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Fußball : Das Geschäft mit den Kinderstars

Mit 16 Jahren in der Bundesliga: Nuri Sahin Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nicht nur die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schwimmt auf der Jugendwelle, auch die Vereine haben die Bedeutung des Nachwuchses entdeckt. Noch nie warben die Klubs mit soviel Aufwand um Talente - ein Investment mit oft ungewissem Ausgang.

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          Jeden Tag telefoniert Jolanta Krol aus Erkrath mit ihrem Sohn. „Er ist noch immer ganz begeistert. Er vermißt nichts.“ Überdies die guten Schulnoten. Fleißig sei ihr Junge. Das kann eine Mutter beruhigen. „Aber am wichtigsten ist ihm natürlich der Fußball“, sagt sie. Zwölf Jahre alt war Dennis Krol, als ihn der FC Barcelona im vergangenen Sommer nach Spanien holte. Ein Milchbubi, der für sein Leben gerne kickt und plötzlich zu den Auserwählten gehörte, in dessen Fähigkeiten ein Weltklub besondere Hoffnungen setzt. Ein „Wunderkind“ auf dem Weg zur großen Fußballkarriere?

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Talente sind der Kraftstoff für das globale Ballgeschäft. Ohne frischen Nachschub würde der Motor der Hochleistungsbranche schnell ins Stocken geraten. Immer früher wird nach Mini-Dribblern mit Starpotential Ausschau gehalten. Ehrgeizige Eltern und Kinder und die Vereine sorgen dafür, daß der Markt brummt - an allen Ecken und Enden. Private Fußballschulen schießen aus dem Boden, Feriencamps sind ausgebucht, die Profiklubs schicken Woche für Woche Schwärme von Talentspähern durch die Lande. 390 Stützpunkte zur Identifizierung besonders fähiger Jungspunde hat der Deutsche Fußball-Bund flächendeckend über die Republik verteilt.

          Gestrandete Seelen aus Afrika

          „Da wird heute ein Aufwand betrieben, der wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen“, sagt Werner Kern, Chef für die Nachwuchsförderung beim FC Bayern. Unter ihm arbeiten beim Rekordmeister mehr als zwanzig Jugendtrainer. Flankierend erhält seine Abteilung Unterstützung von den Scouts des ehemaligen Bayern-Spielers Wolfgang Dremmler, die ihren Blick bis ins letzte Provinzdörfchen richten. Letztlich ist jedes Talent ein Investment: Hineingesteckt werden einige hunderttausend, herauskommen soll die Multi-Millionen-Chance auf einen geldwerten Vorteil. Zuletzt hat das bei den Bayern mit den Jungnationalspielern Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger funktioniert, die einst mit elf und vierzehn Jahren den Weg zu den Münchnern fanden.

          Leistungsträger der National-Elf: Podolski (l.) und Schweinsteiger

          Um der Konkurrenz im Buhlen um die Kinderstars eine Nasenlänge voraus zu sein, werben die größten Klubs Europas mit allem Nachdruck um frisches Humankapital. Das wissen auch zwielichtige Geschäftemacher für sich zu nutzen. Sie durchpflügen die Armenviertel von Großstädten meist in Afrika oder Südamerika, legen den Eltern ein paar Dollar auf den Tisch und verschieben die jungen Kicker wie eine Ware. „Kinderhandel“ nennt das Werner Kern vom FC Bayern, der sich an eine Welle von „gestrandeten Seelen aus Afrika“ erinnert. Bis der Internationale Fußball-Verband nun zumindest bei Transfers von Minderjährigen über Ländergrenzen hinweg die Begleitung mindestens eines Elternteils zur Bedingung machte.

          „Die baggern besonders aggressiv“

          Zivilisiert ging es dagegen bei Dennis Krol zu, der bei einem Jugendturnier auf Gran Canaria von Spähern des FC Barcelona angesprochen und einige Monate später Bayer Leverkusen abgeworben wurde. Nun lebt er mit seinem Vater in der Stadt seiner Hoffnung, trainiert fast jeden Nachmittag und geht für den geplanten Realschulabschluß zur Deutschen Schule. Mutter und Bruder blieben zurück in Erkrath bei Düsseldorf. Derweil hat der Klub, von dem er kam, die Teilnahme an Jugendturnieren in Spanien vom Ausbildungsplan gestrichen. „Die baggern besonders aggressiv“, weiß Michael Reschke aus dem Managementstab von Bayer.

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