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Fußball : Die Show von Basler soll zum Schlager werden

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Basler in einer seiner Lieblingsrollen: „Ich gucke morgens in den Spiegel, und es ist alles gut.” Bild: picture-alliance / dpa

„Supermario“ und sein langjähriger Mitstreiter Harry Koch laden zum Abschiedsspiel auf den Betzenberg ein. Viele ehemalige Kollegen kommen. Aber ausgerechnet die Profis des 1. FC Kaiserslautern verzichten auf den Gaudikick.

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          Mario Basler beschrieb seine Abschiedsvorstellung wunschgemäß: „Da soll der Spaß im Vordergrund stehen.“ Im Ernst aber war der frühere Bundesligaprofi des 1. FC Kaiserslautern und jetzige lizenzlose Trainer der Regionalliga-Mannschaft von Jahn Regensburg richtig böse auf den Kollegen Kurt Jara. Der Österreicher hat heute das sportliche Sagen im Fritz-Walter-Stadion. Ehemaligen Kollegen des gern schelmisch tuenden, oft aber auch nur frech daherredenden „Supermario“ hat er die Teilnahme an dem Gaudikick untersagt.

          Basler und dessen langjähriger rustikaler Mitstreiter Harry Koch müssen also an diesem Donnerstag auf „Rote Teufel“ der Gegenwart verzichten, wenn sie an alter Stätte vor vielleicht 25.000 Zuschauern ihren treuen Fans adieu sagen. „Lächerlich und unverständlich“, nannte Basler Jaras höllisches Stoppsignal für sechs FCK-Profis, die der dreißigmalige Nationalspieler von gestern noch einmal gern um sich gehabt hätte.

          Höllisches Stoppsignal

          Vielleicht hätte die von Basler und Koch mit der organisatorischen Abwicklung der Fußballpromi-Begegnung beauftragte Agentur der Klubspitze lieber zuerst eine formvollendete Einladung mit der Bitte um die Abstellung einiger Spieler schicken sollen, statt die gefragten Profis reichlich formlos anzuschreiben.

          Jara jedenfalls fühlte sich übergangen - und der Verein reagierte ebensowenig amüsiert auf die unprofessionelle Weise, in der zwei verdiente Lauterer von gestern ihre Farewell-Party vorbereiten ließen. So werden denn der wilde Mario und sein persönlich braver, auf dem Platz aber rustikaler Assistent Harry („hol schon mal die Grätsche raus“) an ihrem letzten Heimatabend auf dem „Betze“ nur die vertraute Arena und die Dienstleistungen der Lauterer Geschäftsstellenmitarbeiter in Anspruch nehmen dürfen, um sich vor ihrem Publikum noch einmal in Szene zu setzen. Mit dabei sind dann auch alte Weggefährten wie Stefan Effenberg, Jürgen Kohler, Thomas Häßler, Andreas Möller, Stefan Kuntz und Andreas Brehme.

          Pikierte „FCK-Familie“

          Der pikierte Pfälzer Basler, der aus einer „FCK-Familie“ kommt, hat sich vor seinem Abschiedsspiel noch einmal so präsentiert, wie er sich in der Öffentlichkeit am liebsten darzustellen beliebt: als derb, aber herzlich, geradeheraus, aber ohne jede Arglist. Er und der knorrige fränkische Verteidiger Harry Koch seien über die Jahre auch deshalb so beliebt gewesen, „weil wir immer offen und ehrlich zu den Fans waren“. Wie sieht sich Basler also zu Beginn jedes Tages neu? „Ich gucke morgens in den Spiegel, und es ist alles gut.“

          So gut, daß der Trainer Basler kurz nach seinem Abschiedsspiel auf der großen Bühne an sein Comeback im Provinztheater denkt. Natürlich nur aus Liebe und Verantwortungsgefühl Jahn Regensburg gegenüber. Der Drittligaklub habe in dieser Spielzeit weniger Zuschauer als gedacht begrüßen können. Also, dachte sich Basler, könne es doch nicht schaden, sich selbst zum Vergnügen des Publikums immer mal wieder einzuwechseln.

          Comeback in Regensburg?

          Die Show des alternden Basler, das sollen die Spatzen vom Regensburger Dom pfeifen, soll zur kommenden Saison zum Schlager werden - vorausgesetzt, jemand findet noch den irgendwo verschütt gegangenen Spielerpaß des vor allem als Freistoßspezialist und Kunstschütze in Erinnerung gebliebenen Basler. „Der Mario“, sagt Koch ehrfurchtsvoll, „war immer für das Geniale zuständig, ich eher für das Kämpferische.“

          Basler, der 262 Bundesligaspiele auf dem Buckel hat, glaubt, den Rollenwechsel vom Hauptdarsteller zum Regiestuhl problemlos bewältigt zu haben. „Ich finde“, sagt er, „daß der Trainerjob relativ einfach ist, aber das liegt vielleicht auch daran, daß es die dritte Liga ist.“ Gern denkt der einstige Ballzauberer an die Highlights seiner Karriere zurück, etwa an drei deutsche Meistertitel mit den Bayern, aber auch an das mit den Münchnern 1999 in letzter Minute 1:2 verlorene Champions-League-Finale gegen Manchester United.

          Damals hätte er ein kleines Kapitel Fußballgeschichte schreiben können, wäre es doch bloß nur bei seinem Treffer zum 1:0 geblieben. So aber tröstet ihn auch im nachhinein, „daß wir nachts so gefeiert haben, als ob wir gewonnen hätten“.

          „Aus München weggemobbt“

          Die laute Type Basler sah sich später von den feinen Münchnern „weggemobbt“, fand aber daheim in Kaiserslautern auch im erfolgreich bestandenen Abstiegskampf ihr spätes Glück. Beim 1. FC Kaiserslautern möchte Basler eines Tages aufs neue anheuern - als Trainer, versteht sich. Begegnet er dort den Baslers von morgen, wird auch er vielleicht noch verzweifeln. „Ich bin heute genauso fit wie als Spieler“, beschreibt der passionierte Raucher seinen körperlichen Zustand, „nämlich gar nicht.“

          Dafür sei er aber ein Original, das sich nichts vorschreiben lasse. So wie etwa der Stuttgarter Nationaltorwart Timo Hildebrand, der „vor ein paar Wochen vom Blatt ablas, daß er seinen Vertrag beim VfB verlängert hat“. Bei soviel Eigenständigkeit sei er „fast zusammengebrochen“, hebt Basler hervor. „Wo führt das noch hin?“ fragt er sich. Nun, er wird es erleben, sollte er eines Tages als Trainer in der Bundesliga gefragt sein.

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