https://www.faz.net/-gtl-7mpbq

Fußball-EM 2016 : DFB-Elf muss nach Gibraltar

Diese Gegner warten auf die Deutschen auf dem Weg zur EM 2016 Bild: dpa

Da sage noch jemand, es gebe im Fußball keine Kleinen mehr. Die DFB-Elf muss auf dem Weg zur EM 2016 in der Qualifikation nach Gibraltar. Viel mehr Sorgen macht Bundestrainer Löw die WM 2014.

          3 Min.

          Die Überschrift der Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag um 12.57 Uhr lautete: „Deutschland klarer Favorit in EM-Qualifikationsgruppe D.“ Sportlich gesehen ist die Eilmeldung allerdings eher eine Nullmeldung. Die Auslosung in Nizza, die für das deutsche Team nun Irland, Polen, Schottland, Georgien und Gibraltar als Gegner ausersehen hat, konnte zu gar keinem anderen Ergebnis führen. Deutschland wäre immer klarer Favorit gewesen – genauso wie Spanier, Niederländer oder Italiener in ihren Gruppen. Da hatten die Lose gar keine Chance.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die große Ungleichheit hat jedoch nicht nur mit der Stärke der großen Fußballnationen zu tun, sondern auch mit dem neuen und umstrittenen Format der Europameisterschaft. Erstmals wird bei der EM 2016 das europäische Turnier von 16 auf 24 Teilnehmer anwachsen. Das enorme Wachstum führt dazu, dass auf dem Weg zur Endrunde nach Frankreich so wenig Teams wie noch nie unter den 53 Mitgliedsländern auf der Strecke bleiben – aber dafür, so die Kritiker wie Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff, nahezu jede Spannung und jeder Reiz für die großen Nationen in ihren Qualifikationsgruppen.

          Ganz sicher kann die Reform aber nun schon vor dem Anpfiff einen ersten Kollateralschaden vorweisen: Die Beziehung zwischen dem DFB und Uefa-Präsident Michel Platini hat sich bei der Auslosung an der Côte d’Azur merklich abgekühlt. „Wenn das der Fall ist, dann sollen sie halt nicht spielen“, entgegnete der Uefa-Präsident in Richtung des deutschen Teams, nachdem die sportliche Leitung des DFB die erleichterte Qualifikation – der Erste und Zweite jeder Gruppe kommen weiter, mitunter sogar der Dritte – als sportlich „fragwürdig“ und „Verwässerung“ bezeichnet hatte.

          Bisher hatte man Hinweise auf einen Verzicht von Fußball-Großveranstaltungen eher mit Blick auf die WM 2022 in Qatar wegen Menschenrechtsfragen erwartet – und nicht unbedingt für Kritik an einem Austragungsmodus, den Platini am Wochenende als demokratische Entscheidung der Uefa-Mitglieder verteidigte. Nur drei Verbände seien gegen die neue Regelung gewesen, die nun erstmals beim Turnier in Platinis Heimatland umgesetzt wird, darunter auch Deutschland: „So geht Demokratie“.

          Bundestrainer Joachim Löw
          Bundestrainer Joachim Löw : Bild: dpa

          Ganz eigene Reize, die die geringe sportliche Herausforderung unterstreichen, dürften den deutschen Begegnungen mit Gibraltar zukommen. Das britische Überseegebiet an der Meerenge zwischen Europa und Afrika ist erst seit 2013 Mitglied bei der Uefa. Gibraltar mit seinen knapp 30.000 Einwohnern hat auch kein eigenes Stadion, in dem es sein Länderspiel austragen könnte. Das Spiel wird in Faro stattfinden. Gegen Polen hat Deutschland noch nie ein Länderspiel verloren, gegen Irland siegte Löws Team in der WM-Qualifikation 6:1 und 3:0. „Diese Gruppe ist interessant. Sie ist auch schwierig. Ich weiß, was auf uns zukommt“, so der Bundestrainer.

          Spätestens aber in „drei Stunden“ werde er sich nicht mehr mit der Auslosung beschäftigten, sagte Löw in Nizza. Die Vorbereitung auf die WM in Brasilien bereitet ihm Sorgen. „Drei Monate vor der WM haben wir acht, neun Spieler, die haben wenig Rhythmus, die sind lange verletzt gewesen, haben lange nicht gespielt. Ich bin mir nicht sicher, ob der eine oder andere zurückkommt vor der WM“, sagte Löw. Vor allem bei den Mittelfeldspielern Sami Khedira und Ilkay Gündogan, bei denen eine Rückkehr noch nicht abzusehen ist, könnte es eng werden.

          Der deutsche Weg zur EM 2016 in Frankreich führt über Gibraltar
          Der deutsche Weg zur EM 2016 in Frankreich führt über Gibraltar : Bild: AFP

          Aber auch länger verletzte Spieler wie Mats Hummels und Bastian Schweinsteiger müssen ihre Rückstände erst noch aufarbeiten. „Einige sind zurück im Training, aber spielen nicht regelmäßig. Das macht mir schon ein bisschen Kopfzerbrechen, weil ich weiß, bei der WM braucht man Spieler, die einen Superrhythmus haben, die physisch stark sind. Die WM wird uns alles abverlangen. Von daher sind wir – Stand heute – ein bisschen nachdenklich“, sagte Löw.

