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Fußball : Das große Mißverständnis um Bobic

Fürchtet um seinen EM-Platz: Fredi Bobic Bild: dpa

Erst der Rausschmiß aus dem Kader bei Hertha BSC, jetzt die bevorstehende Rückkehr: Die Rolle von Nationalspieler Fredi Bobic in Berlin bleibt umstritten und läßt den Verein nicht zur Ruhe kommen.

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          Seine schwächelnden Nationalstürmer muß Rudi Völler derzeit sogar in der Winterpause stärken. In den vergangenen Tagen sprach sich der Teamchef ausdrücklich für einen Wechsel von Miroslav Klose vom 1. FC Kaiserslautern zu Tabellenführer Werder Bremen nach dieser Saison aus. In seiner ehemaligen sportlichen Heimat, so Völler, würde Klose in allen Bereichen bessere Bedingungen vorfinden als in der Pfalz - ein nicht ganz uneigennütziger Hinweis. Denn in Bremen, so hofft der Teamchef, könnte Klose endlich wieder an seine stärksten Leistungen aus dem WM-Jahr 2002 anknüpfen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Diese allzu oft verschütteten Qualitäten sind auch nötig mit Blick auf die WM 2006. Am Wochenende wurde der Teamchef dann auch noch schmerzlich an seine aktuellen Sturmschwierigkeiten erinnert. Den Teamchef erreichte knapp fünf Monate vor der Europameisterschaft die unangenehme Nachricht, wonach für Fredi Bobic eine Woche vor dem Start der Rückrunde im Kader von Hertha BSC kein Platz mehr sei. Völler beeilte sich am Samstag, seinen engagiertesten Nationalstürmer zu stützen. "Ich bin sicher, daß er wieder angreifen wird. Er muß jetzt auf die Zähne beißen und sich wieder mit Leistung und Toren anbieten. Ich bin sicher, daß Bobic alles dafür tun wird, wieder in die Mannschaft zu kommen", sagte Völler.

          „Er hat ja nichts verbrochen“

          Der neuerliche Wechsel vom Zuschauer Bobic zum Spieler Bobic könnte viel schneller geschehen als dies selbst Hertha-Trainer Hans Mayer glauben mochte, als er am Freitag den Nationalspieler aus dem Kader für das Testspiel beim Karlsruher SC geworfen hatte. Denn beim 0:0 gegen den KSC am Samstag erlitt der brasilianische Stürmer Luizao einen Adduktorenanriß, der voraussichtlich eine Pause von sechs Wochen nötig macht. Nando Rafael ist zudem in Bremen gesperrt, Artur Wichniarek plagen Muskelbeschwerden. "Er hat ja nichts verbrochen. Es kann durchaus sein, daß Bobic jetzt wieder in den Kader rückt", sagte Meyer nur einen Tag später wieder ganz verbindlich über den Nationalstürmer, dem er gut 24 Stunden zuvor die Tauglichkeit für die Bundesliga noch schlichtweg abgesprochen hatte: "Ich kann mit dem, was Fredi zuletzt geboten hat, nicht zufrieden sein. Wenn wir morgen in Bremen spielen würden, wäre er nicht dabei. Ich habe ihm viele Chancen gegeben, aber es hat nicht gereicht", sagte Meyer.

          Manager Dieter Hoeneß will sich aus den Diskussionen über Bobic, der im Sommer mit großen Hoffnungen verpflichtet wurde, lieber nicht äußern. "An diesen Diskussionen beteilige ich mich nicht. Der Kader ist Sache des Trainer. Jede Entscheidung, die er trifft, werde ich mittragen", sagte der Berliner Manager.

          „Die schwierigste Situation meiner Karriere“

          Aber gleichgültig, ob Bobic am Samstag nun im Abstiegskampf gegen den Tabellenführer dabei ist - die Beziehung zwischen dem 30 Jahre alten Nationalspieler und Hertha BSC kann schon jetzt als großes Mißverständnis gelten. Schon Meyers Vorgänger Huub Stevens hatte Bobic in der Hinrunde beim Pokalspiel in Bremen (1:6) nicht mehr berücksichtigt. Es war das letzte Spiel unter dem Niederländer. Bobic reagierte am Wochenende einsilbig auf Meyers Entscheidung und sprach gegenüber der "BZ" von "der schwierigsten Situation meiner Karriere". Denn an einen Vereinswechsel innerhalb der Transferperiode, die in der kommenden Woche endet, ist kaum zu denken - und um nicht auch noch seinen Platz bei Völler zu verlieren, benötigt der erfolgreichste Torschütze der Nationalmannschaft des Vorjahres Spielpraxis im Verein.

          Meyer hatte schon während des Trainingslagers auf Gran Canaria nach zahlreichen Einzelgesprächen auf Schwierigkeiten im Team hingewiesen - allerdings noch ohne Namen zu nennen. Er habe gedacht, so der Trainer, es gebe bei Hertha Spieler, mit denen jeder spielen will. Er habe aber feststellen müssen, daß keiner mit ihnen spielen wolle. Bobic war nach seinem spektakulären Bundesliga-Comeback bei Hannover 96 im Sommer mit großen Erwartungen nach Berlin gewechselt. "Das Leben dort bringt einen menschlich weiter", hatte er damals gesagt, "und mich begeistert, wenn endlich das Stadion fertig ist und ich alle zwei Wochen darin spielen kann." Das Olympiastadion soll Ende des Jahres fertig sein - ob Bobic dies in Berlin allerdings noch erlebt, gilt mittlerweile als fraglich.

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