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Fußball : Brasilien trauert um Serginho - Suche nach Schuldigen

  • Aktualisiert am

Fans und Familie nehmen Abschied Bild:

Der brasilianische Fußballprofi Serginho wurde heute beigesetzt. Der 30jährige starb am Mittwochabend während eines Ligaspiels an Herzversagen. Die Suche nach den Gründen und den Schuldigen für den Tod hat begonnen.

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          Tiefe Trauer und die Suche nach Gründen und Schuldigen machten am Tag nach dem Herztod des Profis Serginho den Fußball in Brasilien zur Nebensache. Der 30 Jahre alte Verteidiger vom Erstligisten Sao Caetano war am Mittwochabend beim Punktspiel gegen den FC Sao Paulo mit Herzversagen auf dem Spielfeld tot zusammengebrochen.

          Besonders betroffen von der Nachricht war Bundesliga-Legionär Gilberto. „Serginho war eine fabelhafte Person. Ein harter Arbeiter, der mit allen ein gutes Verhältnis hatte“, äußerte sich der Mittelfeldspieler von Hertha BSC Berlin in einem Interview mit dem brasilianischen Sender „Radio Brasil“ über seinen früheren Teamkollegen, der erst am 19. Oktober Geburtstag gefeiert hatte.

          Serginho hätte aufhören müssen

          Erst wenige Stunden zuvor war Gilberto mit seiner Berufung für das Länderspiel der „Selecao“ in Ekuador positiv überrascht worden. „Ich bin zufrieden zu Bett gegangen. Am Morgen habe ich dann die Nachricht im Internet gelesen. Ich war so niedergeschlagen, daß ich sogar das Training ausfallen lassen wollte“, berichtete der 28jährige, der noch im vergangenen Jahr bei Sao Caetano gespielt hatte. An der Hertha-Übungseinheit nahm er dann aber doch teil.

          Serginhos Ehefrau

          Bereits Anfang des Jahres waren bei Paulo Sergio de Oliveira Silva, wie Serginho mit bürgerlichem Namen hieß, ein erweitertes Herz sowie eine ernsthafte Herzmuskelerkrankung festgestellt worden. „Es wäre korrekt gewesen, wenn der Spieler sich vom Fußball zurückgezogen hätte“, erklärte Nabil Ghoraieb, Chef der Kardiologie-Abteilung der mit der Routine-Untersuchung beauftragten Herzklinik Incor. Die Entscheidung lag nach seiner Auffassung aber allein beim Spieler.

          Fehlerhafte Rettungsmaßnahmen?

          Derweil wehrten sich Verantwortliche des gastgebenden FC Sao Paulo und der Klinik „Sao Luiz“, in die Serginho schon 20 Minuten nach seinem Zusammenbruch mit Herzversagen und Atemstillstand eingeliefert worden war, gegen den Vorwurf fehlerhafter Rettungsmaßnahmen. Zwar war der in den Stadionkabinen aufbewahrte Notfall-Defibrilator nicht sofort greifbar, aber nach nur knapp drei Minuten konnten die Ärzte bereits Wiederbelebungsversuche mit Geräten im Ambulanzwagen durchführen.

          So stand vor allem Sao Caetano im Kreuzfeuer der Kritik. „Wer einen Klub leitet, sollte verhindern können, daß ein Spieler in solch einer Situation das Feld betritt“, wies Ex-Trainer Mario Sergio, der von den Herzproblemen wußte, auf die Verantwortung des Vereins hin. „Die Chancen, daß etwas passieren könnte, standen bei einem Prozent“, sagte Torhüter Silvio Luiz. „Silvio Luiz ist Torwart, kein Arzt“, wehrte aber Klubpräsident Nairo Ferreira de Souza ab, der den Vereinsangestellten einen „Maulkorb“ anlegte.

          „Er hätte an seine Frau und seinen Sohn gedacht“

          Serginhos Ehefrau Helaine bestätigte, daß die Ärzte ihrem Mann trotz der Herzprobleme „grünes Licht“ gegeben hatten. „Er hätte nie gespielt, wenn er gewußt hätte, was passieren könnte. Er hätte an sein Leben, seine Frau und seinen Sohn gedacht“, sagte die Witwe vor der Beerdigung am Freitag in ihrer Heimatstadt Coronel Fabriciano (Minas Gerais). Serginhos Eltern Virgilio und Ana waren erst im letzten Moment eingetroffen, da sie sich das nötige Geld für die 400 km lange Busreise leihen mußten.

          Derweil hat der brasilianische Fußballverband CBF eine dreitägige Trauer ausgerufen und das Pflichtspiel von Sao Caetano am Sonntag gegen Parana verlegt. Dagegen sollen schon am kommenden Mittwoch die restlichen 31 Minuten aus dem Ligaspiel gegen Sao Paulo beim Stand von 0:0 im Morumbi-Stadion, dem Ort des Unglücks, nachgeholt werden.

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