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Bundestrainer nominiert Kader : Löw setzt bei EM auf Müller und Hummels

Wieder dabei: Thomas Müller (l.) und Mats Hummels stehen im Aufgebot für die Nationalmannschaft für die EM. Bild: Picture-Alliance

Thomas Müller und Mats Hummels kehren in die deutsche Nationalmannschaft zurück. Joachim Löw beruft die beiden Profis in sein Aufgebot für die Europameisterschaft. Dazu gibt es weitere interessante Personalien.

          3 Min.

          Nur ganz früher ging es ganz schnell – da wurde der Kader einer deutschen Nationalmannschaft einfach in der Sportschau der ARD oder im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF eingeblendet. Wäre vielleicht gar keine schlechte Idee, das Ganze mal wieder etwas zu erden, aber die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bei der Verkündung des Aufgebots für die Europameisterschaft zumindest eingebremst. Überdimensionale und symbolträchtige Shows wie einst vor der EM 2008 auf der Zugspitze sind gerade nicht möglich, dafür diesmal die oft propagierte Nähe zu den Fans mit einer Einladung für 6500 User im virtuellen Raum, die dann im Chat auch begeistert Fragen stellen durften.

          Fußball-EM
          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Heute wird beim DFB mal ausnahmsweise über Fußball geredet“, sagte Pressesprecher Jens Grittner noch ungewöhnlich selbstironisch, und nach einem Werbefilmchen über die doch so stressige Arbeit des Trainerteams ging es dann auch fast schon los. Die wichtigste Nachricht war dabei seit Tagen, wenn nicht Wochen jedem bekannt, der sich für Fußball interessiert, und nun wurde sie endgültig bestätigt: Thomas Müller und Mats Hummels sind natürlich dabei und kehren in die Nationalmannschaft zurück. „In einigen Spielen hat zuletzt auch die Erfahrung gefehlt“, begründete Löw sein Umdenken.

          Ohne Boateng, Draxler und Brandt

          Und ansonsten? Aus dem Desaster der WM 2018 hat der Trainerstab, der in den vergangenen Monaten noch einmal alles analysiert hat, tatsächlich dann die richtigen Schlüsse gezogen. Man müsse jedes Spiel für sich nehmen, dürfe nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen, sagte Löw. Wer hat das schon vergessen? Das war unter vielen anderen einer der größten Fehler schon in der Planung der am Ende erstaunlich kurzen WM-Reise durch Russland gewesen.

          Diesmal ist es allerdings leichter, von Spiel zu Spiel zu denken: Die EM geht mit dem Spiel gegen Weltmeister Frankreich los, dann folgt die Partie gegen Europameister Portugal – da verbietet sich der frühzeitige Gedanke den dritten Vorrundengegner Ungarn von vornherein.

          Ein paar interessante Personalien hat Joachim Löw bei seiner letzten Aufgabe als Bundestrainer eingebaut, ohne dass sie so große Wellen auslösen werden wie der Verzicht auf Leroy Sané (den der Bundestrainer immer noch beharrlich „Sahne“ ausspricht) vor der WM vor drei Jahren. Der Dortmunder Julian Brandt und der Pariser Julian Draxler sind erwartungsgemäß ebenso nicht dabei wie Jerome Boateng.

          Bezieht Stellung: Joachim Löw bei der Bekanntgabe seines EM-Kaders
          Bezieht Stellung: Joachim Löw bei der Bekanntgabe seines EM-Kaders : Bild: dpa

          Dafür darf der Freiburger Außenverteidiger Christian Günter mitmachen und wird dabei seinen ehemaligen Kollegen Robin Koch (mittlerweile Leeds United) wieder treffen. Und einer kehrt in die Nationalmannschaft zurück, der noch im vergangenen Jahr sagte, dass er damit nicht mehr rechnen würde. Für Kevin Volland hat sich der Wechsel von Bayer Leverkusen zu AS Monaco also gelohnt – nach seinen bislang 16 Saisontoren in Frankreich ist der Stürmer erstmals seit 2016 wieder dabei.

          Den Sprung ins Aufgebot hat auch der 18 Jahre alte Jamal Musiala geschafft, womit man allerdings rechnen durfte, weil sich Löw sehr darum bemüht hatte, dass der Mittelfeldspieler des FC Bayern München sich für Deutschland und nicht für England entscheidet.

          Das musste Florian Wirtz nicht – der ebenfalls 18 Jahre alte Leverkusener ist bei der EM aber nicht dabei. Wegen der Auswirkungen (und auch der Gefahren) der Corona-Pandemie dürfen die Nationaltrainer 26 statt der üblichen 23 Akteure nominieren. Aus dem aktuellen Aufgebot muss derzeit Toni Kroos wegen einer Infizierung mit dem Coronavirus passen.

          Dass der DFB tatsächlich aus dem einen oder anderen Kommunikations-Desaster der Vergangenheit dazugelernt hat, zeigte sich im Fall von Marco Reus, der „nach einer komplizierten, kräftezehrenden Saison“ am Dienstagabend in Rücksprache mit Löw seinen Verzicht auf eine EM-Teilnahme erklärt hatte. „Natürlich hätten wir ihn gerne dabei gehabt“, sagte Löw, ohne ausdrücklich zu betonen, dass er ihn auch nominiert hätte.

          Wichtig, betonte Löw, sei nun die Belastungssteuerung nach einer langen Saison – und im Trainingslager soll nun das Feuer für die EM entfacht werden. Das allerdings ging vor dem letzten Turnier bekanntlich schief. Vielleicht hilft es, dass die Vorbereitungszeit nun ziemlich kurz ist.

          Der Kader der deutschen Nationalmannschaft für die Fußball-Europameisterschaft vom 11. Juni bis 11. Juli:

          Torhüter:  Bernd Leno (FC Arsenal), Manuel Neuer (FC Bayern München), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

          Abwehr: Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Robin Gosens (Atalanta Bergamo), Christian Günter (SC Freiburg), Marcel Halstenberg (RB Leipzig), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Robin Koch (Leeds United), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Niklas Süle (FC Bayern München)

          Mittelfeld: Emre Can (Borussia Dortmund), Leon Goretzka (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (FC Chelsea), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach), Joshua Kimmich (FC Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid), Thomas Müller (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach)

          Angriff: Serge Gnabry (FC Bayern München), Leroy Sané (FC Bayern München), Kevin Volland (AS Monaco), Timo Werner (FC Chelsea)

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