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Verbittert bis erleichtert : Der große Abschieds-Spieltag der Trainer

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Wohin geht die Reise? In Wolfsburg ist für Bruno Labbadia nach dieser Saison Schluss. Bild: EPA

Mindestens acht Fußballlehrer sitzen zum letzten Mal in einem Bundesliga-Spiel bei ihren aktuellen Vereinen auf der Bank. Es wird viele Emotionen geben. Und sie werden sehr unterschiedlich ausfallen.

          Wehmut, Verbitterung und vereinzelt ein bisschen Erleichterung: Der letzte Spieltag in der Fußball-Bundesliga wird an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) zur großen Abschieds-Show der Trainer. Es wird emotional werden, es werden hier und da sicher Tränen fließen. Und am Ende wird es vielleicht auch das eine oder andere Wort der Abrechnung geben.

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          Gleich fünf Langzeit-Trainer werden ihr letztes Bundesliga-Spiel mit ihrem aktuellen Verein absolvieren: Ralf Rangnick (Leipzig), Dieter Hecking (Mönchengladbach), Bruno Labbadia (Wolfsburg), Julian Nagelsmann (Hoffenheim) und Pal Dardai (Berlin) werden oder müssen gehen. Hinzu kommen die Interimstrainer Huub Stevens (Schalke), Nico Willig (Stuttgart) und Boris Schommers (Nürnberg). Thomas Doll (Hannover) steht nach dem sicheren Abstieg ebenfalls vor dem Abschied und selbst um Niko Kovac ranken sich beim um das Double kämpfenden FC Bayern München viele Gerüchte. Am Ende könnte die Hälfte der aktuellen 18 Erstligaklubs mit neuen Trainern in die neue Saison gehen. Oder mehr.

          Neben Rangnick könnte sich auch Hecking mit der Qualifikation für die Champions League verabschieden, Labbadia und Nagelsmann hoffen auf die Europa League. Willig, der mit dem VfB noch zwei Relegationsspiele bestreiten muss, hofft auf den Klassenverbleib.

          Doch unabhängig von einem möglichen Happy End: Nicht alle Trennungen gingen einvernehmlich über die Bühne. In Gladbach bemühen sich alle um Haltung, doch die Verbitterung bei Hecking (54) ist greifbar. Trotz einer überragenden Hinrunde, gab Manager Max Eberl im April die Trennung bekannt. „Mein Abschied ist jetzt nicht wichtig. Ich spiele am Samstag keine Hauptrolle“, sagte Hecking vor dem Spiel gegen Dortmund: „Aber natürlich könnte es emotional werden.“

          Auch Labbadia (53) erwartet einen „natürlich emotionalen Abschied.“ Weil es zwischen ihm und Sportchef Jörg Schmadtke nicht passte, verkündete er trotz sportlichen Erfolgs selbst seinen Abschied. „So, wie wir uns begrüßt haben, verabschieden wir uns: Per Handschlag“, sagte er der „Sport Bild“ betont emotionslos.

          Auch Nürnbergs Schommers ist verbittert. Der vorherige Ko-Trainer glaubte trotz des Abstiegs seine Chance genutzt zu haben. „Aus meiner Sicht bestand keine Notwendigkeit, die gute bis sehr gute Arbeit der letzten Monate zu verändern“, sagte er. Das Angebot auf einen Anschlussvertrag lehnte er ab. Sein letztes Spiel in Freiburg wird der 40-Jährige mit einem „leichten Bauchkribbeln“ angehen.

          Froh, dass es vorbei ist: Schalke-Retter Huub Stevens Bilderstrecke

          Gar nicht verbittert scheint derweil der in einer ähnlichen Lage befindliche Willig. Die klare Ansage, dass es nur bis zum Saisonende mit dem U19-Trainer als Profi-Coach gehe komme ihm „sehr, sehr entgegen“, sagte der 38-Jährige: „Das macht es mir sogar sehr leicht, weil ich es total als Projekt sehen kann.“

          Auch Dardai scheint vor seinem eigentlich unfreiwilligen Abschied als Chefcoach der Hertha nach viereinhalb Jahren keineswegs sauer. „Ich bin Hertha BSC dankbar für diese Erfahrungen. Ich habe sogar Geld dafür bekommen. Das ist ein Geschenk des Lebens“, sagte der Ungar. Die schnell eingetroffenen Angebote habe er alle abgelehnt. Er will eine Pause machen und dann stand jetzt eine neue Aufgabe bei der Hertha übernehmen. Schalkes Stevens ist sogar „auch froh, wenn man sagen kann, dass es endlich vorbei ist“. Schalke zu retten sei die „schwierigste Aufgabe“ in seiner langen Trainer-Karriere gewesen, sagte der 65-Jährige, der wohl in den Aufsichtsrat zurückkehren wird.

          Die längste Zeit, sich auf den Abschied vorzubereiten, hatte Nagelsmann. Sein Wechsel steht seit Sommer 2018 fest. „Der Vorteil ist: Es staffelt sich ein bisschen, man kann sich drauf vorbereiten“, sagte der als Stevens-Nachfolger vor dreieinhalb Jahren angetretene Nagelsmann. Er weiß aber auch: „Natürlich werde ich am Sonntag traurig sein, wenn ich zum letzten Mal vom Hof fahre.“

          Offen ist plötzlich die eigentlich geklärte Zukunft Rangnicks. Der soll vor der Rückkehr auf den Sportdirektor-Posten mehr Kompetenzen gefordert haben. Dem „Weser-Kurier“ sagte der 60-Jährige vor dem Spiel in Bremen: „Ich gehe fest davon aus, dass es mein letztes Spiel als Bundesligatrainer von RB Leipzig wird. Ob es mein letztes Spiel als Bundesligatrainer wird, kann ich Ihnen nicht zu 100 Prozent sagen. Dazu bin ich und fühle ich mich noch zu jung.“

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