https://www.faz.net/-gtl-a8xoi

Mini-Turnier mit Europameister : DFB-Frauen endlich wieder gefordert

  • -Aktualisiert am

Endlich wieder ein echter Prüfstein: Martina Voss-Tecklenburg freut sich auf die nächste Aufgabe. Bild: dpa

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg will eine Ära prägen. Dafür muss die Nationalelf zurück in die Weltklasse. Im Test gegen Europameister Niederlande wollen die DFB-Frauen ein Zeichen setzen.

          2 Min.

          Die Bundestrainerin will nicht nur aufbauen, sondern auch ernten. Martina Voss-Tecklenburg hat ihren Vertrag beim DFB jüngst bis Mitte 2023 verlängert. „Aber ich habe nicht vor, danach etwas anderes zu machen“, sagte die 53-Jährige. Es soll schon eine Ära als Frauenfußball-Frontfrau sein. Aktuell stellt sich Voss-Tecklenburg zunächst die Aufgabe, eine turnierfreie Phase zwischen Sommer 2019 und Sommer 2022 zu nutzen und zu moderieren. Das Miniturnier „Three Nations, One Goal“ mit Belgien und den Niederlanden bildet den Auftakt ins Länderspieljahr.

          Ein Format mit erheblichem sportlichen Wert für die Bundestrainerin, vor allem wegen des Duells mit dem Europameister und Weltmeisterschaftszweiten Niederlande in Venlo an diesem Mittwochabend (18.30 Uhr bei Eurosport). Und ein Zeichen für die Bewerbung der drei Länder um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2027 als Gemeinschaftsprojekt. Beim DFB gibt man sich zuversichtlich, nach der Männer-Europameisterschaft 2024 drei Jahre später auch Spiele der Frauen-WM ausrichten zu können.

          In die kommenden 16 Monaten bis zum nächsten Ziel, der EM in England, geht Martina Voss-Tecklenburg mit einem Kreis von 40 Spielerinnen, die sie unter besondere Beobachtung gestellt hat. Darunter auch einige junge Kräfte, die bei entsprechender Entwicklung erst bei einer möglichen Heim-WM auf dem Zenit stehen. Doch die Bundestrainerin hat nicht nur den Jugendstil als Maxime erkoren.

          F+ FAZ.NET komplett

          Unser Newsletter mit den besten exklusiven Artikeln der Woche.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          „Turniererfahrung ersetzt nichts“, sagt Martina Voss-Tecklenburg. „Zu viele Junge und zu viel Neues würden unseren Festigungsprozess hemmen.“ Und so sollen international erfahrene Spielerinnen wie die lange verletzte Kapitänin Alexandra Popp, Spielmacherin Dzsenifer Marozsan oder Offensivkraft Svenja Huth treibende Kräfte dieser Mannschaft bleiben, um die Rückkehr in den Kreis der Weltelite zu schaffen.

          „Da kommt eine Menge auf uns zu“

          Voss-Tecklenburgs Credo lautet: Wer wieder Spitzenklasse werden will, muss sich auch mit Gegnern dieser Kategorie messen. Elf ungeschlagene Länderspiele in Serie klingen zwar verheißungsvoll. Doch die 2020 pandemiebedingt abgesagte Reise zum Weltmeister Vereinigte Staaten und das ausgefallene Match gegen das europäische Topteam England lassen über den aktuellen Status quo der deutschen Frauenauswahl wenig Schlüsse zu.

          In der ausschließlich mit siegreichen Partien bestrittenen EM-Qualifikation wurde die deutsche Mannschaft gegen schwächere Gegner kaum gefordert. Das wird sich gegen die starken Niederländerinnen sicher ändern. „Da kommt eine Menge auf uns zu. Aber genau das wollen wir haben“, sagte die Bundestrainerin am Dienstagnachmittag. „Egal wie es ausgeht: Es ist ein wichtiges Spiel für uns, aus dem wir sehr viele Erkenntnisse ziehen werden.“

          Die Frage wird sein, ob die 2020 kaum mal an Grenzen gebrachte deutsche Defensive der „geballten Offensivpower der Niederländerinnen“ (Torfrau Merle Frohms) wird standhalten können. Und ob die Angriffswucht, welche die deutschen Spielerinnen aktuell entwickeln können, ausreicht, um diesen großkalibrigen Gegner in Bedrängnis zu bringen. Die Eindrücke vom 2:0-Erfolg in Aachen gegen international eher zweitklassige Belgierinnen lieferten ein eher diffuses Bild. Einige gute Passagen wurden überlagert von offensichtlichen Problemen im Angriffsdrittel.

          Wenn sich die Deutschen dem belgischen Strafraum näherten, kamen die Kombinationen zu häufig zum Erliegen, weil die Akteurinnen zu hektisch, zu schluderig oder zu unabgestimmt vorgingen. „Präzision ist ein Thema, das uns schon länger verfolgt und weiter begleitet“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. Dominant agieren, viel Ballbesitz haben und reichlich Torgefahr ausstrahlen – diesen Anspruch will die Bundestrainerin auch gegen die Niederlande mit Leben gefüllt sehen. „Nach dem Spiel“, sagt sie, „sind wir schlauer.“

          Weitere Themen

          Die Jugend traut sich was

          DFB-Frauen mit Sieg : Die Jugend traut sich was

          Wegen eines positiven Corona-Tests muss die Frauen-Nationalelf umplanen – es funktioniert. Der 5:2-Sieg über Australien zeigt, dass es nach mageren Jahren auch dank junger Kräfte wieder aufwärts geht.

          Topmeldungen

          Will Amerika weniger abhängig in kritischen Technologien machen: Joe Biden

          Wettstreit mit China : Biden macht Mikrochips jetzt zur Chefsache

          Amerika fürchtet um seine Dominanz in der Chip-Industrie. Sogar die nationale Sicherheit sieht das Weiße Haus in Gefahr. Kurzfristig drohen Produktionsausfälle in Schlüsselindustrien.
          Lithium-Abbau in der Atacama-Wüste im Norden Chiles
am Uyuni-Salzsee in Bolivien (unten)

          Kampf um das „weiße Gold“ : Wettrüsten im Lithium-Dreieck

          Noch kommen viele Akkus nicht ohne den seltenen Rohstoff aus. Die Nachfrage steigt rasant in Südamerika, wo es die größten Lithium-Reserven der Welt gibt. Aber die Lage dort ist schwierig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.