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Fußball : "Die Fußballspieler sind wie Kinder"

  • -Aktualisiert am

Präsident Königs (l.) begrüßt Advocaat Bild: dpa/dpaweb

Dick Advocaat gilt als autoritär, stur und Defensiv-Fanatiker. Gladbachs-Sportdirektor Hochstätter glaubt dennoch, daß die Verpflichtung des Niederländers die richtige Entscheidung war. Mönchengladbach hat wieder einen großen Namen.

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          Zum Dienstantritt trug der Fußball-Lehrer Dick Advocaat zwei Schlipse. Einen roten aus seinem privaten Fundus hatte er sich korrekt um den Hals gebunden; die offizielle Klubkrawatte seines neuen Arbeitgebers Borussia Mönchengladbach, eingepackt in Cellophan, hielt er in der Hand. Demnächst wird er bei offiziellen Auftritten das Modell mit den schrägen schwarzweißen Streifen tragen (müssen) - wie alle Angestellten des rheinischen Traditionsklubs.

          Bei seiner Vorstellung im Borussiapark fügte sich Advocaat mit dem typisch männlichen Accessoire zwar noch nicht ganz in die Gladbacher Corporate identity, war aber dennoch angemessen ausgestattet. Die Signalfarbe Rot paßte zum Anlaß. Wenn er die Erwartungen des Vereins erfüllt, wird der 57 Jahre alte Niederländer nicht nur der Nachfolger des vor acht Tagen entlassenen Holger Fach sein, nicht bloß der fünfzehnte Bundesligatrainer des Klubs und der erste ausländische überhaupt in der Vereinsgeschichte.

          „Ein klares Signal“

          Der Vorstand hofft, mit der Verpflichtung Advocaats den Übergang in eine neue Epoche gestalten zu können. Sportdirektor Christian Hochstätter bezeichnete den Abschluß des Vertrages, der bis Juni 2007 datiert ist, als "klares Signal, wo dieser Klub hinwill" - nach oben, nach Europa, vielleicht gar dorthin, wo Mönchengladbach, der fünfmalige deutsche Meister, vor drei Jahrzehnten war. "Wir sind froh, daß es uns gelungen ist, einen Trainer zu verpflichten, der international erfahren und erfolgreich ist", sagte der Manager. Aufgrund seiner Vita biete Advocaat "eine gewisse Garantie dafür, daß wir hier erfolgreich arbeiten". Der aus Den Haag stammende Fußball-Lehrer sagte, er wolle mit Mönchengladbach "so schnell wie möglich nach oben kommen" und die notwendigen Ergebnisse mit einer "möglichst attraktiven Spielweise verbinden". Seine Vereine hätten "immer mehr Tore geschossen als hereinbekommen".

          Schnupperrunde am neuen Arbeitsplatz
          Schnupperrunde am neuen Arbeitsplatz : Bild: AP

          Advocaat hat einiges an Titeln vorzuweisen: In seinem Heimatland holte er als Trainer des PSV Eindhoven 1996 den Pokal und ein Jahr später die Meisterschaft. Noch erfolgreicher war er in Schottland. Dort gewann er mit den Glasgow Rangers zweimal die schottische Meisterschaft, einmal den Pokal - und im herausragenden Jahr 1999 sogar das sogenannte Triple (Meisterschaft, Pokal und Ligapokal). Diese Erfolge hätten ihn vermutlich auch für die Position des schottischen Nationaltrainers qualifiziert, die nach der Entlassung von Berti Vogts vakant ist, "doch Gladbach bietet die besseren Perspektiven", behauptet Advocaat, der schon einen Tag nach der Entlassung Fachs von den Gladbachern angesprochen wurde und nach zwei Verhandlungsrunden am Montag abend zusagte.

          Ein großer Name für Mönchengladbach

          Bei all seinen Erfolgen gilt Advocaat als schwieriger, manchmal eigenwilliger Verfechter eines Fußballs, der vor allem auf Disziplin und Ergebnisdenken basiert. Fußballspieler seien wie Kinder, sagt er. "Sie müssen machen, was ich sage, sonst haben wir ein Problem." So geriet er als "Bondscoach" der niederländischen Nationalelf, die er in zwei Dienstperioden insgesamt fünf Jahre trainierte, in die Kritik und mußte schließlich im Juli dieses Jahres seinen Posten abgeben, obwohl er einen Vertrag bis 2006 besaß. Die Kritik an seiner Arbeit hält er für überzogen. "Das Halbfinale der Europameisterschaft erreicht nicht jeder, anderswo weiß man das", sagt er mit einem Lächeln und meint damit die Deutschen. Als Bondscoach hat Advocaat 54 Länderspiele bestritten, mehr als jeder andere Trainer und eins mehr als Rinus Michels, der "General", der die Niederlande zweimal ins WM-Finale geführt hat und zum Gewinn der EM 1988. Von diesem Mann habe er viel gelernt, sagt Advocaat.

          Trotz aller Erfolge glaubt er seinen Vorgänger, den Übergangstrainer Horst Köppel, der am Samstag Bayern München besiegte, nicht erreichen zu können. "Köppels Quote liegt bei hundert Prozent", sagt Advocaat belustigt. Dennoch werde er versuchen, den Klub nach vorn zu bringen. Finanziell hat der Trainerstar sich auf jeden Fall verbessert. Rolf Königs, der Präsident des VfL Borussia, wollte zwar keine Zahlen nennen, sagte aber, eines sei sicher: "Dick Advocaat verdient bei uns mehr Geld als in Holland als Nationaltrainer." In einem Mann von einem Meter siebzig Körpergröße haben die Gladbacher einen großen Namen eingekauft. Sie sind wieder wer in der Bundesliga, zumindest fühlen sie sich so.

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