtorwart Édouard Mendy bis dahin ein gutes Spiel gezeigt hatte. Die Partie ging wie erwartet ins Elfmeterschießen, Kepa wehrte zwei Schüsse ab, und Chelsea war der Sieger.

          Wissen war nie wertvoller

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          „Das war nicht spontan“, sagte Tuchel anschließend. Kepa halte prozentual mehr Elfmeter als Mendy, also sei dessen Einwechslung folgerichtig gewesen: „Die Analysten und Torwarttrainer haben mir die Daten gezeigt.“ Tuchel, der Technokrat – einmal mehr machte er seinem Ruf alle Ehre. In England gehört zum Ruf des früheren Trainers von Mainz 05, Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain aber auch, dass er mit seinen Entscheidungen meistens richtigliegt. Der ehemalige Nationalspieler Rio Ferdinand betonte, wie schwer es Kepa in den vergangenen Monaten hatte, nachdem er seinen Stammplatz an Mendy abgeben musste, weshalb Tuchels Schachzug vor dem Elfmeterschießen durchaus riskant gewesen sei: „Offensichtlich wusste er etwas, das wir nicht wussten.“

          Mit Chelsea startet Tuchel am Samstag gegen Crystal Palace in seine erste vollständige Saison in England, nachdem er im Januar die Nachfolge von Frank Lampard angetreten hatte und die verunsicherte Mannschaft auf Anhieb stabilisiert hatte. Im Mai besiegten sie im Endspiel der Champions League Manchester City.

          Lukaku kommt zum FC Chelsea

          Jetzt soll er aus Chelsea wieder einen ernst zu nehmenden Kandidaten für den Gewinn der Meisterschaft machen. „Das Spannende an Chelsea ist, dass der Gewinn der Champions League für dieses Team nur der Anfang war“, schrieb der Guardian in einer Saisonvorschau: „Sie haben reichlich Raum, um sich zu verbessern, und man sieht es ihnen nach, dass sie optimistisch in die Zukunft blicken.“ Vor der vergangenen Saison hatte Chelsea fast 250 Millionen Euro für Zugänge ausgegeben – darunter die Deutschen Kai Havertz und Timo Werner. In diesem Sommer hielten sie sich bislang zurück – bis zum Donnerstag. Dann gab der Klub bekannt, dass Stürmer Romelu Lukaku, kolportiert wird eine Ablösesumme von 97,5 Millionen Pfund (115 Millionen Euro), von Inter Mailand nach London wechselt.

          Manchester City ist in der Premier League seit Jahren die dominante Kraft, zuletzt gewannen sie dreimal den Titel – nur unterbrochen vom Triumph des FC Liverpool 2020. Und auch, wenn an diesem Wochenende die neue Saison beginnt, wird City wieder das Maß der Dinge sein, zumal der Klub des früheren Bayern-Trainers Pep Guardiola seinen Herrschaftsanspruch durch die Verpflichtung von Jack Grealish auch auf dem Transfermarkt untermauert hat. Hundert Millionen Pfund Ablöse (118 Millionen Euro) machen Grealish zum teuersten Zugang der Premier-League-Geschichte. Der 25 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler wechselt von Aston Villa zum Meister.

          Und noch immer ist auch die Verpflichtung von Nationalstürmer Harry Kane im Gespräch, der Ikone von Tottenham Hotspur. Brisanterweise treffen die Vereine am Sonntag aufeinander. Den Gewinn der Meisterschaft setzt Klubeigentümer Scheich Mansour aus Abu Dhabi so oder so voraus; was er mehr als das begehrt, ist der Sieg in der Champions League, der City bislang verwehrt blieb. Im Mai standen sie zum ersten Mal im Finale des europäischen Spitzenwettbewerbs, verloren jedoch gegen Chelsea.

          Auch der FC Liverpool wird nach einer schwierigen Saison wieder oben angreifen wollen. Verletzungen wichtiger Spieler trafen die Mannschaft von Jürgen Klopp hart, vor allem das Fehlen des Abwehrchefs Virgil van Dijk, der wegen eines Kreuzbandrisses wohl auch zu Beginn der neuen Saison am Samstag gegen Aufsteiger Norwich City noch nicht wieder voll belastbar sein wird. Zwischenzeitlich rutschte Liverpool bis auf den achten Tabellenplatz ab, wuchtete sich gegen Ende der Saison durch eine Serie von zehn Spielen ohne Niederlage aber noch auf den dritten Tabellenplatz – und damit in die finanziell so wichtige Champions League.

          Bis auf die Verpflichtung des jungen Innenverteidigers Ibrahima Konaté von RB Leipzig für 40 Millionen Euro verhielt sich Liverpool auf dem Transfermarkt bislang ruhig. Da mit Georginio Wijnaldum aber ein Stammspieler den Klub verlassen hat, hoffen die Fans, dass Klopp weitere Zugänge verkündet, bevor das Fenster für Spielerwechsel am 31. August schließt.

          Dagegen hat der Vorjahreszweite, Manchester United, seine wichtigsten Transfers bereits unter Dach und Fach: Rechtsaußen Jadon Sancho ist für 85 Millionen Euro von Borussia Dortmund gekommen; mit Real Madrid ist sich United über einen Wechsel des Abwehrspielers Raphaël Varane einig. Trainer Ole Gunnar Solskjær rechnet mit einer der stärksten Premier-League-Spielzeiten überhaupt: „Meister wird, wer am Ende vor dem Meister des vergangenen Jahres steht.“ Sein Team empfängt am Samstag Leeds United, ein Klassiker des englischen Fußballs, der wie alle anderen Partien vor vollen Rängen im Stadion ausgetragen wird.

          Über Zugänge anderer Art freute sich Thomas Tuchel: Im Sommer ist seine Familie von Paris aus zu ihm nach London gezogen, nachdem er seinen Vertrag nach dem Champions-League-Sieg bis zum Jahr 2024 verlängert hat. Chelsea gilt nicht als einfaches Arbeitsumfeld, schon gar nicht für Trainer, aber Tuchel scheint sich seiner Sache sicher zu sein. Ein Typ für Bauchentscheidungen ist er schließlich nicht.

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