https://www.faz.net/-gtl-9z3lk
Bildbeschreibung einblenden

Fußball-Bundesliga : Zehn Corona-Fälle und ein Video

Nimmt es mit dem Abstand nicht so genau: Hertha-Profi Salomon Kalou. Bild: AP

Beim 1. FC Köln ergibt ein zweiter Test, dass sich keine weiteren Spieler angesteckt haben. Doch ein Blick in die Hertha-Kabine mehrt die Zweifel, ob sich alle Fußballprofis über den Ernst der Lage im Klaren sind.

          5 Min.

          Der Countdown läuft, die Anspannung steigt: An diesem Mittwoch wird die im ganzen Land von hohen Erwartungen begleitete Zusammenkunft der Bundeskanzlerin mit den 16 Vertretern der Bundesländer auch über einen Neustart der Fußball-Bundesliga entscheiden. Im Mittelpunkt der politischen Diskussion steht in Sachen Bundesliga – rein sachlich – das Hygiene- und Sicherheitskonzept, das die Deutsche Fußball-Liga (DFL) als Grundlage für ihren möglichen Neustart vorgelegt hat. Gesellschaftspolitisch jedoch geht es vor allem um die Frage, ob der Profifußball innerhalb dieses von ihm geschaffenen Rahmens eine Sonderrolle in der Gesellschaft einnimmt – und ob diese zu rechtfertigen wäre.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dem Anspruch des Profifußballs, eine verantwortungsvolle Rückkehr zum Spielbetrieb zu vollziehen, dürfte nun ein Live-Video von Salomon Kalou aus der Hertha-Kabine vermutlich schweren Schaden zufügen, dass der Stürmer am Montagmittag ins Netz gestellt hatte. Abstands- und Hygieneregeln werden darin offenkundig missachtet. Die DFL kritisierte das Video umgehend als inakzeptabel. Hertha BSC suspendierte den Profi am frühen Abend. „Salomon Kalou hat mit seinem Video den Eindruck vermittelt, dass die Spieler von Hertha BSC die vorgegebenen Abstands- und Hygieneregeln seitens der Gesundheitsbehörden nicht ernst nehmen. Hertha BSC möchte festhalten, dass dies die Verfehlung eines einzelnen Spielers war. Die Tatsache, dass andere Teammitglieder ihn nicht auf diese Verfehlung aufmerksam gemacht haben und stattdessen den Gruß per Handschlag erwidert haben, verdeutlicht, dass die regelmäßigen Hinweise auf die Abstands- und Hygieneregeln noch intensiver ausfallen müssen“, heißt es in einer Mitteilung des Klubs.

          Das Video, so viel ist kurz vor der politischen Entscheidung über die Zukunft der Bundesliga sicher, kommt einem GAU für den deutschen Profifußball gleich, dem größten anzunehmenden Unfall. Kalou habe mit seinem Video „nicht nur Hertha BSC einen großen Schaden zugefügt, sondern vor allem in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs und die Rolle des Profifußballs den Eindruck erweckt, dass einzelne Spieler das Thema Corona nicht ernst nehmen“, erklärte Hertha-Sportdirektor Michael Preetz. Das Filmchen dürfte zudem das Image von Fußballprofis verfestigen, die auch in der Corona-Zeit weiter in ihrer eigenen Welt leben.

          Auch auf der Bundespressekonferenz war an diesem Montag die Spannweite der gesellschaftspolitischen Debatte deutlich geworden, die das gewünschte Comeback des Profifußballs in Corona-Zeiten seit Wochen begleitet. Auf die Frage, ob das Wort von Horst Seehofer, der als Innenminister auch für den Sport zuständig ist, von diesem Wochenende weiterhin gelte, wonach ein Bundesligateam geschlossen in Quarantäne müsse, wenn ein einziger Spieler im Mannschaftstraining positiv auf Corona getestet werde, bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums diese Haltung. Und er bekräftigte daraufhin die vierzehntägige Quarantäne als „politische Grundbedingung“ für betroffene Spieler. „Privilegien“, so Sprecher Steve Alter, könne es für Profis nicht geben. Die Entscheidung, welche Quarantänemaßnahmen für Kontaktpersonen zu ergreifen sind, liegt allerdings nicht in der Entscheidungsgewalt des Innenministers. Darüber entscheiden Gesundheitsämter.

          Keine weiteren positiven Tests beim 1. FC Köln

          Beim 1. FC Köln waren am Wochenende zwei Spieler und ein Physiotherapeut positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die drei Betroffenen mussten auf Anordnung des Gesundheitsamts in Quarantäne, nicht aber die gesamte Mannschaft. Am Montag hat eine zweite Analyserunde beim 1. FC Köln ausschließlich negative Ergebnisse hervorgebracht. Damit hat das Hygienekonzept der DFL, zumindest nach Ansicht des deutschen Profifußballs, seinen ersten Stresstest bestanden. „Die in den vergangenen Tagen erfolgten Tests haben ihren Zweck erfüllt, für zusätzliche Sicherheit zu sorgen und so die Spieler bestmöglich vor Ansteckung im Mannschaftstraining oder Spielbetrieb zu schützen“, teilte die DFL mit. Bei insgesamt 1724 Testungen in den 36 Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga seien insgesamt zehn Infektionen festgestellt worden, die allesamt den Gesundheitsämtern gemeldet worden seien. Die drei Infizierten in Köln waren symptomfrei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auf der Suche nach Yves Etienne Rausch: Ein Polizeihubschrauber über dem Waldgebiet nördlich von Oppenau

          Flüchtiger bei Oppenau : „Der Wald ist sein Wohnzimmer“

          Noch immer wird er gesucht: Dass sich vier Polizisten von einem „Waldläufer“ überwältigen ließen, sorgt für Belustigung. Polizei und Staatsanwaltschaft haben daher am Dienstag noch einmal detailliert geschildert, wie es dazu kam.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.