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Fußball-EM 2012 : Das Ende des Losglücks

  • -Aktualisiert am

Das Objekt der Begierde: Bundestrainer Joachim Löw kommt dem EM-Pokal schon mal nahe Bild: dpa

Deutschland erwischt bei der EM-Auslosung die schwerste Gruppe. Portugal, die Niederlande und Dänemark sind die Vorrundengegner der Elf von Bundestrainer Löw. Die Einteilung in Gruppe B bringt zudem einen weiteren Nachteil.

          Marko van Basten hat sich am Freitagabend unbeliebt gemacht. Sowohl bei seinen niederländischen Landsleuten, als auch bei den Nachbarn aus Deutschland. Das holländische Fußball-Idol zog bei der Endrunden-Auslosung der Fußball-Europameisterschaft im Kunstpalast Ukraina zu Kiew die Kugel mit der Aufschrift Deutschland aus der Glasschale, als es galt, das letzte Mitglied der Gruppe B zu ermitteln.

          Zuvor waren die Niederlande, Dänemark und Portugal zusammengelost worden, was schon eine überdurchschnittliche Portion Qualität vereinigte. Mit Deutschland wurde die Gruppe B zur stärksten der Endrunde 2012. „Wir können uns auf interessante Duelle freuen“, sagte Löw, und sein niederländischer Kollege Bert van Marwijk pflichtete ihm bei: „Alle sind sich einig, dass das die schwerste Gruppe ist.“

          Besonders bitter wurde das Ergebnis für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durch die Tatsache, dass die Spielorte der Gruppe B in der Ukraine liegen. Der DFB hat bewusst dieses Risiko auf sich genommen, als er sich für ein Hotel in der Nähe von Danzig als ständiges Hauptquartier entschieden hatte. So stehen nun einige Reisestrapazen bevor, die Löw nicht erschreckten: „Wir müssen sowieso zu den Spielen fliegen, und die Flugzeiten sind nicht allzu lange.“

          Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw trifft in ihrem Premierenspiel am 9. Juni in Lemberg auf Portugal. Am 13. Juni steht in Charkiw die Partie gegen die Niederlande an und mit der Begegnung mit Dänemark am 17. Juni, wiederum in Lemberg, geht die deutsche Vorrunde zu Ende.

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          In der Gruppe A treffen Polen, Griechenland, Russland und Tschechien in einem Ostblock aufeinander. Das Eröffnungsspiel führt Polen am 8. Juni gegen Griechenland. Den Griechen wurde schon einmal diese Ehre zuteil, gegen den Gastgeber das Turnier zu beginnen. 2004 besiegten sie Portugal 2:1. Vier Wochen später wurden sie durch ein 1:0 über denselben Gegner Europameister. In der Gruppe C spielt Titelverteidiger Spanien gegen Italien, Irland und Kroatien. In der Gruppe D empfängt Gastgeber Ukraine Schweden, Frankreich und England.

          Insgesamt finden 31 Spiele in den acht Städten Warschau, Breslau, Danzig, Posen, Kiew, Lemberg, Donezk und Charkiw statt. Mit dem Finale in Kiew am 1. Juli endet das Turnier. Befürchtungen, die Stadien könnten nicht rechtzeitig fertig werden, sind ausgeräumt. In sieben Arenen fanden schon Spiele statt, in Warschau soll im Frühjahr das Stadion eingeweiht werden.

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          Dagegen werden nicht alle Baumaßnahmen bei der Infrastruktur abgeschlossen sein, was aber den Ablauf der Veranstaltung nicht gefährden wird. Dank der Initiative des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa) wurde manche Verzögerung aufgeholt. Die Organisatoren in Polen und der Ukraine dankten dem Verband in den Tagen der Auslosung auffällig häufig für dessen Geduld, Engagement und Weisheit.

          Ein finanzieller Erfolg ist diese EM bereits, zumindest für die Uefa und die teilnehmenden Nationen. Die Vermarktung brachte ein Rekordergebnis, der europäische Verband beteiligte seine Mitglieder daran. Die Uefa erhöhte das Antrittsgeld von 7,5 auf 8 Millionen Euro. Erstmals erhält der Vorrundendritte, obwohl er ausscheidet, eine Extrazahlung von einer Million Euro. Der europäische Verband möchte damit die Mannschaften motivieren, die nach zwei Gruppenbegegnungen schon keine Chance mehr auf den Einzug ins Viertelfinale haben.

          Deutschland wurde in die EM-Vorrundengruppe B gelost. Dort trifft die Elf von Bundestrainer Joachim Löw auf Portugal, die Niederlande und Dänemark. Der Spielplan zeigt den weiteren Weg durch das Turnier - bis zum Finale am 1. Juli 2012 in Kiew.

          Insgesamt schüttet die Uefa 196 Millionen Euro aus, zwölf Millionen mehr als 2008 und 73 Millionen mehr als 2004. Der Europameister wird davon 23,5 Millionen erhalten, der Endspielverlierer 20,5 Millionen. Für jeden einzelnen deutschen Spieler geht es um 300 000 Euro Prämie, die bei einem EM-Triumph ausbezahlt würden, Platz zwei würde mit 150.000 Euro entlohnt, Rang drei mit 100.000 Euro.

          Für viele Experten können nur drei Mannschaften Europameister werden. Spanien, Deutschland und die Niederlande. Auch in den Wettbüros sind die Quoten eindeutig verteilt. Und die Quoten werden durch die Fakten der EM-Qualifikation belegt. Deutschland und Spanien gewannen als einzige Teams alle ihre Begegnungen, die deutschen zehn, die Spanier acht.

          Peinliche Nachrichten aus Polen überschatten die Auslosung

          Die Niederlande musste nur in der letzten Partie eine Niederlage hinnehmen, war zu diesem Zeitpunkt jedoch längst qualifiziert. Für die Holländer spricht auch, dass sie insgesamt die torgefährlichsten (3,7 Tore im Schnitt) waren und mit dem Schalker Klaas-Jan Huntelaar den erfolgreichsten Torjäger (12 Treffer) stellen. Dagegen legte Griechenland eine beängstigende Effektivität an den Tag – 14 Tore in zehn Begegnungen reichten zum Gruppensieg. Diese Statistik steht ganz in der Tradition von 2004, als Griechenland durch drei 1:0-Siege in der K.o.-Phase Europameister wurde.

          Der frühere niederländische Nationalspieler Marco van Basten loste die Deutschen in Gruppe B

          Überschattet wurde die pompöse Auslosung von peinlichen Nachrichten aus Polen. Dort steht Verbandspräsident Lato unter Druck, weil der Sportministerin Joana Mucha Kameraufnahmen zugespielt wurden, die Preisabsprachen beim Bau der polnischen Fußballzentrale belegen. Auf diesem Filmmaterial soll auch Lato zu sehen sein. Ministerin Mucha sprach indirekt von einem „sehr ernsten und sehr überraschenden Inhalt“. Über die Internetseite des Verbandes ließ Lato verlauten, jegliche Form der Ermittlungen zu unterstützen.

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