          Die WM-Sorgen sind für den Bundestrainer derzeit weit drängender als die Frage zur EM 2016 im neuen Gewand, das Löw gleichwohl vor der Auslosung kritisiert hatte: „Der sportliche Wert einzelner Spiele, aber auch des gesamten Wettbewerbs sinkt.“ Bierhoff warnte zudem davor, „den Fußball nicht beliebig werden lassen“. Platini bezahle nun mit der EM-Reform, so seine Kritiker, einen Teil seiner Wahlschulden.

          Am 10. Juli 2016 wird der EM-Pokal abermals vergeben
          Am 10. Juli 2016 wird der EM-Pokal abermals vergeben : Bild: dpa

          Der Uefa-Präsident hatte vor seiner Wahl im Jahr 2007 vor allem den kleineren und mittleren Verbänden Veränderungen in ihrem Sinn versprochen – dort finden die Reformen nun auch positive Resonanz wie etwa beim Gruppengegner Schottland, der sich nach vielen Jahren endlich wieder Hoffnung auf die Teilnahme an einem Großereignis machen darf. 26 der 53 teilnehmenden Nationen waren noch nie bei einer EM dabei.

          Der Weg nach Frankreich vom 7. September 2014 bis zum 13. Oktober 2015 wird sich auch durch die Zentralvermarktung der Uefa verändern. Erstmals wird im Rhythmus der sogenannten „Week of Football“ gespielt, was zu festen Doppelspieltagen immer Donnerstag/Sonntag, Freitag/Montag und Samstag/Dienstag führen wird. An jedem Tag soll ein Spitzenteam zu sehen sein – egal gegen wen.

          Spielplan der Gruppe D (mit Deutschland)

          Sonntag, 07.09.2014:

          Georgien - Irland 18.00 Uhr
          Deutschland - Schottland 20.45
          Gibraltar - Polen 20.45

          Samstag, 11.10.2014:

          Irland - Gibraltar 18.00
          Schottland - Georgien 18.00
          Polen - Deutschland 20.45

          Dienstag, 14.10.2014:

          Deutschland - Irland 20.45
          Gibraltar - Georgien 20.45
          Polen - Schottland 20.45

          Freitag, 14.11.2014:

          Georgien - Polen 18.00
          Deutschland - Gibraltar 20.45
          Schottland - Irland 20.45

          Sonntag, 29.03.2015:

          Georgien - Deutschland 18.00
          Schottland - Gibraltar 18.00
          Irland - Polen 20.45

          Samstag, 13.06.2015:

          Polen - Georgien 18.00
          Irland - Schottland 18.00
          Gibraltar - Deutschland 20.45

          Freitag, 04.09.2015:

          Georgien - Schottland 18.00
          Deutschland - Polen 20.45
          Gibraltar - Irland 20.45

          Montag, 07.09.2015:

          Polen - Gibraltar 20.45
          Irland - Georgien 20.45
          Schottland - Deutschland 20.45

          Donnerstag, 08.10.2015:

          Georgien - Gibraltar 18.00
          Irland - Deutschland 20.45
          Schottland - Polen 20.45

          Sonntag, 11.10.2015:

          Deutschland - Georgien 20.45
          Gibraltar - Schottland 20.45
          Polen - Irland 20.45

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Franco A. und sein Verteidiger Johannes Hock am 25. Mai im Oberlandesgericht Frankfurt

          Prozess gegen Franco A. : Rechercheur oder Terrorist?

          Warum hielt Franco A. die Identität als Flüchtling über 15 Monate aufrecht, wenn es ihm angeblich nur um die Aufdeckung von Missständen ging ? Im Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt hat er zwar viel gesagt – aber die zentralen Fragen bleiben offen.
          EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen, Präsident Joe Biden und der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, am Dienstag in Brüssel

          EU-Spitze trifft Biden : Die langen Schatten der Ära Trump

          Das erste Treffen der EU-Spitze mit Präsident Biden hat gezeigt, dass mit dem neuen Mann im Weißen Haus nicht auf einen Schlag alles besser wird. Es gab Fortschritte, aber nicht alle Konflikte wurden gelöst.
          Wolfgang Schäuble am 20. Juni 1991 während seiner Rede im Bonner Bundestag

          Schäuble im F.A.Z.-Interview : „Als ich sprach, spürte ich: Du hast den Saal“

          Wolfgang Schäuble spielte bei der Entscheidung, Parlaments- und Regierungssitz nach Berlin zu verlegen, eine sehr wichtige Rolle. Im Interview spricht der Bundestagspräsident über seine historische Rede, die Bedeutung seines Rollstuhls dabei – und das Charisma von Angela Merkel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.